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"Monsterrechnung": Diekmanns teures Missvergnügen

Der "Bild"-Chefredakteur hat in Marokko gebloggt und eine saftige Daten-Roaming-Rechnung erhalten: 42.000 Euro will die Deutsche Telekom von Kai Diekmann haben. Da half auch kein Intervenieren bei Konzernchef René Obermann.

Von Thomas Wendel und Lutz Knappmann

Der Axel-Springer-Verlag präsentiert sich gern als eines der modernsten Medienhäuser der Republik. Die Mitarbeiter dürfen auf cool designten Apple-Rechnern ihr Tagwerk verrichten, die Topleute haben zusätzlich ein Geschäfts-iPhone in ihrer Hosentasche, und der prominenteste Journalist des Hauses, "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, machte Anfang des Jahres sogar mit einem eigenen Blog Schlagzeilen, in dem er über seine Erlebnisse berichtete: "100 Tage im Leben eines Chefredakteurs".

Ein echter Technik-Aficionado ist Diekmann also, mag man denken. Aber etwas muss ihm entgangen sein: Er hat sich keine Gedanken über die Rechnung der Deutschen Telekom gemacht - was sich als folgenschwere Unterlassung herausstellen sollte. Drei Tage weilte Diekmann im Januar in Marokko, bloggte eifrig aus Marrakesch und lud dazu Videos hoch.

Rund 42.000 Euro wollte die Telekom daraufhin von ihm haben, berichtet der Medienbranchendienst Kontakter - eine Summe, die sich mit FTD-Informationen deckt. So teuer kann es eben sein, drei Tage lang Daten per Mobilfunk in Marokko zu verschicken oder dort per deutschem Handyvertrag im Web zu surfen.

Kein-Promi-Bonus für Diekmann

Wie gut, dass Diekmann Telekom-Chef René Obermann kürzlich gleich persönlich zu fassen bekam: Als Gastredner trat der Telekom-Grande vor den Führungskräften von Springer auf. Dabei kam praktischerweise auch das Thema Roaming-Gebühren für Handytelefonate im Ausland zur Sprache.

Diekmann habe sich sofort zu Wort gemeldet, so heißt es. Er habe auf seine Monsterrechnung verwiesen und den Telekom-Chef gefragt, wie denn eine solche Summe zustande kommen könne. Obermann habe geantwortet, da er den genauen Fall nicht kenne, könne er dazu nichts sagen. Diekmann dürfe ihm aber gern seine Rechnung schicken, er werde sie an das hauseigene Beschwerdemanagement weiterleiten. Ob man dort Diekmann aber entgegenkommen könne, wisse er nicht, bremste Obermann.

Rechnung beglichen

Offiziell bestätigen weder die Telekom noch Springer den Vorgang. Man äußere sich nicht zu Rechnungen Einzelner, heißt es. Im Springer-Umfeld betont man aber, der Verlag habe die 42.000 Euro voll bezahlt.

Diekmann ist in die Roaming-Falle getappt, in der sich schon viele Handynutzer verfangen haben - und das sogar innerhalb Europas: Anders als bei Handytelefonaten, deren Tarife seit Jahren sinken, hat die EU-Kommission bislang beim Daten-Roaming auf die Vorgabe von Obergrenzen für die Endkundenpreise verzichtet. Bis es so weit ist, kümmert sich Diekmann nun persönlich - und gibt seine Erfahrungen an die Leser weiter. Am Montag erklärte Bild.de ausführlich: "So wird Ihr Handy im Urlaub nicht zur Kostenfalle."

FTD