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TV-Tipp 4.9.: "Inglourious Basterds": Brenne, Hitler, brenne!

Ach, wäre es doch nur so gewesen: Quentin Tarantino schreibt die Geschichte um, und Hitler stirbt in einem brennenden Kino. Unser TV-Tipp des Tages.

Die Rache des Riesengesichts: Kinobesitzerin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) schreibt die Geschichte um

Die Rache des Riesengesichts: Kinobesitzerin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) schreibt die Geschichte um

"Inglourious Basterds"
22.10 Uhr, Vox
KRIEGSFILM Es tut so gut, Hitler sterben zu sehen. Kaum habe ich diese Worte geschrieben, bin ich erschrocken über mich selbst. Aber es ist einfach so. Dieser Moment, in dem "Bärenjude" Eli Roth und "Basterd" Ulmer Adolf Hitler (Martin Wuttke) und Joseph Goebbels (Sylvester Groth) mit Maschinengewehrfeuer durchlöchern, dieser Moment, in dem der brennende Zigarettenstummel durch die Luft fliegt und das Kino in Flammen setzt, dieser Moment, in dem Shosannas (Mélanie Laurent) Gesicht überlebensgroß, einem Racheengel gleich, auf der Leinwand erscheint, hat etwas unglaublich Befriedigendes.

Ich saß im Kino und wollte meine Faust in die Luft recken. Hunderte Geschichtsstunden in Schule und Uni, die schrecklichen Besuche in Konzentrationslagern, meine Freundschaft mit der Holocaustüberlebenden Erna de Vries, all dies kulminierte in diesen einen Augenblick. Die Schüsse. Die Flammen. Der zuckende Körper Hitlers. Es ist der ultimative Payoff, die ultimative, nicht nur jüdische Rachefantasie. Das Kino tötet einen der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte. Im Kino. Die Kultur triumphiert über das Barbarentum. Yes!

Natürlich verlief die Geschichte anders. Aber das Kino kann Geschichte umschreiben, kann vollbringen, woran die Realität scheiterte. Aber darf das Kino das auch? Die Debatte ist eine zutiefst deutsche. "Ist das denn auch historisch korrekt?", fragen wir gerne, wenn ein Spielfilm auch nur ansatzweise in die Vergangenheit blickt. Und erst, wenn jedes winzige Abzeichen auf Stauffenbergs Uniform an der richtigen Stelle sitzt, nicken wir gnädig mit dem Kopf. Selbst bei der "Wanderhure", himmerlhergottnochmal!

Aber Filme sind eben keine Geschichtsstunden. Mag die Frage nach historischer Korrektheit bei Dokumentationen noch recht und billig sein, gerät sie bei fiktionalen Stoffen schnell zur Authentizitätsfalle. Die eine, die "richtige" Geschichte gibt es sowieso nicht. Auch nicht, wenn unsere Historiker zigtausende Ministerialerlasse, Zeitzeugenberichte und Zeitungsartikel sammeln und auswerten. Auch nicht, wenn Guido Knopp sie in leicht verdauliche Halbstundenhäppchen packt. Denn jedes neue Dokument, jeder neue Fund, kann das fragile, hart erarbeitete Vergangenheitsbild wie ein Kartenhaus in sich zusammen stürzen lassen (siehe Kurras' Arbeit als Stasi-Spitzel).

Es brauchte einen Tarantino, um aus diesem selbstgeschnürten Korsett des Bloß-nichts-falsch-darstellen-wollens auszubrechen (bzw. über einen Ausbruch zumindest nachzudenken). Alleine deswegen ist "Inglourious Basterds" schon ein Muss. Von der überlebensgroßen Schauspielleistung eines Christoph Waltz, der sich mit seiner Rolle als sadistischer SD Standartenführer Hans Landa in den Hollywood-Olymp katapultierte, ganz zu schweigen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Klitschko"
23.25 Uhr, Servus TV


DOKUMENTARFILM über das Leben der Schwergewichtsweltmeister Vitali (heute Bürgermeister von Kiew) und Wladimir Klitschko von der Kindheit in der Ukraine bis zu ihrer Karriere im Ring. Die Biografie der Brüder birgt Dramatik und Anekdoten genug, um auch No-Boxer zu fesseln. (bis 1.30)

"Sofias letzte Ambulanz"
23.15 Uhr, WDR


DOKU "Nur noch drei Schlaglöcher", beruhigt die Sanitäterin Mila eine kleine Patientin. Mit Fahrer und Arzt rast Mila Tag und Nacht durch Sofia. Die drei bilden eines von 13 Ambulanzteams, die für zwei Millionen Menschen da sind. Ein preisgekrönter Blick in das Armenhaus Bulgarien. (bis 0.30)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo