HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 25.7.: "Babylon 5": Die Serie, die "Lost" und "Breaking Bad" erst möglich machte

Diese Serie sollte das Fernsehen verändern: Anstelle einzelner, abgeschlossener Episoden, erzählte "Babylon 5" zum ersten Mal eine fortlaufende Geschichte, die fünf Jahre im Voraus geplant wurde.

"Babylon 5: Ragesh 3"
16.10 Uhr, Tele 5, täglich
SCIFI-SERIE Ich war dabei, das das Goldene Zeitalter des Fernsehens begann. Lange vor "Game of Thrones", lange vor "Breaking Bad", "Lost" oder den "Sopranos", machte sich eine TV-Serie auf, mit allen Konventionen zu brechen, die bis dato im Fernsehen galten. Ihr Name: "Babylon 5". Ihr Schöpfer, der Drehbuchschreiber J. Michael Straczynski (JMS), hatte einen ambitionierten Traum: Er wollte eine Fernsehserie entwickeln, in der sich eine Geschichte über fünf Jahre stetig weiter entwickeln konnte, in der Charaktere lernten, sich veränderten, in der kein Zurück zum Status Quo ante mehr möglich war. Was heute schon zum festen Standard für Qualitätsserien gilt, war zu Beginn der 90er ein neues und höchst risikoreiches Unterfangen.

Eine Serie, so war es in den Köpfen der Fernsehbosse fest verankert, durfte das Publikum nicht überfordern. Und dazu gehörte auch, dass jede Folge für sich abgeschlossen und verständlich sein musste. Sei es beim "A-Team", "Knight Rider" oder bei Cartoons wie "Masters of the Universe" (für die JMS übrigens auch schon gearbeitet hatte) - am Ende musste stets der große Reset-Button gedrückt werden. Nur, wenn die äußeren Umstände die Serie dazu zwangen, etwa ein Schauspieler ausgewechselt werden musste, schlug sich dies auch in der Handlung nieder. Für die Sender war das praktisch: Man und konnte die Folgen der Serie wild durcheinander gewürfelt ausstrahlen.

JMS schwebte etwas epischeres vor - eine Art "Herr der Ringe" im Weltall. Darüber ergraute der Schreiber innerhalb von fünf Jahren - 91 der insgesamt 110 Folgen der Serie stammen aus seiner Feder - an Schlaf oder Freizeit war nicht mehr zu denken. Die Mühe lohnte sich: Auch heute noch in B5 ein faszinierendes Stück Fernsehen, die Geschichte der "letzten der großen Weltraumstationen", eine Erzählung von großen Kriegen und persönlichen Tragödien, eine Erzählung in der niemand das ist, was er zu Beginn der Serie zu sein scheint.

Und doch werden schon in "Ragesh 3", der ersten der regulären Folgen (der weniger gelungene Pilotfilm kann ausgelassen werden), die Grundsteine für Schlüsselmomente gelegt, die erst Jahre später in der Serie wichtig werden. JMS hat auf die Cleverness der Zuschauer vertraut - und wurde nicht enttäuscht. Dass er sich mit diesem Traum gegen alle Widrigkeiten durchboxte, hat die Fernsehlandschaft für immer verändert. Der Reset-Button ist fort. Und wir haben "Breaking Bad". Danke dafür, JMS!

PS: Die Serie braucht einige Zeit, um in Schwung zu kommen. Unter den ersten Folgen befinden sich noch einige Rohrkrepierer - aber wer durchhält, wird ab Staffel zwei belohnt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Easy Money – Spür die Angst"
22.00 Uhr, ZDF Kultur
THRILLER nach Jens Lapidus, dessen erster Teil einer Stockholm-Trilogie wochenlang die schwedischen Bestsellerlisten anführte. Im Mittelpunkt steht Johan „JW“ Westlund (Joel Kinnaman), der von einem Luxusleben träumt und dafür immer tiefer ins Verbrechen abdriftet. (bis 23.55)

So glücklich war ich noch nie
23.55 Uhr, ZDF Kultur

TRAGIKOMÖDIE Frank (Devid Striesow) ist ein lächelnder Betrüger. Er leidet unter dem Zwang, zu be eindrucken. Nach seiner Entlassung aus dem Knast kommt er beim braven Bruder (Jörg Schüttauf) unter und gelobt Besserung… Glänzende Studie einer Gaunerseele. (bis 1.25)

Themen in diesem Artikel