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WM-Moderatorin Julia Scharf: Sie kühlt die wilden Jungs herunter

Wenn sich die Jungs auf dem Platz ausgetobt haben, kommt sie - und stellt kühle Fragen. Julia Scharf ist für die ARD als Stadionmoderatorin im Einsatz. Mit entgleisten Interviews wie bei der WM 2014 ist nicht zu rechnen.

Julia Scharf

Julia Scharf ist während der WM für die ARD als Stadionmoderatorin im Einsatz.

Getty Images

Die Situationen unmittelbar nach Abpfiff sind die gefährlichsten im Leben eines Sportreporters. Die Spieler sind noch voller Adrenalin und schon allein deshalb selten in der Lage, die zurückliegenden 90 Minuten kühl zu reflektieren. Die Gefahr, dass es zu Zusammenstößen kommt, ist groß. Wer erinnert sich nicht an Jeder setzt sich noch an das legendäre "Eistonnen"-Interview bei der WM 2014: Mit seinen etwas zu forschen Fragen trieb ZDF-Reporter den deutschen Nationalspieler Per Mertesacker zur Weißglut, das Interview eskalierte.

Dass sich bei diesem Turnier ähnliches wiederholt, ist zumindest in der ARD nicht allzu wahrscheinlich. Denn hier ist als Stadionmoderatorin unterwegs und holt unmittelbar nach Abpfiff erste Reaktionen ein. 

Julia Scharf setzt auf Empathie

Die hat schon vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Frankreich gezeigt, was sie für diesen Job qualifiziert: Scharf bleibt auch in heißen Situationen kühl. So verhindert sie Entgleisungen, ohne auf kritische Fragen zu verzichten. Sie geht einfach nur geschickter vor. Dem beschrieb sie ihren Ansatz im Vorfeld der WM so: "Konfliktscheu bin ich nicht. Ich habe keine Hemmungen." Gleichzeitig sagt sie aber auch: "Ich versuche empathisch vorzugehen." Vielleicht ist es gerade dieses Einfühlungsvermögen, das sie von den Büchlers dieser Welt unterscheidet. 

Die 37-Jährige hat eine steile Karriere hingelegt. 2010 moderierte sie auf Sport1 die Sendung "Bundesliga PUR", ein Jahr später schaffte sie den Sprung zu den Öffentlich-Rechtlichen, dort moderierte sie mehrere Sportsendungen für den SWR sowie den Sportteil in den "Tagesthemen".  2014 fuhr sie für die zu den Olympischen Spielen in Sotschi auch Ski Alpin. Seither moderiert sie die "Sportschau am Sonntag", 2016 gehörte sie dann schon zum EM-Team. "Ich habe in der Kreisklasse angefangen zu berichten und mich dann hochgearbeitet", sagt sie.

Sie stammt aus einer sportverrückten Familie

Die Begeisterung für Fußball wurde ihr quasi in die Wiege gelegt: "Da mein Papa keine Jungs hatte, hab ich mit ihm im Garten gekickt oder Fußballspiele geschaut. Generell sind wir eine komplett sportverrückte Familie", sagt die 1981 in Gera, Thüringen geborene Journalistin dem stern.

Ihr Start ins Turnier in Russland verlief gut. Sie durfte nach dem Eröffnungsspiel den russischen Nationalcoach Stanislaw Tschertschessow interviewen. Der spricht nicht nur fließend deutsch - sondern hatte gerade 5:0 gewonnen. 

che