HOME

Zwischen Wahn und Wirklichkeit: Matthias Brandt im "Fieber"

Es gibt Krimis, die sind extrem spannend. Und es gibt Filme, die weniger durch ihre Story, als durch ihre Machart überzeugen. Wie der jüngste "Polizeiruf" aus München - ein dramatischer Psychotrip.

Ein Kommissar im Fieberwahn: Im neuen Münchner "Polizeiruf 110" landet Fernsehermittler Hanns von Meuffels mit einer Schusswunde im Krankenhaus. Er wundert sich, warum so viele Menschen auf seiner Station sterben.

Zwischen klarem Bewusstsein und Delirium fängt er an zu ermitteln. Sein Verdacht: todbringende Keime, die hohes Fieber verursachen und deren Existenz die Klinikleitung vertuschen will. Während von Meuffels Beweise sucht, steigt auch seine Temperatur. Immer schwerer fällt es ihm, zwischen Wirklichkeit und Fieberfantasie zu unterscheiden. Am Sonntag um 20.15 Uhr zeigte das Erste den mutigen und ungewöhnlichen Krimi "Fieber", den Hendrik Handloegten für den Bayerischen Rundfunks (BR) inszeniert hat.

Unaufdringlich - aber packend

Zum vierten Mal spielen Matthias Brandt und Anna Maria Sturm als Ermittlerduo. "Fieber" weicht dabei weit von dem ab, was sonst auf diesem Sendeplatz zu sehen ist, allerdings vor allem durch die Machart, weniger durch seine Geschichte. Es ist ein dramatischer Psychotrip in die Gedankenwelt des Kommissars von Meuffels (Brandt), unheimlich und bedrückend, aber auch skurril und mitunter sogar komisch. Brandt ist in seiner Kommissarsrolle endgültig angekommen, so scheint es. Sein Spiel ist unaufdringlich und trotzdem packend. Sein Kommissar ist ein nach außen eher nüchtern und zurückhaltend wirkender Polizist, der aber eine große Intuition besitzt und diese auch geschickt einsetzt.

Gemeinsam mit Kameramann Philipp Haberlandt schickt Handloegten ("Fenster zum Sommer") die Zuschauer auf eine mysteriöse Reise durch die heruntergekommenen, dunklen Gänge eines Krankenhauses, das von der Pleite bedroht ist. Verschwommene Eindrücke, blitzlichtartige Erkenntnisse und psychedelische Farbspiele wechseln einander ab. Die Welt ist grau, schwarz und weiß, so wie der Schnee in der winterlich tristen Berglandschaft, die das Krankenhaus umgibt.

Spiel mit den Grenzen der Realität

Die Grenzen zwischen Realität und Einbildung verwischen im Laufe des Films. Handloegten nutzt das geschickt aus, etwa mit der Figur des Junkies Jürgen (Georg Friedrich). Der ist Täter und Opfer zugleich - er hat von Meuffels in die Brust geschossen, wurde aber auch selbst von Kugeln getroffen und liegt eigentlich im Koma. Doch warum sucht er den Kommissar dann immer wieder heim, wie eine gepeinigte Seele, die keine Ruhe findet?

Jürgen steigt aus der Badewanne, er liegt plötzlich neben von Meuffels im Bett oder grüßt ihn grinsend vom Fensterbrett aus. Das bestärkt den Kommissar in dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Doch keiner glaubt ihm. Nur eine Assistenzärztin fasst Vertrauen und erzählt von den gefährlichen Keimen. Doch bald darauf ist sie tot - angeblich Selbstmord. Das lässt endlich auch von Meuffels Kommissarkollegin Anna Burnhauser (Sturm) aufhorchen.

Cordula Dieckmann, DPA / DPA