"Bismarcks Fluch" Zweite Leiche bei Ururenkel


Aus der Londoner Wohnung von Gottfried von Bismarck, Ururenkel von Reichskanzler Bismarck, ist ein Mann in den Tod gestürzt. Es ist nicht der erste Todesfall bei einer Party des Adeligen.

In der Londoner Nachbarschaft des Grafen Gottfried von Bismarck (43) gibt es viele schillernde Gestalten. Monica Lewinsky zum Beispiel, die einst wegen ihrer Affäre mit Bill Clinton Berühmtheit erlangte. Auch Andrea Corr, die schöne Leadsängerin der Geschwisterband The Corrs, hat hier eine Wohnung. Doch derzeit reden die Leute vor allem über den dürren deutschen Aristokraten mit der Halbglatze und den stechenden Augen - und über die Männerpartys in seinem angeblich fünf Millionen Pfund (7,5 Millionen Euro) teuren Penthouse am Draycott Place.

"Es gab einen Aufschrei und unmittelbar danach diesen furchtbaren dumpfen Aufschlag", berichtete eine Bewohnerin des fünfstöckigen Hauses mit der Fassade aus rotem Klinker und blendend weißen Fensterrahmen im Nobelviertel Chelsea. "Wir werden lange brauchen, bis wir diesen Schock hinter uns haben. Der Tote lag mitten im Hof." Ein Mann von Ende 30, wie Scotland Yard ihn beschrieb. Gegen 5.30 Uhr stürzte er von der Dachterrasse des Bismarck-Appartements. Da sei "die Schwulenparty noch voll im Gange gewesen", erzählte ein Nachbar. Mord schloss die Polizei am Freitag nicht völlig aus. Ein 41-jähriger Partygast wurde intensiv verhört. Allerdings hatte zuvor bereits einer der Ermittler gemurmelt: "Sieht eher nach einem Unfallsturz im Vollsuff aus." Von einem "schrecklichen Déjà-vu" ist nun die Rede. Und auch von "Bismarcks Fluch", wie die Zeitung "Daily Mail" titelte.

Heroin-Tod der Olivia Channon

Schon einmal war bei einer wilden Party des Nachfahren des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck in England ein Mensch ums Leben gekommen. Der Fall liegt 20 Jahre zurück. Dennoch ist er in bester - oder besser: schlechtester - Erinnerung. Der Heroin-Tod der 22-jährigen Olivia Channon, die in der Studentenwohnung Gottfried von Bismarcks in Oxford am eigenen Erbrochenen erstickt war, hatte Schockwellen durch Englands High Society gejagt. Die junge Frau war die Tochter des einflussreichen Tory-Industrieministers Paul Channon. Der Drogenskandal endete mit Haftstrafen für zwei prominente Freunde von Bismarcks wegen des Rauschgiftbesitzes. Sebastian Guinness, damals 23 und Erbe der Guinness-Bier-Dynastie, bekam vier Monate. Die ebenfalls 23-jährige Rosie Johnston, Tochter einer Schriftstellerin, musste für neun Monate hinter Gitter.

Gottfried von Bismarck kam mit einer Geldstrafe wegen Drogenbesitzes von umgerechnet 240 Mark davon. Sein Vater, Ferdinand Graf von Bismarck, war außer sich. Reumütig kehrte der Sohn an den Familiensitz bei Hamburg zurück. "Diese Geschichte hat mein Leben völlig verändert", zitierte ihn die britische Presse-Agentur PA.

Vater schickte Scheckbuch hinterher

Einige Jahre später ging der deutsche Adelsspross wieder nach England, wo er sich in London niederließ. Für manchen in der Bismarck-Familie ist die britische Metropole wie eine alte Liebe. Ferdinand von Bismarck zum Beispiel hatte seine ersten sechs Lebensjahre hier verbracht. Er wurde 1930 in London geboren, wo sein Vater als Botschaftsrat tätig war.

Die "Daily Mail" erinnerte nun daran, dass der Vater von Gottfried von Bismarck 1986 einen Diener mit einem Scheckbuch losgeschickt habe: Kurz nachdem der Sohn das Universitätsstädtchen in Schande hatte verlassen müssen, seien dessen Schulden in den Pubs, Weinbars, Restaurants und bei den Schneidern von Oxford diskret beglichen worden. Längst schon kann der Ururenkel des Eisernen Kanzlers seine Rechnungen allein bezahlen. Doch einen guten Ruf kann sich im vornehmen Chelsea niemand kaufen.

Thomas Burmeister/DPA DPA

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