HOME

Interview mit Tony Goldwyn: "Mein berühmter Nachname hat mir nicht nur gut getan"

Er ist der Enkel eines der größten Filmproduktionsfirmen-Gründers: Im Interview mit stern.de spricht Schauspieler Tony Goldwyn über seinen neuen Film "Die Bestimmung" und seinen Opa.

Von Frank Siering, Los Angeles

Mr. Goldwyn, Sie sind fast überall zu sehen dieser Tage. Im Fernsehen mit der Hit-Show "Scandal", im Kino mit "Die Bestimmung". Hand aufs Herz, öffnet Ihr berühmter Nachname die Türen in Hollywood?

Von wegen. Mein Großvater war zwar einer der Mitbegründer von MGM (Metro-Goldwyn-Mayer), aber das liegt schon lange zurück und mein berühmter Nachname hat mir nicht immer nur gut getan.

Was meinen Sie damit?


Nun, wenn du als Enkelsohn eines Studiobosses für eine Rolle vorsprichst, dann wirst du häufig doppelt so streng beurteilt. Oftmals wollen die Leute auf der anderen Seite des Schreibtisches beweisen, dass sie die Macht über dich haben.

Aber notfalls hätten Sie doch dann einfach ein eigenes Studio kaufen können?

Ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht in Hollywood. Ich muss schon hart arbeiten für meinen Unterhalt. Das Schöne in meinem Job ist, dass ein Name am Ende des Tages keine Rolle spielt. Du musst deinen Job gut machen, dann wirst du auch angestellt.

Nun, das scheinen Sie seit über 25 Jahren ganz gut hinzukriegen. Wenn nicht der berühmte Nachname, was ist dann Ihr Erfolgsgeheimnis?

Mein Großvater hat mir mal gesagt, dass die Filmindustrie ein Überlebens-Spiel ist. Du darfst niemals aufgeben. Du darfst keinen Plan B in der Tasche haben. Glaube an dich, glaube an deinen Erfolg. Und jage ihm nach. Unerschrocken.

Was hat Ihnen ihr Großvater noch mit auf den Weg gegeben?

Du musst dich ständig neu erfinden. Mach dir keine Gedanken, wie und wo du ins Hollywood-Schema passt. Konzentriere dich auf deinen Weg. Nur das zählt.

Sowohl in "Scandal" wie auch in "Die Bestimmung" spielen Sie einen Politiker. Was ist Ihre Beziehung zur Politik?

Ich interessiere mich dafür, habe aber keinerlei Interesse daran, mich für ein Amt zu bewerben. Ich bin ziemlich engagiert im "Innocence Project".

Was ist das?

Wir kümmern uns um Gefängnisinsassen, die fälschlicherweise einsitzen. Wir besorgen ihnen Anwälte und versuchen, sie aus dem Gefängnis zu holen.

In ihrem neuen Film "Die Bestimmung" sind die Lager in unterschiedliche Fraktionen unterteilt. Wenn Sie sich eine Gruppe aussuchen könnten, welche wäre das dann?


Ich wäre wohl einer der Abweichler. Meine Persönlichkeit ist so. Ich passe schlecht in nur eine Gruppe hinein.

Langatmigkeit ist sehr schwer zu erreichen in Hollywood. Wie haben Sie das geschafft?

Ich habe schnell gelernt, dass man auch mal Nein sagen muss zu einigen Projekten. Und ich habe auch schnell gemerkt, dass es nicht darum geht, auf dem Cover eines Magazins aufzutauchen. Ich bin immer meinem Herzen gefolgt. Und das hat unglaublich befreiend gewirkt.

Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass Sie in "Die Bestimmung" sterben. Macht es dennoch Spaß, in einem Film in der Hollywood-Erfolgs-Kategorie "Young Adult" mitgespielt zu haben?


Aber sicher doch. Ich finde dieses Phänomen ganz außergewöhnlich. Filme wie "Twilight" oder "Die Tribute von Panem" ziehen die junge Generation zurück in die Kinos. Das ist toll.

Ihr Großvater hätte sich darüber sicherlich auch sehr gefreut.

Hätte er mit Sicherheit. Er hat volle Kinosäle geliebt.

Wie lange wollen Sie noch bei "Scandal" an Bord bleiben?


Oh, solange es geht. Mir macht die Serie sehr viel Spass. Das einzige Problem ist, dass ich an der Ostküste der USA leben muss und "Scandal" in Los Angeles gedreht wird. Aber meine Kinder sind jetzt alle erwachsen, da kann ich auch mal ein bisschen länger in L.A. bleiben.

Themen in diesem Artikel