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"Polizeiruf 110"-Check: Wölfe, Kippen, Grusel-Leichen: So ungewöhnlich war der Sonntags-Krimi

"Wölfe" heißt der "Polizeiruf 110" aus Bayern und befasst sich mit dem Mord an einer jungen Frau. Doch eigentlich geht es um die Sehnsucht nach früher - und nach der Liebe. Denn Kommissar von Meuffels alias Matthias Brandt ist immer noch in seine Kollegin aus Hamburg verliebt.

Polizeiruf 110

Einer der wenigen Momente ohne Zigaretten: Constanze Hermann (Barbara Auer) und Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) sind im "Polizeiruf 110" einem Mörder auf der Spur.

Worum geht's?

In "Wölfe" ermittelt der Münchner Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) in einem bayerischen Dorf - ganz in der Nähe von der Wellness-Klinik, in die seine Hamburger Kollegin Constanze Herrmann (Barbara Auer) gerade eingecheckt hat. Sie will von ihrer Alkoholsucht loskommen, landet aber schon am ersten Abend in der Dorfkneipe und glaubt, nachts einen Werwolf gesehen zu haben. Am nächsten Tag taucht eine mysteriöse Frauenleiche auf, deren Gesicht von Bissen entstellt ist. Waren hier Wölfe am Werk? Von Meuffels ermittelt - und flirtet erneut mit Herrman.

Warum lohnte sich der Polizeiruf 110?

Wegen der tollen Atmosphäre, die Star-Regisseur Christian Petzold ("Barbara", "Gespenster") gekonnt heraufbeschwört. "Wölfe" ist sentimental, dunkel, manchmal eklig, und verströmt einen starken Retro-Charme. Letzeres liegt nicht nur an den Zigaretten, die die Kommissare immer und überall qualmen. Die Jukebox spielt Sehnsuchtsmusik von früher, die Gardinen in der Kneipe scheinen seit mindestens 40 Jahren dort zu hängen, es wird über alte Filme geredet, selbst die Sprache wirkt manchmal schwülstig und altmodisch. Dazu kommen Elemente wie aus alten Horror-Filmen, etwa die disharmonischen Klavierklänge. 

Was störte?

Wirklich spannend wird's leider nicht, dafür ist viel zu schnell klar, wer der Mörder ist. Wer sich nicht auf die atmosphärischen Szenen und die Alltagsdialoge einlassen will, dem könnte es schnell langweilig werden. Vorsicht auch bei schwachen Nerven oder Kindern, die noch nicht im Bett sind: "Wölfe" zeigt mehrfach stark entstellte Leichen.

Die Kommissare?

Stehen im Mittelpunkt des Films. Leider sind sie manchmal ein wenig zu cool, um authentisch zu wirken. Die Liebesgeschichte zwischen Constanze Hermann und Hanns von Meuffels wird wie schon beim vergangenen Petzold-"Polizeiruf" weiter gesponnen - allerdings ganz langsam und vorsichtig. Besonders Barbara Auer überzeugt als unzuverlässige Erzählerin.

Ein- oder ausschalten?

Einschalten - wenn sie keine Angst vorm bösen Wolf oder vor den zerfressenen Leichen haben.