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"ZDF Spezial" zur Wahl ZDF lässt verurteilten Neonazi zu Wort kommen – das sagt der Sender

Nerling vor dem Reichstag
War auch am Dienstagmorgen noch in der Mediathek des ZDF zu sehen: Neonazi Nikolai Nerling
© ZDF
Er ist ein verurteilter Neonazi: Das ZDF ließ in einer Straßenumfrage in seinem "Spezial" zur Wahl am Montagabend auch einen Holocaustleugner zu Wort kommen. Das sagt der Sender.

Die fragliche Szene bekommen die Zuschauer am Montagabend gleich zu Beginn der Sondersendung "ZDF Spezial – Deutschland hat gewählt" zu sehen. In einer Straßenumfrage vorm Brandenburger Tor und vorm Reichstag kommen mehrere Passanten zu Wort und äußern sich zum Ausgang der Bundestagswahl. "Ich bin einigermaßen froh, dass es nicht Rot-Rot-Grün geworden ist", sagt ein Herr im Anzug mit lederner Umhängetasche. Wie sich zeigen wird: Dieser Mann ist ein verurteilter Neonazi.

Nutzer auf Twitter enttarnten den Mann nur wenig später als bekannten Holocaustleugner. Es handelte sich um den Straftäter Nikolai Nerling. Viele User zeigten sich darüber entsetzt, dass der öffentlich-rechtliche Sender einen verurteilten Volksverhetzer zu Wort kommen lässt. Das ZDF reagierte noch am Abend mit einer Mitteilung.

ZDF-Redaktion verteidigt sich

"Dass es sich bei einem von ihnen um einen wegen Volksverhetzung verurteilten Neonazi handelt, konnte die Redaktion nicht erkennen. Seine Äußerung war unauffällig", teilte das ZDF auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Tatsächlich war der Wortbeitrag von Nerling in Bezug auf Rot-Rot-Grün eine von vielen Meinungen in der Straßenumfrage, die allerdings nur einen Ausschnitt des Gesagten zeigte. Ob er sich weitergehend äußerte, ist derzeit nicht bekannt.

Das Argument des ZDF, Nerling nicht erkannt zu haben, wollen einige Twitter-Nutzer allerdings nicht gelten lassen. "Man muss nicht jeden Neonazi und Rechtsextremen in diesem Land kennen, aber ihn schon. Holocaustleugnung, Kündigung als Lehrer, Querdenken-'Journalist' und Reichstagsstürmer. Ihm sollte definitiv keine Bühne geboten werden", kommentierte ein Zuschauer.

Tatsächlich ist Nerling ein bekannter Neonazi. Am 27. November 2020 verurteilte ihn das Landgericht München II wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe. Er war auch der versuchten Stürmung des Reichstages im vergangenen Jahr beteiligt. Der ehemalige Grundschullehrer wurde vom Land Berlin im Mai 2018 aus dem Schuldienst entlassen.

Am Dienstagmorgen war der Ausschnitt mit dem Neonazi in der ZDF-Mediathek noch immer online.

mai

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