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"Maischberger": Warum die Sexismus-Debatte trotz Sophia Thomalla erkenntnisreich war

Bislang war Sophia Thomalla nicht gerade als Feministin bekannt. Und so war es wenig verwunderlich, dass sie bei "Maischberger" kein gutes Haar an der #metoo-Kampagne ließ. Letztlich war es ein Mann, der die Dringlichkeit des Themas erklären musste.

Sophia Thomalla bei "Maischberger"

Sophia Thomalla war Gast bei "Maischberger" und sprach zum Thema Sexismus.

"Panikjahr 2017: Besser als befürchtet?" lautete das Thema bei Sandra Maischberger. Die Moderatorin sprach mit ihren Gästen über einige der Aufregerthemen des Jahres: Trump, AfD, Ehe für alle - und die #metoo-Kampagne. Dazu hatte sie ausgerechnet eingeladen. Jene Frau, die seinerzeit mit dafür verantwortlich war, dass der Talk zum Thema Sexismus und Gender bei Frank Plasberg komplett aus dem Ruder lief.

Man musste Schlimmes befürchten, auf der Homepage von "Maischberger" wurde die 28-Jährige mit dem unfassbar dreisten Statement eingeführt: "Wer als Frau ständig gegen Sexismus wettert, hat offenbar noch nie ein Kompliment bekommen." Und so verwunderte es kaum, dass die Tochter von Schauspielerin Simone Thomalla mit der #meetoo-Kampagne wenig anfangen kann, die sie als eine Beleidigung für wahre Vergewaltigungsopfer sieht. 

Sophia Thomalla zeigt wenig Verständnis

Was Thomalla am meisten missfällt: dass sich so viele prominente Frauen zu Wort gemeldet haben. Frauen wie Gwyneth Paltrow, "für die es vor 20 Jahren nicht schlimm genug war, und jetzt, wo sie 100 Millionen auf dem Konto haben, sagen, jetzt ertrag ich's nicht mehr." Dafür hat das Model kein Verständnis: "Wir leben ja nicht im Mittelalter, man hätte auch vor 20 Jahren schon nein sagen können." Damit übersah das Model freilich, dass später berühmte Frauen zu Beginn ihrer Karriere keinerlei Privilegien besitzen und sich gegen Übergriffe viel schlechter wehren können.

Auch von der ARD-Journalistin Astrid Froloff kamen erstaunlicherweise kritische Worte: Die Debatte werde viel zu hysterisch geführt, alles werde in einen Topf geschmissen: "Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch, Anmache, Anzüglichkeiten und unflätige Bemerkungen, das alles unter dem #metoo-Logo, und alle outen sich", ereiferte sich die TV-Korrespondentin. "Das hilft uns nicht weiter und stellt die Männer auch pauschal an den Pranger."

"Viele Männer können damit umgehen", widersprach "Spiegel"-Journalist Feldenkirchen sogleich. Und stellte die Bedeutung der Debatte klar: "Ich glaube, dass die Klammer für diese unter dem Hashtag erhobenen Vorwürfe Machtmissbrauch ist." Die Debatte trage dazu bei, dass in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür geweckt werde, wie Frauen unter den bestehenden Strukturen zu leiden hätten. Das Ausmaß der Empörung gebe vielen Männern zu denken.

Dass ein Mann die Sexismus-Debatte gegen die Frauen in der Runde verteidigt, mag auf den ersten Blick verwundern. Man kann das aber durchaus als gutes Signal werten. Es zeigt, dass sich inzwischen wirklich etwas bewegt.

che