HOME

#nippelstatthetze: Wie ein Berliner Fotograf Facebook mit Brüsten austrickst

Facebook mag keine Brüste, lässt Hetze aber zu: Diese Doppelmoral hat den Berliner Fotografen Olli Waldhauer so geärgert, dass er eine Foto-Kampagne gestartet hat - mit fantastischem Erfolg.

Das Originalfoto von Olli Waldhauer zeigt Porno und Rassismus

Das Originalfoto von Olli Waldhauer zeigt Porno und Rassismus

Mit Brüsten hat es Facebook nicht so. Schon gar nicht, wenn sie unverhüllt sind. Da ist das US-Unternehmen prüde. Was Hetze gegen Ausländer und Flüchtlinge angeht, scheint der Konzern nicht ganz so hinterher zu sein. Seit Wochen häufen sich die Beschwerden über fremdenfeindliche Äußerungen auf Facebook. Trotzdem werden diese nicht oder nur selten entfernt. Diese Doppelmoral hat den Berliner Fotografen Olli Waldhauer so geärgert, dass er eine Fotokampagne dagegen gestartet hat.

Unter dem Hashtag #nippelstatthetze kursiert sein Foto seit Tagen im Netz. Es zeigt eine oberkörperfreie Frau und daneben einen Mann auf einem Sessel, der ein Schild mit dem rassistischen Spruch "Kaufft nicht bei Kanaken" - eine Abwandlung der Naziparole "Kauft nicht bei Juden" - in der Hand hält. Dazu ist auf dem Bild zu lesen: "Eine dieser Personen verstößt gegen die Regeln von Facebook."

Waldhauers Foto ist damit pornografisch und rassistisch. "Ich zeige Rassismus und Nippel in einem Kontext", sagte Waldhauer dem stern. Doch trotz der fremdenfeindlichen Parole beanstande Facebook das Bild stets nur wegen Nacktheit.  Als er das Foto in dieser Woche zum ersten Mal hoch lud, habe es keine 21 Minuten gedauert, bis Facebook es wieder löschte.

"Ich hatte eine Meldung in meiner Timeline, dass mein Foto wegen 'Inhalten zu Nacktheit' gemeldet wurde", sagte Waldhauer. Kurz darauf sei es aus seinem Profil verschwunden. Nachdem er die Nippel der Frau mit Sternchen versah und das Foto erneut veröffentlichte, habe es keine Beanstandung gegeben. "Der rassistische Spruch störte erwartungsgemäß niemanden", sagte Waldhauer.

Doch damit gab sich der Fotograf nicht zufrieden. Er stellte das Originalbild als Download zur Verfügung und forderte seine Follower auf, es sich dort runterzuladen und auf Facebook zu teilen. Mit vollem Erfolg. Allein die Version, die Waldhauers Freund Simon Beeck hoch lud, hat inzwischen über 40.000 Likes, wurde mehr als 25.000 Mal geteilt. "Ich gehe davon aus, dass mein Foto inzwischen mehr als zehn Millionen Mal angesehen wurde", sagte Waldhauer. "Das ist völlig außer Kontrolle."


"Ich hoffe, Facebook resigniert"

Und was macht Facebook? Von Freunden habe er erfahren, dass das Bild in einigen Timelines entfernt wurde, in anderen aber nicht. Bei Simon Beeck zum Beispiel ist es nach wie vor in der Originalfassung online. "Warum das so ist, weiß ich nicht", sagte Waldhauer am Telefon. "Bei mir wurde erst in der Nacht die komplette Timeline wieder leergeräumt." Offenbar stünden manche Profile unter strengerer Beobachtung als andere.

Der US-Konzern selbst hat sich bis zum Freitagnachmittag auf stern-Anfrage nicht zu der Aktion und dem Umgang damit geäußert. "Ich hoffe, Facebook resigniert so ein bisschen", äußert Waldhauer seine Hoffnung, dass das Foto nicht mehr gelöscht wird. Doch in seinem eigenen Profil war selbst die entschärfte Version mit den Sternchen am Freitag erneut entfernt worden. Ein viraler Hit ist das Bild trotzdem. Da kann Facebook noch so viel löschen.