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TV-Tipp 6.9: "Frances Ha": Warum Peter Pan nicht ewig leben kann

Selten hat eine Komödie so treffsicher dieses melancholische Gefühl festgehalten, im Leben einfach mal auf Pause drücken zu wollen. "Frances Ha" ist unser TV-Tipp des Tages.

Veränderungen sind programmiert: Frances Haliday (Greta Gerwig, rechts) will ihre Mitbewohnerin Sophie (Mickey Sumner) nicht ziehen lassen

Veränderungen sind programmiert: Frances Haliday (Greta Gerwig, rechts) will ihre Mitbewohnerin Sophie (Mickey Sumner) nicht ziehen lassen

"Frances Ha" 20.15 Uhr, Servus-TV
MELANKOMÖDIE Manchmal ist das Leben so schön, dass man einfach auf Pause drücken möchte. Der Moment, in dem wir zum ersten Mal verliebt sind. Das Auslandsjahr, in dem wir uns so frei fühlen wie nie zuvor. Die Studentenzeit, in der unsere WG zur heiß geliebten Ersatzfamilie wird. Doch diese Momente kommen mit eingebautem Ablaufdatum. Unsere kleine Patchworkfamilie aus Freunden und Bekannten ist dazu verdammt, auseinander zu brechen.

An diesem Punkt begegnen wir Francis (Greta Gerwig). Die 27-jährige teilt sich mit ihrer BFF Sophie (Mickey Sumner) eine WG in New York - und kann sich kein besseres Leben vorstellen. Als ihr Freund eine gemeinsame Wohnung beziehen will, macht sie lieber Schluss. Doch während Francis alles versucht, um an ihrer perfekten kleinen Welt festzuhalten, hat die Idylle längst Risse bekommen. Sophie will in einen besseren Stadtteil ziehen, geht eine ernsthafte Beziehung ein und entfernt sich immer weiter von ihrer besten Freundin. Die klammert sich verzweifelt an ihr altes Leben und verstrickt sich dabei in ein Netz aus Lügen und Selbstbetrug. "You look much older but less grown up", vergleicht eine Bekannte Francis mit ihrer entfremdeten Freundin. Der ultimative Schlag ins Gesicht. Für immer ein Kind bleiben, das können eben doch nur Peter Pan und Pippi Langstrumpf.

Wer nun aber befürchtet, "Frances Ha" wäre nur etwas für Taschentuchfreunde, irrt: Der Film ist durchaus komisch. Regisseur Baumbach macht sich jedoch nicht über seine Hauptfiguren lustig und vermeidet Klischees und Vorverurteilungen, die in Komödien gerne einmal für billige Lacher ausgeschlachtet werden. Auch dank einer herausragend spielenden Gerwig gelingt es dem Film, die schwierige Balance zwischen Tragik und Komik zu wahren.

So verneigt sich "Frances Ha" vor der schönen Zeit, die wir einst erleben durften, führt uns aber auch die Unweigerlichkeit vor Augen, diese nicht für ewig anhalten zu können. "Every new beginning comes from some other beginning's end", sangen Semisonic einst. Machen wir was draus - und lassen uns von Greta Gerwig einen Stupps in Richtung Großwerden geben.
Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Hierankl"
22.30 Uhr, Bayern
NEO-HEIMATDRAMA Zum 60. ihres Vaters (Josef Bierbichler) kehrt Lene (Johanna Wokalek) auf den heimatlichen Hof zurück. Ihre Mutter (Barbara Sukowa) empfängt sie mit der gleichen Kälte, die Lene einst vertrieben hatte. - Kraftvoll erzählter und gespielter Alphof-Albtraum. (bis 23.55)

"Unter Verdacht: Mutterseelenallein"
23.55 Uhr, Servus TV

KRIMI und ein Fall zum Frösteln: Der 9-jährige David hat sich angeblich selbst getötet. Prohacek (Senta Berger) und Langner sind fassungslos. Stück für Stück enthüllen ihre Nachforschungen eine Tragödie allseitigen Versagens. - Bestürzender Blick in Nachbartüren und Amtsflure. (bis 21.45)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo