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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 10.7.: "Das unsichtbare Mädchen": Vom Kind, das nie wieder nach Hause kam

Besser als jeder "Tatort": Dominik Graf dreht Krimis, die sich jedem Schema verweigern. In "Das unsichtbare Mädchen" nimmt er sich den Fall Peggy zum Vorbild. Beklemmend. Unser TV-Tipp des Tages.

Ermittlungen im Rotlichtmilieu erfordern viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Oder ein scharfes Messer, wie es Hauptkommissar Tanner (Ronald Zehrfeld) bevorzugt.

Ermittlungen im Rotlichtmilieu erfordern viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Oder ein scharfes Messer, wie es Hauptkommissar Tanner (Ronald Zehrfeld) bevorzugt.

"Das unsichtbare Mädchen"
23.35 Uhr, Arte
Wer des Öfteren unsere TV-Tipps liest, weiß, dass ich einen Grafen verehre. Nicht den singenden. Den filmenden. Dominik Graf. Jenen Mann, der diese herrlich cleveren Krimis filmt, in denen nie zuviel geredet wird und der es immer wieder schafft, mich mit gewagten, atmosphärisch dichten Filmbildern zu überraschen.

In diesem Fall ist es eine verstörende Bordellszene. Der Berliner Polizeimeister Niklas Tanner (Ronald Zehrfeld) ermittelt auf eigene Faust im deutsch-tschechischen Grenzgebiet an einer Sache, die seine Vorgesetzten lieber begraben würden: Vor elf Jahren verschwand im Dorf Eisenstein die achtjährige Sina Kolb. Ein geistig behinderter Mann geriet unter Verdacht, brach im Verhör mit einem Geständnis zusammen. Wer sich nun an den Fall erinnert fühlt, liegt goldrichtig.

Die Spur der Verschwundenen führt Tanner zum Luzi-Club, einem Bordell hinter der tschechischen Grenze. Und nun zeigt Graf ausgerechnet den Kommissar, den weißen Ritter, der gekommen ist, um das Mädchen aus den Klauen ihrer Zuhälter zu befreien, wie er sich den minderjährigen Prostituierten hingibt. Doch dabei fängt die Kamera mitnichten Ekel auf seinem Gesicht auf. Tanner, der aus Berlin in die Provinz geflohen ist, weil er etwas mit einer minderjährigen Zeugin angefangen hatte, lächelt selig. Unglaublich. Und unglaublich auch, dass der Film in diesem Moment nicht kippt, wir nicht mit einem Schlag alle Sympathien für Tanner verlieren. Strahlende Helden gibt es eben nie bei Graf. Nur Menschen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Rach tischt auf!"
20.15 Uhr, ZDF


SHOW "Was sagt es über das deutsche Fernsehen aus, wenn ein gelernter Koch neben einer professionellen Moderatorin die bessere Figur abgibt?", fragte ein Kritiker nach der Premierenshow vom Hamburger Fischmarkt. Tatsächlich waren drei Moderatoren in den ersten beiden Folgen von "Rach tischt auf" zwei zu viel. Ab heute steht der Ex-Restauranttester wieder solo am Herd, erklärt, wo Olivenöl und Parmaschinken wirklich herkommen und woran Italienfans erkennen, wo die Ware produziert wurde. Nach der "cucina italia" widmet sich die zweite Sommerausgabe (17.7.) dem Fisch aus deutschen Gewässern. Ernährungsberatung, die Spaß macht: nüchtern, professionell und gesalzen. (bis 21.45)

"Der Rassist in uns"
22.15 Uhr, ZDFneo


EXPERIMENT Blauäugige werden gedemütigt, Braunäugige bevorzugt, Protest ist untersagt. Die Probanden eines 1968 erstmals durchgeführten Experiments erfahren, wie sich Diskriminierung anfühlt. Hier nochmal mit Expertenkommentar. Danach: Mo Asumangs "Die Arier" - mit Empfehlung unseres Fernsehgerichts. (bis 23.30)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo