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"Germany's Next Topmodel": Wer friert, verliert

Das Klima verschärft sich: In der fünften Folge müssen sich die Kandidatinnen in der Modemetropole New York beweisen. Neben einem "Animal-Shooting" bei eisigen Außentemperaturen gibt es eine Lektion in Ellenbogen-Mentalität. Der neuen Staffel fehlt eindeutig Wärme - mit Namen Bruce.

Von Mark Stöhr

Gisele macht Probleme. Die schöne Brasilianerin mit dem deutschen Herzen probt mitten in New York den Aufstand. Bei eisigen Temperaturen knapp über null soll sie mit einem kleinen Schimpansen vor der Kamera posieren. Die 20-Jährige steckt bis zur Nase in ei-nem Kunstpelz, das Tier steht mit blanken Sohlen auf dem Asphalt. Gisele bricht das "A-nimal-Shooting" ab. Heidi Klum ringt um Fassung. "Du kannst dich wirklich nicht zusam-menreißen?", fragt sie vor Wut schäumend und gibt gleich zwei Sätze weiter eine Kostprobe ihrer emphatischen Fähigkeiten: "Der Affe findet das total super!" Gisele nicht, Ende der Aufnahmen.

New York, New York. Die Mädchen landeten in der fünften "GNT"-Folge in der amerikanischen Modemetropole und mussten sich warm anziehen. Professionelle Castings für einen Handyhersteller und für zwei Shows bei der Fashion Week standen an. Das Klima hat sich deutlich verschärft. Wer friert, verliert. Wie zum Beweis des Wetterumschwungs mussten die Nachwuchsmodels einen Parcours absolvieren, der auch Nachwuchssoldaten in der Grundausbildung gut zu Gesicht gestanden hätte: Vom siebten Stock des Hotels in den 18. hasten, dabei die Klamotten wechseln und oben noch einen Defiliermarsch vor der Klum und ihrem Adlatus Rolf Scheider hinlegen. Biathlon auf Stöckelschuhen sozusagen. Warum dieser wahnwitzige Wettlauf zudem noch zum großen Teil in Strumpfhosen stattfand, bleibt das offene Geheimnis der ProSieben-Zielgruppenfahnder.

Die Wärme hatte einen Namen: Bruce

Mehr noch als in den Folgen zuvor, zeigte sich diesmal, was dieser Staffel definitiv fehlt: Wärme. Nennen wir sie beim Namen: Bruce. Die Eisheilige Klum ist nicht fähig, die Lücke zu füllen, die das Tränenwunder Darnell hinterlassen hat. Sie ist zu sehr Konzernchefin, die mit der Pflege ihrer Unternehmensteile - diesmal durfte ihr Gatte Seal konzertieren - beschäftigt ist. Jede ihrer Bussi-Umarmungen will sagen: Mach bloß nicht schlapp und fühle dich geehrt. Der designierte Bruce-Nachfolger Rolf Scheider ist sowieso in jeglicher Hinsicht ein Totalausfall. Wie ein Assistenzarzt mit dem Klemmbrett hechelt er seiner Chefin hinterher und lässt jeden eigenen Esprit vermissen. Wenn er denn überhaupt in Erscheinung tritt. Einer seiner wenigen Sätze gestern, zu einem der Mädchen vor einem Casting: "Mach uns keine Schande!" Man male sich im Gegensatz dazu die hochemotionalen Motivationssalven eines Darnell aus zum Wohle der Kandidatinnen – und der Zuschauer.

Zicken und Affen

So bleiben die gehetzten Schönheiten mit sich und ihrem Traumbusiness allein. Als wären sie nicht schon genügend ausgelastet mit dem unfallfreien Gang über den Catwalk, mussten sie sich gestern auch noch gegenseitig anzeigen. Jedes der Mädchen sollte vier Kolleginnen nennen, die ihrer Meinung nach nicht gut genug seien, um an einem Casting für eine der Fashionshows teilzunehmen. Eine Lektion in Ellenbogen-Mentalität wohl, die so viel Zicken-Gift in die Gruppe schoss, dass die Tränen gar nicht mehr trocknen wollten. Immerhin wurden die Auserwählten Zeugen einer wirklich professionellen Selektion. Ganz ohne Aufgeregtheiten und mit cooler Nonchalance komplimentierten die amerikanischen Juroren die Verschmähten hinaus, dass die sich noch dafür bedankten. Echte Role Models für den kahlköpfigen Terrier Peyman Amin mit seinen Provinzmanieren.

Dass es am Ende beim obligatorischen Bilderentzug Elena erwischte und nicht die aufmüpfige "Ich bin wie ich bin"-Gisele, überraschte dann doch. Die Warnung der blonden Baronesse war jedoch deutlich: "So eine Einstellung wollen wir hier nicht mehr sehen!" Das Mädchen gelobte Besserung und wird demnächst auf einem Affen reiten, wenn die Jury das will – und das Tier. Denn wie bemerkte die Klum so treffend auf den kalten Straßen von New York: "Der Affe ist ja auch nicht ganz blöd."

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