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Betrugsprozess Sarah Kern schwänzt Gerichtstermin - mit grotesker Ausrede

Sarah Kern
Sarah Kern 2013 beim Besuch der Pferdeshow "Apassionata" in München.
© Picture-Alliance
Sie soll nächstes Mal, wenn nötig, von der Polizei vorgeführt werden: Obwohl sie als Zeugin geladen war, erschien Sarah Kern nicht zu einem Prozess in Freiburg. Dabei sollte sie Interesse an der Aufklärung haben - es geht um 50.000 Euro.

Die 50.000 Euro sind weg. Sarah Kern hatte sie im vergangenen Jahr einem Mann gegeben. Er hatte behauptet, Beweise für ein von ihrem Ex-Mann geplantes Mordkomplott liefern zu können. Gegen den Rat der Polizei glaubte die Designerin dem Fremden und zahlte. Als Gegenleistung erhielt sie aber keinen Schlüssel zu einem Bankschließfach, sondern zu einem Fahrradschloss.

Diesen bizarren Fall verhandelt das Freiburger Amtsgericht seit diesem Mittwoch. Auf der Anklagebank sitzt Andreas M. Er ist der Mann, der Sarah Kern betrogen haben soll und gegen den sie schließlich Strafanzeige wegen Betruges stellte. Der Angeklagte behauptet, im Auftrag eines Russen gehandelt zu haben, von dem er weder Adresse noch Kontaktdaten kenne. Eine Schutzbehauptung? Um diese Frage zu überprüfen, hatte das Gericht auch Kern als Zeugin geladen. Doch die 49-Jährige erschien nicht.

Sarah Kern lässt sich per Mail entschuldigen

Das ehemalige Model sollte eigentlich großes Interesse an einer Aufklärung des Falles haben. Schließlich sind die von ihr gezahlten 50.000 Euro bis heute verschwunden. Doch Kern ließ sich per E-Mail entschuldigen: "Bitte verzichten Sie auf weitere Einladungen an Frau Kern, da sie hierzu keine sachdienlichen Hinweise machen kann", zitiert die "Badische Zeitung" aus dem Schriftstück. Ein seltsames Gebaren. Staatsanwältin Sabrina Haberstock forderte gar, Kern zum nächsten Verhandlungstag von der Polizei vorführen zu lassen.

Dass Kern keine sachdienlichen Hinweise machen könnte, ist eher unwahrscheinlich. Denn sie war es, die den Fall mit einem Facebook-Aufruf erst ins Rollen brachte. 2015 lobte sie eine Belohnung für denjenigen aus, der ihr sachdienliche Hinweise für ein Mordkomplott gegen sie liefern könne. Kern war der festen Annahme, dass Goran Munizaba ihre Tötung plane. Bis heute gibt es dafür keinen Beweis, die Polizei ermittelte erfolglos.

Bizarr: Kern glaubte Andreas M., obwohl die Polizei abriet

Kern bekam eine E-Mail von einem Mann namens "Peter Pan". Er behauptete, ein Video zu besitzen, das diesen Beweis liefern könne und verlangte 100.000 Euro dafür. Kern glaubte ihm. Bei der Übergabe von 50.000 Euro am Freiburger Hauptbahnhof im Dezember 2015 nahm die Polizei den Mann fest und identifizierte ihn als polizeibekannten Betrüger. Trotzdem bestand Kern darauf, ihm das Geld auszuhändigen.

"Frau Kern war felsenfest davon überzeugt, dass sie Informationen bekommen würde", sagte eine Polizistin am Mittwoch vor Gericht aus. Selbst als Kern über die Vergangenheit des Mannes erfahren habe, sei sie nicht von dieser Idee abzubringen gewesen. Ein weiterer Beamter sagte vor Gericht aus, dass ihm Sarah Kern am Telefon "sehr bestimmend" gesagt habe: "Händigen Sie ihm das Geld aus!" Die Polizei tat wie befohlen.

Prozess wird am 18. November fortgesetzt

Erst als Kern am nächsten Tag feststellte, dass es sich bei einem angeblichen Schlüssel zu einem Schließfach in Wahrheit um einen Schlüssel zu einem Fahrradschloss handelte, dämmerte es ihr. Sie stellte Strafanzeige gegen "Peter Pan", der jetzt als Angeklagter Andreas M. vor Gericht sitzt. Als die Polizei ihn am anderen Tag aufgriff, war das Geld weg. Angeblich an den Russen namens "Leo" übergeben, behauptet M.

Am 18. November wird der Prozess fortgesetzt. Dann wird auch Sarah Kern erscheinen müssen. Notfalls mit Polizeigewalt.

mai

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