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Stripper, Feminismus & Co.: Karl Lagerfeld: Das waren die größten Skandale des Modeschöpfers

Manchmal merkte sogar Karl Lagerfeld selbst, dass er mit einer Aktion oder einer Äußerung zu weit gegangen war. Sei es ein Kleid, das die ganze muslimische Welt empörte, oder eine Fashion-Show, die Anna Wintour wutentbrannt verließ. Das sind die heftigsten Skandale des Modezaren.

Er provozierte gern, griff manchmal aber auch einfach so richtig daneben: Karl Lagerfeld

Er provozierte gern, griff manchmal aber auch einfach so richtig daneben: Karl Lagerfeld

Picture Alliance

Er hatte ein Gespür für Mode, war ein echtes Arbeitstier – und oft unheimlich schlagfertig und witzig. Doch mit manchen Äußerungen und Aktionen ging Karl Lagerfeld einfach zu weit. Seine Karriere wurde begleitet von einer Reihe amtlicher Skandale.

1. Das Koran-Kleid

Mit religiösen Gefühlen spielt man bekanntlich nicht. Das sollte jeder wissen, mindestens seit Madonna 1989 für ihr "Like A Prayer"-Video, in dem sie einen schwarzen Jesus küsste, von der katholischen Kirche scharf kritisiert wurde. Und doch griff auch der große Karl Lagerfeld daneben, als er 1994 ein Kleid entwarf, das Claudia Schiffer auf dem Chanel-Laufsteg präsentierte. In das Bustier waren Verse aus dem Koran eingestickt. Offenbar war der Fauxpas aber keine Absicht, sondern beruhte auf Unwissen: Lagerfeld hatte die Zeilen aus einem Buch über das Taj Mahal entnommen, in dem Glauben, es handele sich um ein altes Liebesgedicht aus Indien. Muslimische Gelehrte wiesen ihn allerdings sehr schnell auf den Fehler hin, Gläubige waren empört, in Indonesien drohte man Chanel gar mit einem Boykott. Lagerfeld entschuldigte sich direkt, es täte ihm "schrecklich leid". Chanel verbrannte alle Modelle des Kleides und bat Modefotografen, die Bilder davon zu vernichten.

2. Stripper auf dem Laufsteg

Das war sogar Anna Wintour zuviel. Als Lagerfeld 1993 seine Bademodenkollektion für Fendi bei der Mailänder Fashion Week präsentierte, schickte er statt Topmodels die Porno-Darstellerin Moana und eine Gruppe von Stripperinnen über den Laufsteg. Als "Vogue"-Legende Wintour das sah, stand sie auf und verließ den Raum, empört und schockiert. Karl Lagerfeld selbst bekam davon nichts mit – wegen einer Flugverspätung schaffte er es nicht rechtzeitig nach Mailand, um persönlich bei der Schau dabei zu sein.

3. Viel Haut, wenig Stoff

1995 war der Höhepunkt des sogenannten "Heroin Chic". Models waren extrem mager und sahen mit Vorliebe etwas kränklich aus. Für Chanel schickte Lagerfeld eine seiner Musen, Model Stella Tennant, auf den Laufsteg, um einen seiner Bikinis zu präsentieren. Für Aufruhr sorgte dabei nicht nur, dass Tennant wirklich sehr hager und knochig aussah, sondern dass der "Bikini", den sie trug, auch nicht viel von ihrer mageren Figur bedeckte. Das Höschen war knapp, das Oberteil bestand nur aus winzigen Nippel-Pasties mit Chanel-Logo, die notdürftig mit schmalen Bändchen verbunden waren.

4. Harte Worte für Angela Merkel

Politik ist ein schwieriges und extrem komplexes Thema, und wer sich nicht sorgfältig mit bestimmten Themen auseinandersetzt, kann ganz schnell danebengreifen, wenn er trotzdem seine Meinung kundtun will. Das hielt den Modezar aber nicht davon ab, deftige Kritik an Angela Merkel zu üben. Er "verabscheue" sie, so Lagerfeld, weil er nicht mit der Aufnahme syrischer Flüchtlinge in Deutschland einverstanden war. Die hielt er für antisemitisch und glaubte außerdem, dass die Aufnahme so vieler Menschen den Erfolg der AfD befeuert hätte. "Das Paradoxe daran ist, dass Merkel das Böse an die Macht befördert, während sie es reparieren will," philosophierte Lagerfeld. Nun säßen "100 dieser Neonazis im Parlament". Er drohte sogar an, seine deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben.

5. Feministischer Laufsteg-Protest

Manchmal reicht guter Wille nicht. Als Lagerfeld 2015 eine Modenschau für Chanel plante, orientierte er sich am Zeitgeist – Feminismus galt inzwischen als "hip" – und ließ seine Models wie bei einer Demonstration mit Bannern und Plakaten über den Catwalk marschieren. Auf den Schildern waren Plattitüden wie "Ladies First" oder "History is her story" zu lesen. Man möchte ja glauben, dass Kaiser Karl die Rechte der Frauen wirklich am Herzen lagen, aber dass er in Sachen Feminismus nicht das größte Fingerspitzengefühl besaß, zeigte sich später auch an seinen Kommentaren zur #MeToo-Bewegung: "Wenn du nicht das Höschen herunter gezogen bekommen willst, dann werde kein Model! Geh' ins Kloster, da ist immer ein Platz für dich frei."

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