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TV-Tipps des Tages für den 12.3.: Aufstieg und Fall eines Zuhälters

Ohne Bling-Bling biste nix auf'm Kiez. Doch als Zuhälter Hotte plötzlich reich wird, fangen die Probleme erst an. Dominik Grafs Milieustudie "Hotte im Paradies" ist unser TV-Tipp des Tages.

Steht im Regen und ist doch glücklich: Hotte (Misel Maticevic)

Steht im Regen und ist doch glücklich: Hotte (Misel Maticevic)

"Hotte im Paradies" 22:15 Uhr, EinsPlus
Dominik Graf ist viel zu spät in mein Leben getreten. 2010 war es, als eine Kollegin völlig begeistert in unsere Redaktion stürzte. Am Abend, sagte sie, liefe "Im Angesicht des Verbrechens" im TV, da müsse ich unbedingt einschalten. Ich war skeptisch: Das Werk, das sie mir empfahl, klang nach deutschem Krimieinheitsbrei. Mafiamilieu, Kiezgeschichte. Das Übliche halt. Ich schaltete trotzdem ein - und war begeistert. So etwas hatte ich im deutschen Fernsehen lange nicht mehr gesehen: Eine zehnteilige Miniserie mit geschickt ineinander verwobenen Handlungssträngen, sehr atmosphärisch gefilmt, mit glaubhaften Charakteren und Dialogen, die den Darstellern Raum zum Schauspielern geben. (Gut, abgesehen von KDD...)

Seitdem horche ich auf, wenn der Name Dominik Graf in meiner Fernsehzeitung auftaucht - so wie heute Abend. "Hotte im Paradies" wird wiederholt. Der Film ist acht Jahre vor im "Angesicht des Verbrechens" entstanden und klingt wie eine Fingerübung zur Serie.

Im Mittelpunkt steht Hotte (Misel Maticevic), ein kleiner Zuhälter in Berlin-Charlottenburg kurz nach der Wende. Hotte will hoch hinaus - das Problem: Er bringt einfach nicht genug Blingbling mit, um mit den ganz Großen auf dem Kiez mithalten zu können. Das ändert sich, als die Anschafferin Jenny (Nadeshda Brennicke) in sein Leben tritt. Plötzlich laufen die Geschäfte wie geschmiert. Und Hotte kann sich endlich eine goldene Rolex und ein Jaguar Coupé leisten. Doch der kometenhafte Aufstieg vergrößert nur die Fallhöhe, die schon auf ihn lauert.

Ich bin gespannt, ob der Film an die Genialität der Serie heranreicht. Einschalten sollten Sie auf jeden Fall: Grafs Filme sind eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Fernsehen - und werden es wohl auch bleiben. Leider. Denn während sich die Kritiker regelmäßig vor Lob überschlagen, lassen sich einfach zu viele Leute von seinen nicht immer leicht verdaulichen Produktionen abschrecken. Aber gelegentlich gönnt sich das Öffentlich-Rechtliche dann doch wieder einen Graf - trotz der zu erwartenden mauen Einschaltquote. Danke dafür!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, Redakteur bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Keine Zeit für Träume"
20.15 Uhr, ARD
DRAMA Keine Angst vorm Kitschtitel: Hier will gar keiner träumen. Ein normales Leben zu führen, das würde Familie Falk schon reichen. Seit Lehrer Heinicken den Eltern (Anneke Kim Sarnau, Harald Schott) von Merle geraten hat, ihre elfjährige Tochter wegen schlechter Leistungen vom Gymnasium zu nehmen, scheint das nicht mehr möglich. Die Psychologin stellt ADS fest. Plötzlich weiß jeder, was gut ist fürs Kind, und plötzlich "funktioniert" nichts mehr von selbst. - Das Drama zeigt den Entscheidungsdruck, den eine ADS-Diagnose auslösen kann, und die Sprengkraft, mit der sie Familienstrukturen erschüttert. Aktuelles Thema, auf den Punkt gebracht, mit Leidenschaft diskutiert. (bis 21.45)

"Die Stadt der Frauen – Heute"
23.10 Uhr, Arte

DOKU "Ich bin stolz auf meine Falten" und "Alle Frauen sind schön", skandieren die Frauen in Fellinis Kinomärchen von 1979. Chiara Sambuchi forscht nach, was aus diesem Umgang mit der Weiblichkeit geworden ist - u. a. bei einem Model, einer Hure und den eigenen weiblichen Verwandten. (bis 0.40)

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