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60. Thronjubiläum: Pracht und Glanz für König Bhumibol

Gelbe T-Shirts mit dem königlichen Emblem sind der Renner in Bangkok, dazu gelbe Armbänder mit der Aufschrift "Ich liebe den König". Thailand feiert das 60. Thronjubiläum des wohl dienst-ältesten Monarchen der Welt.

Viele seiner Landsleute verehren ihn wie einen Gott, keine Amtsstube und kaum ein Laden, in dem Thailands König Bhumibol Adulyadej (78) nicht gestreng von der Wand blickt. Momentan ist er aber noch präsenter als sonst: Als offizieller Stichtag seines 60. Thronjubiläums gilt der 9. Juni, jener Tag, an dem Bhumibols älterer Bruder König Ananda Mahidol unter mysteriösen Umständen starb. Das große Fest, zu dem gekrönte Häupter und Adlige aus mehr als 20 Ländern erwartet werden, ist indes drei Tage später geplant.

Es soll eine Feier voller Pracht und Glanz werden. Als Höhepunkt gilt eine Prozession von 52 kunstvoll geschnitzten Booten auf Bangkoks Chao Phraya, dem "Fluss der Könige", mit mehr als 2000 Ruderern. Unter den Zuschauern werden das japanische Kaiserpaar, die Könige von Bahrein, Kambodscha, Lesotho, Jordanien, Schweden und Swaziland sein. "So etwas hatten wir noch nie in Thailand", sagt der Sprecher des Außenministeriums, Kitti Wasrinond, zum erwarteten royalen Aufgebot. Aus Deutschland traf zum Thronjubiläum eine beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde von König Ananda Mahidol ein, der 1925 in Heidelberg zur Welt gekommen war.

"Sein Einfluss ist fast unbegrenzt"

Als der im amerikanischen Cambridge geborene Bhumibol ("Stärke des Landes") Adulyadej 1950 zum neunten Rama und König der Chakri-Dynastie gekrönt wurde, da sagten ihm die wenigsten eine glanzvolle Herrschaft voraus. Nicht nur, dass ihm die Thronfolge durch den rätselhaften Tod seines Bruders zugefallen war, den Bhumibol selbst für Mord hielt. Auch hatte der neue König als Jazzmusiker und Autonarr von sich reden gemacht, er kannte Thailand weniger gut als sein Studienland, die Schweiz. Zusammen mit seiner Frau aber, der schönen und überaus populären Königin Sirikit, eroberte er sich schnell die Herzen seiner Untertanen.

Doch trotz aller Verehrung, die ihm das Volk entgegenbringt, ist der Monarch auch auf Distanz bedacht. Niemand darf ihm in die Augen schauen, öffentliche Kritik kann schnell als Majestätsbeleidigung ausgelegt werden und bis zu sieben Jahren Haft einbringen. "Er regiert nicht, aber sein Einfluss ist fast unbegrenzt", heißt es in Bangkok. Was jedoch nicht abwenden konnte, dass in seiner mehr als 50-jährigen Amtszeit 20 Regierungen kamen und gingen, dass das Militär 19 Mal putschte oder den Versuch dazu unternahm.

"Entwicklungskönig der Welt"

Wie mächtig Thailands König aber noch immer ist, zeigt sich in kritischen Augenblicken. Etwa während der jüngsten Regierungskrise: Als nach der Wahl im April das Parlament wegen eines Oppositionsboykotts nicht zusammentreten konnte, rief er kurzerhand die höchsten Gerichte des Landes auf, einen Weg aus der Misere zu finden. Die Richter annullierten die Abstimmung. Nun soll im Oktober erneut gewählt werden. Nie aber war das Eingreifen des Monarchen wohl so dramatisch wie 1992, als er ein Blutbad des Militärs auf den Straßen Bangkoks mit einem Machtwort beendete. Auf Knien mussten sich damals die Rivalen des Konflikts dem König nähern.

Als "oberster Entwicklungshelfer" wird Bhumibol zudem gerühmt, mehr als 2000 Hilfsprojekte vor allem in den armen, ländlichen Regionen stieß er in den vergangenen Jahrzehnten an. Manchmal ist der König monatelang in den entlegensten Winkeln seines Reichs unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen. Erst kürzlich überreichte ihm UN-Generalsekretär Kofi Annan eine Auszeichnung der Vereinten Nationen für sein entwicklungspolitisches Lebenswerk. Als "Entwicklungskönig der Welt" höre er den ärmsten und verwundbarsten Menschen zu und mache es möglich, dass sie ihr Leben in die eigene Hand nehmen, lobte Annan bei der Preisverleihung.

Frank Brandmaier, Peter Janssen, DPA / DPA