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"American Idol": Stripper fliegt raus, Milchbubi punktet

In der ersten Mottoshow von "American Idol" ist der Favorit gleich rausgeflogen: David Hernandez, der mit seiner Stripper-Karriere Schlagzeilen machte, konnte nicht beim Publikum punkten. Der heimliche Star der Show ist jetzt ein 17-jähriger Milchbubi, der sogar Musiklegende Bob Dylan begeistert.

Von Frank Siering, L.A.

Songlegende Bob Dylan schummelte sich verkleidet in die Show. Jim Carrey war so begeistert, dass er sich gleich inmitten der Kandidaten platzierte. Und Brad Pitt hat seine Teilnahme für eine der Sendungen in den nächsten Wochen bereits fest zugesagt.

"Idol", wie die Sendung "American Idol" von Gastgeber Ryan Seacrest in der siebten Saison nur noch liebkosend genannt wird, zieht Promis und Durchschnittszuschauer gleichermaßen in den Bann. Die Show avanciert zum popkulturellen Phänomen und hat Einschaltquoten wie einst in den späten 60er Jahren die im Fernsehen übertragene Mondlandung. Ein kleiner Schritt für die TV-Bosse, aber ein großer für die US-Popkultur. 36 Millionen Menschen riefen allein in der letzten Woche durch, um ihren Kandidaten im Rennen zu behalten - mehr als jemals zuvor.

Für den als Favoriten geltenden David Hernandez allerdings stoppte die Musik am Mittwochabend abrupt. Er war der erste der Top 12, der seine Koffer packen musste. Nicht genug Anhänger hatten via Telefon oder Textmessage ihre Stimme für den Latino abgegeben. Die Negativ-Schlagzeilen um seine Striptease-Vergangenheit in einem Tanzlokal haben dem 24-jährigen offenbar doch stark zugesetzt. Schließlich ist "Idol" in Amerika eine Familiensendung.

Eine Show für die ganze Familie

Jeden Dienstagabend um 20 Uhr versammeln sich der Anwalt, die Krankenschwester, vierjährige Mädchen, Omas und Opas vor dem Fernseher. Die Casting-Show hat das Land in demografisch übergreifen fest im Griff. Die siebte Staffel, da ist sich nicht nur Jurorin Paula Abdul ganz sicher, ist "die beste, die wir je gesehen haben". Randy Jackson und Stinkstiefel Simon Cowell, er verkörpert den Kritik austeilenden Dieter Bohlen in der dreiköpfigen Richterriege, stimmen da zu. Tatsächlich ist die Parade der Möchtegern-Stars, die sich einmal in der Woche zu einem vorgegebenen Motto das Herz aus der Seele zwitschern, ist in diesem Jahr außergewöhnlich potent. Da ist zum Beispiel der 17-jährige David Archuleta. Die "L.A. Times" widmete dem schüchternen Jungen aus dem Städtchen Murray im US-Bundesstaat Utah unlängst gleich eine ganze Seite und beschrieb den High-School-Schüler als "Boy Wonder". "Ein Stimmchen wie eine Lerche", "Unschlagbar", lobten die Kritiker.

Dass die Spannung dennoch zehn Wochen lang, bis zum großen Finale, erhalten bleibt, dafür sorgt Carly Smithson. Eine Frau, die am Arm tätowiert ist und mit einer Stimme, die sicherlich schon bald Konzertsäle füllen wird. Oder David Cook, ein 24-jähriger Australier, der seit vier Jahren in Los Angeles lebt. Sein Charme und seine Lässigkeit begeistern nicht nur Paula Abdul, die schon in der Vergangenheit gerne mal mit einigen jungen männlichen Wettstreitern flirtete.

Talentschmiede mit echten Superstars

"American Idol" ist eine gut verpackte Pop-Show, die ihren Ursprung in England hatte und heute in verschiedene Länder exportiert wird. Auch in Deutschland feiert das fast identisch angewandte Konzept mit der Suche nach dem Superstar derzeit wieder große Quoten-Erfolge. Lediglich die Qualität der Sänger scheint im Talentpool USA tatsächlich um einiges besser zu sein. Hier hat die Show echte Superstars hervorgebracht. Kelly Clarkson und Jennifer Hudson zum Beispiel haben eine internationale Karriere hingelegt, von der die deutschen Superstar-Gewinner Alexander Klaws, Ellie, Tobias Regner oder Mark Medlock nur träumen können.

Bleibt abzuwarten, ob Milchbubi Archuleta tatsächlich den von den Kritikern prognostizierten Durchmarsch macht. Oder ob er auf der Zielgeraden nicht doch noch von einer der anderen elf Mitstreiter überholt wird. Denn Überraschungen helfen bekanntlich immer der Quote. Und Amerika liebt es, wenn David sich am Schluss gegen Goliath durchsetzt.