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"Schatten der Mörder – Shadowplay" Berlin brutal – diese ZDF-Serie macht Tarantino Konkurrenz

Schatten der Mörder - Shadowplay
In dem ZDF-Vierteiler "Schatten der Mörder - Shadowplay" unterstützt der US-Cop Max McLaughlin (Taylor Kitsch) seine Berliner Kollegin Elsie Garten (Nina Hoss) beim Aufbau einer funktionierenden Polizei in der geteilten Stadt.
© Stanislav Honzik/ZDF / DPA
Chaos, Gewalt und nacktes Überleben: Die ZDF-Miniserie "Schatten der Mörder – Shadowplay" führt ins Berlin des Jahres 1946 - und zeichnet ein düsteres Bild von den Menschen in der zerstörten Stadt. 

"Barbaren" heißt eine derzeit populäre Serie auf der Streamingplattform Netflix, die von der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus erzählt. "Barbaren" könnte auch ein treffender Titel für den Mehrteiler sein, den das ZDF am Freitag an vier aufeinander folgenden Abenden ausstrahlt: "Schatten der Mörder - Shadowplay" spielt in dem vom Zweiten Weltkrieg komplett zerstörten Berlin. 

Die Menschen hausen in Trümmern, Kinder verhalten sich wie Bestien und es herrscht keine öffentliche Ordnung. Um die herzustellen, kommt der amerikanische Polizist Max McLaughlin (Taylor Kitsch) im Sommer 1946 in die frühere Hauptstadt des Deutschen Reichs, die mittlerweile in vier Bereiche aufgeteilt ist. In der amerikanischen Besatzungszone soll er zusammen mit der deutschen Kollegin Elsie Garten (Nina Hoss) eine Polizeieinheit aufbauen.

McLaughlin macht schnell Bekanntschaft mit dem rauen Klima, das in Berlin herrscht. Bevor er auf dem Polizeirevier ankommt, ist er schon seine Dienstwaffe los: Straßenkinder haben ihn in einen Hinterhalt gelockt, niedergeschlagen und beraubt. 

In Berlin herrscht Gesetzlosigkeit

Dem Neuankömmling bleibt nicht lange Zeit, sich in Berlin zu akklimatisieren. Denn kurz darauf werden die Leichen von zwei GIs gefunden, die brutal zu Tode geprügelt wurden. Hinter den Morden steckt der "Engelmacher" (Sebastian Koch). Ein Arzt, der vergewaltigten Frauen hilft - die dafür als Gegenleistung für sein kriminelles Netzwerk arbeiten müssen.

McLaughlin ist noch aus einem anderen Grund nach Berlin gekommen: Er sucht seinen im Krieg verschwundenen Bruder Moritz (Logan Marshall-Green), der entflohene Naziverbrecher zur Strecke bringt.

Mit viel Aufwand lässt diese Miniserie des schwedischen Regisseurs Måns Mårlind ("Die Brücke") das Nachkriegsberlin wieder auferstehen. Er zeichnet ein düsteres Bild von den Menschen in dieser Stadt, die sich nicht nur auf einem wirtschaftlichen Nullpunkt befinden, sondern auch ohne Gesetz und Moral leben. Einzig ein Cellist, der in den Trümmern Bach-Suiten spielt, erinnert hier daran, dass Deutschland einst eine Kulturnation war.

Züge von Tarantino

Vom Pathos und Fleiß des Wiederaufbaus ist hier noch wenig zu spüren. Stattdessen sieht man die Menschen beim täglichen Überleben und Verdrängen. Die Faszination dieser Serie entsteht darin, die beiden Hauptfiguren McLaughlin und Elsie Garten zu begleiten, während sie sich täglich neu durch das Chaos der vier Besatzungszonen mit ihren unterschiedlichen Interessen schlagen.

Bisweilen ist die Serie ungeheuer grausam, fast splatterhaft - als stünde Quentin Tarantino Pate, der in "Inglourious Basterds" bereits lustvoll Nazis niedermetzelte. Eine ähnliche Befriedigung stellt sich auch beim Zusehen von "Shadowplay" ein, wenn die Handlanger der Vernichtungslager zur Strecke gebracht werden. 

Die Serie verweist aber auch auf andere Filmklassiker. So sind Anspielungen auf "Der dritte Mann" zu erkennen und auf Rossellinis 1947 in der Ruinenstadt gedrehter Film "Deutschland im Jahre Null". Auch wenn viele Zuschauer angesichts der düsteren Gegenwart sicher nach helleren Inhalten dürsten - dier Mehrteiler ist unbedingt sehenswert.

Das ZDF zeigt die acht Teile von "Schatten der Mörder - Shadowplay" ab dem 30. Oktober an vier aufeinander folgenden Abenden jeweils um 20.15 Uhr als Doppelfolge. Die Filme sind bereits jetzt in der Mediathek zu sehen.


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