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Interview-Bilder Das Geheimnis hinter Donald Trumps Büro-Chaos

Donald Trump in seinem Büro
Papiere und Pokale: Donald Trump in seinem Büro im Mai 2016. Die aktuellen Bilder finden Sie unten im Text.
© Mary Altaffer/AP
Auf den ersten Blick wirkt Donald Trumps Büro und vor allem sein Schreibtisch chaotisch. Doch auf den zweiten Blick folgt das kunterbunte Sammelsurium einer ganz eigenen Ordnung - einer, in der er selbst im Mittelpunkt steht. 

Ist das noch hochkonzentrierte Ordnung oder schon heilloses Chaos? Was beim Blick auf den Schreibtisch von Donald Trump sofort auffällt: Es gibt dort keinen Computer. Stattdessen verliert sich als einziges Elektrogerät ein Bürotelefon zwischen all den mehr oder weniger sorgsam gestapelten Papier-, Zeitungs-, Bücher- und Aktenhaufen. Rechts neben dem bald mächtigsten Mann der Welt liegt ein großer, vergoldeter Schlüssel in einem verglasten Rahmen und sollte ein Besucher vergessen haben, in wessen Büro er sich gerade befindet, kann er es nachlesen, vorne links liegt ein Schild: "Trump" steht da, rot auf weiß.

Offizielle Briefings unter der Wahlkampfkappe

"Bild"-Herausgeber Kai Diekmann hat zusammen mit dem "Times"-Kollegen Michael Gove eines der raren Interviews mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump geführt, und natürlich war ein Fotograf dabei, um das Gespräch zu dokumentieren. Drei Bilder haben es ins Blatt geschafft, ein paar weitere hat Diekmann über seinen Twitter-Account geteilt. Auf einem ist zu sehen, wie Trump seine mittlerweile berühmte rote "Make America Great Again"-Kappe signiert. Wer sich das Foto auf dem Handy großzieht, erkennt direkt darunter ein Briefing mit dem Titel "Effektivität der US-Streitkräfte" und den Punkt: US-Navy. Der genaue Inhalt, aufgelistet mit Spiegelstrichen, den vermutlich nicht jeder zu Gesicht bekommen soll, ist leider nicht richtig lesbar.

Trump-Biograf Michael D‘Antonio, der mehrmals im Büro des Milliardärs war, schreibt in seinem Buch, dass Trump jeden Morgen Presseausschnitte zusammengestellt bekommt (über sich selbst), die von seiner anhaltenden Berühmtheit zeugen. Die Recherchetreffen sind zwar schon zwei, drei Jahre her, doch an Trump eitler Sammelleidenschaft hat sich offenbar nicht viel geändert. Auf Kai Diekmanns Unterschriften-Foto liegt hinter Trump ein riesiger Stapel mit ausgedruckten Papieren, ganz oben ein Bild: er selbst mit weißer Kappe nebst einer blonden Frau, möglicherweise seine Tochter Ivanka.

In der "Bild" widmet auch Diekmann dem Schreibtisch des Fast-Präsidenten ein paar Zeilen. Von den dort abgelegten Büchern ist ihm vor allem "Beautiful Country" aufgefallen, "ein Roman über einen amerikanischen Tennisspieler, der seine Jugendjahre in China verlebt", wie der Journalist schreibt. Daneben verfügt Trump auch über gleich zwei Exemplare von "Unprecedented" ("Beispiellos"), einem mächtigen Band über die vergangene Wahl. Ironischerweise ist es in der "CNN Edition" erschienen und von einem CNN-Reporter mitverfasst worden - also genau dem Sender, den Trump auf Twitter so gerne angeht und dessen Reporter er auf seine jüngsten Pressekonferenz brüsk abgebügelt hatte. "Du bis Fake-News", schmetterte er dem Journalisten ins Gesicht.

Donald Trump folgt seiner eigenen Ordnung

Trotz des unübersichtlichen ersten Eindrucks, den Donald Trumps Büro macht, scheint es einer gewissen Ordnung zu folgen. Vor dem Chef ein großer, vollgepfropfter Schreibtisch, der signalisiert: Ich ordne das Chaos in kleine Häufchen. Hinter ihm auf der Fensterbank stehen zahllose gerahmte Fotos der Familie, was wohl so viel heißen soll: Meine Frau(en) und Kinder halten mir den Rücken frei. Und an der Wand links: die Trophäen seines Lebens für jedermann sichtbar ausgestellt. Eine Auszeichnung der "America's Cup Foundation" (Segeln), ein "Baum des Lebens"-Auszeichnung des Jüdischen Nationalfonds, eine Muskete, ebenfalls eine Auszeichnung, die an einen Soldaten erinnert, der im Unabhängigkeitsjahr 1776 von Briten umgebracht wurde. Aber vor allem, sehr viele goldgerahmte Bilder von ihm selbst: Donald Trump als junger Mann in schwarz-weiß, als mittelalter Mann auf den Covern von Magazinen wie "GQ", "Time", "Newsweek". Was noch fehlt, sind die Zeugnisse vom alten Donald Trump, dem US-Präsidenten. Er wird bald ein größeres Büro brauchen. 


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