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"Polizeiruf 110" aus München: Ein melancholischer Abschied - Matthias Brandts letzter Fall

Nach 15 Einsätzen verabschiedet sich der von Matthias Brandt gespielte Kommissar Hanns von Meuffels. Sein letzter Fall ist ein melancholischer Film geworden, in dem der Ermittler eine bittere Lebensbilanz zieht.

"Polizeiruf 110"

Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und seine neue Kollegin Nadja (Maryam Zaree) müssen in diesem "Polizeiruf 110" den Mord an einer jungen Mutter aufklären.

ARD
  • 4 von 5 Punkten
  • Der letzte "Polizeiruf 110" mit Matthias Brandt ist zwar kein besonders aufregender Krimi geworden, die Folge setzt dem eigenwilligen Ermittler aber ein eindrucksvolles Denkmal.

Worum geht's?

Am Ende dieser Folge steht ein unterzeichnetes Kündigungsschreiben. Wie es dazu kam, erzählt die Folge "Tatorte". Darin muss Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) den Mord an einer jungen Mutter aufklären. Die wird auf einem Parkplatz kaltblütig hingerichtet. Alles deutet auf den Ex-Mann der Frau hin, der um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter kämpft: Am Tatort wurden Fotos aus einem Swingerclub gefunden, den auch der Verdächtige aufgesucht hat. Während der Fall für seine neue Kollegin Nadja (Maryam Zaree) gelöst scheint, hat Meuffels Zweifel.

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

Eine wundervolle Melancholie liegt über dem letzten Fall Hanns von Meuffels', der nach sieben Jahren und 15 Folgen seine Abschiedsvorstellung gibt. Dieses Sentiment zieht sich durch alle Ebenen: Auf der Tonspur dominiert elegische Klassik von Beethoven und Barber, die Bilder sind kühl-distanziert. Meuffels durchläuft in diesem "Polizeiruf" noch einmal alle Stationen seines beruflichen und privaten Scheiterns. Am Ende trifft er auf eine Zigarettenlänge noch mal seine erste Assistentin Anna Burnhauser (Anna Maria Sturm), die ihm kein gutes Zeugnis ausstellt: "Schön war's nicht bei Ihnen."

Drehbuch und Regie stammen von dem Autorenfilmer Christian Petzold ("Die innere Sicherheit", "Barbara"), der bereits die "Polizeiruf"-Folgen "Kreise" (2015 und "Wölfe" (2016) umgesetzt hat, beides Höhepunkte der Krimireihe.

Was stört?

Einer der ganz Großen unter den Fernsehkommissaren nimmt in dieser Folge seinen Hut. Da darf man geflissentlich darüber hinweg sehen, dass sein letzter Fall nicht sonderlich komplex ist, der Schwerpunkt liegt hier auf der persönlichen Geschichte Meuffels'.

Die Kommissare?

Hanns von Meuffels ist wieder Single - und leidet darunter. Seine Lebensgefährtin, die aus früheren Folgen bekannte Kollegin Constanze Hermann (Barbara Auer) hat bereits die gemeinsame Wohnung verlassen und ist nach Nürnberg gezogen, wo sie Polizeinachwuchs ausbildet.

Derweil fremdelt der Kommissar mit seiner neuen Kollegin, die den knorrigen Ermittler mit ihren frisch auf der Polizeischule erlernten Methoden nervt, bis ihm der Kragen platzt: "Das ist doch scheiße. Das ist wie im Fernsehen. Wo haben sie das denn gelernt?" Der anschließende Dialog bringt das eigentliche Problem des Ermittlers auf den Punkt. "Euphorie kann doof machen. Ich war euphorisch, weil ich unbedingt zu ihnen wollte und das dann geklappt hat", entschuldigt sich die junge Frau. Meuffels' resignative Antwort: "Traurigkeit kann auch doof machen." 

Ein- oder Ausschalten?

Die Abschiedsvorstellung von Matthias Brandt alias Hanns von Meuffels sollten Sie auf keinen Fall verpassen.

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