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Interview-Aussagen: "Der Name Boris Becker ist heiß" - die erstaunliche Welt des Boris B.

"Es ist falsch, dass ich pleite bin." Boris Becker schildert in einem Interview mit der "NZZ" erstmals seine Sicht auf seine finanzielle Lage. Noch überraschender: Er glaubt, Kapital aus den Negativschlagzeilen ziehen zu können.

Lilly und Boris Becker

Angesichts der Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Monate sind es erstaunliche Sätze, die Boris Becker im Interview mit der Schweizer Tageszeitung "NZZ" von sich gibt: "Es ist falsch, dass ich pleite bin" und "Ich schulde Herrn Cleven kein Geld", behauptet der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten. Es ist der Versuch, das Bild über ihn in der Öffentlichkeit gerade zu rücken. Becker gesteht zwar Fehler ein, will aber nicht der gefallene Held sein, der aus Naivität Millionenschulden angehäuft hat und nun von den Almosen seiner Frau Lilly lebt. Doch seine Selbstein-, gar Überschätzung verblüfft selbst Becker-Fans.

"Ich bin ja nicht vermögenslos oder pleite. Das ist ja die Crux. Ich fahre heute Abend nach Zürich, checke in ein Hotel ein und bezahle meine Rechnung. Wenn ich insolvent wäre, könnte ich das ja nicht. Wenn ich mir ein Taxi nehme, bezahle ich das. Und glauben Sie mir: Ich habe nichts gestohlen. Es ist irrsinnig, zu glauben, ich sei pleite", erklärt Becker seine finanzielle Lage. Wie es trotzdem zu dem gegen ihn eröffneten Insolvenzverfahren in London kommen konnte? Glaubt man Becker, handelt es sich alles um ein großes Missverständnis, das es nun aufzuklären gelte.

Boris Becker hält Schulden-Berichte für "Humbug"

"Der erste Satz ist gespielt. Nun stehen wir im zweiten, ich habe eben ein Break gemacht und schlage nun auf", sagt der 49-Jährige und versucht das komplizierte Geflecht seiner Firmen und die einstige freundschaftliche, ja fast väterliche Beziehung zu Dieter Cleven zu entwirren. Es ist eine lange Geschichte aus Vertrauen und Enttäuschung, aus Schulden und Schuld. Die zumindest sieht Becker nur zum Teil bei sich. Er sei schlicht blauäugig gewesen, behauptet er, und von Cleven ausgenutzt worden.

"Ich werde beweisen, dass das, was er erzählt, nicht stimmt", ist sich Boris Becker sicher. Ob das gelingt? Angesichts der langen Liste verpfändeter Vermögenswerte, angefangen von Beckers Finca auf Mallorca bis hin zu seinem Elternhaus in Leimen, scheint dies eine schier unlösbare Aufgabe. Trotzdem behauptet er: "Momentan schuldet mir Herr Cleven 90.000 Franken Verfahrenskosten vom ersten Prozess. Alles andere ist Humbug." Am Ende werden es die Gerichte sein, die Licht in die Finanzwelt des Boris Becker bringen müssen. 

Becker glaubt, Skandale stärken seine Marke

Noch erstaunlicher als Beckers Sicht auf seine finanzielle Lage ist allerdings sein ungebrochener Glaube an die Strahlkraft seiner Marke. "Der Name Boris Becker ist heiß", ist sich Becker, der angeblich zuletzt ein Angebot zur Teilnahme an der britischen Version der TV-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" abgelehnt hat, sicher. "Mein Name, meine Marke sind so präsent wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Wenn man Publizität sucht, dann engagiert man Boris Becker", tönt der 49-Jährige, auf dessen Schreibtisch sich angeblich die Angebote für Werbeverträge häufen, vollmundig.

"Mein Geschäft ist meine Marke, und die brennt gerade", sagt Becker. Es sind solche Sätze, die erneut Zweifel an seiner Kompetenz als Geschäftsmann aufkommen lassen und seinen Realitätsverlust deutlich machen. Publicity? Ja, die bekommt Becker durch Negativschlagzeilen und durch Teilnahmen an TV-Shows, bei denen er sich Handtücher und Fliegenklatschen an den Kopf klebt und der Lächerlichkeit preis gibt. Gut vielleicht, um eine Marke bekannt zu machen, aber schlecht fürs Image. Will Boris Becker das sein - der Hans Wurst der Nation? Sein Geld als Werbetestimonial für Kreditvergleichsportale oder im Dschungelcamp verdienen? Die männliche Katzenberger?

Es wäre das traurige Ende einer Ikone. Viel trauriger als die Geschichte vom Tennishelden, der einfach nicht mit Geld umgehen konnte.

Lilly und Boris Becker


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