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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Die Wurst ist wurscht

Matthias Schweighöfer zeigt seine weibliche Seite, Katie Price macht einen Fehler, Udo Lindenberg lüftet seinen Hut, und Lothar Matthäus macht den Boris Becker. Die Woche hatte es in sich.

Von Stefan Mielchen

Es war die Woche der wirklich wichtigen Großereignisse: Golden Globes, Fashion Week, Dschungelcamp - da musste man sich schon etwas einfallen lassen, um zwischen der geballten B- und C-Prominenz überhaupt noch aufzufallen. Etwa einen Blowjob-Weltrekord, mit dem es D-Sternchen Lara Love in die Schlagzeilen schaffte. Die Erotik-Fachkraft aus Hamburg, die eigentlich auf den hübschen Namen Linda hört und als Pro7-Sommermädchen erstmals aufblicken ließ, hatte allerdings den Mund etwas zu voll genommen: 250 Jungs wollte sie beglücken, nach 150 kapitulierte sie. "Ich wollte nicht aufgeben, dafür bin ich zu ehrgeizig. Aber ich hatte Angst, mich zu überschätzen", sagte die 23-Jährige kurz vorm Kollaps, ließ aber die Hoffnung auf ein Stück vom Ruhm nicht sausen. Schließlich hat sie einen abwechslungsreichen Beruf: "Sie möchte noch viele Filme als Lara Love drehen. Anfang September steht bei ihr der nächste Gangbang an", recherchierte "Bild.de" im Pornosumpf. Na dann: Toi, toi, toi!

Wo Schauspiel-Darling Matthias Schweighöfer ("Friendship") auftaucht, sind die Fotografen meist nicht weit. Trotzdem setzte er bei seinem Besuch der Fashion Week in Berlin auf einen Trick, mit dem er erfolgreich all die Beckers und Christiansens in die zweite Reihe verbannte: Er trug Fummel! Der Auftritt im Kleid war aber mehr als ein PR-Gag: Schweighöfer drehte auf der Modenschau von Guido Maria Kretschmer mit Detlef Buck. In "Rubeldiekatz" spielt er einen erfolglosen Schauspieler, der als Frau für einen Hollywoodfilm gecastet wird. Das klingt zwar so altbacken wie "Charlys Tante" und "Tootsie" zusammen, funktioniert aber immer noch - auch wenn Frollein Schweighöfer unter der bodenlangen Robe nicht mal Pumps anhatte. "Es war eine interessante Erfahrung, Frauenkleider zu tragen", verriet der 29-Jährige anschließend, scheint aber dennoch nicht auf den Geschmack gekommen zu sein: "Ich saß anderthalb Stunden in der Maske!" Blöd, wenn das Ergebnis dann auch noch wirkt wie eine extrem verjüngte Judy Winter.

"Die Wurst ist wurscht"

Eine, bei der man auch nie ganz sicher ist, ob sie nicht erst nach einer Grundrenovierung zu ihrer vollen Weiblichkeit gefunden hat, ist Sonya Kraus, die hauptberuflich vor Fernsehkameras den Mund bewegt und es Moderation nennt. In dem unter Literaturkritikern hoch angesehenen Bastei Lübbe Verlag hat die stellenweise üppige 37-Jährige jetzt ein Buch veröffentlicht, das für 9,95 Euro jede Selbsthilfegruppe ersetzt: "Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila". Das Werk ist keine Beichte einer anonymen Alkoholikerin, sondern der Glücksratgeber, auf den die Welt ganz dringend gewartet hat. Darin räumt La Kraus endgültig mit dem verquasten Feminismus der 80er auf: "Männer wünschen sich eine Haushälterin und Hure", plaudert die Blondine aus dem Nähkästchen der emanzipierten Frau, die ihren Platz zwischen Kochtöpfen und Liebesschaukel gefunden hat. In einem Interview verriet die süße Sonya in dieser Woche außerdem, dass die Maße des männlichen Gemächts allgemein überschätzt würden: "Die Größe ist wichtig für die Optik, kann uns Frauen aber auch mächtig erschrecken. Ob Mini-Salami oder 'Deutschländer', die Wurst ist wurscht, wenn der Mann weiß, was er tun muss." Mahlzeit!

Einer, der weiß, was er tun muss, ist zweifellos Udo Lindenberg, der im hohen Alter von 64 Jahren langsam in den Status eines Helmut Schmidt der Rockmusik erhoben wird. Zwar hat kein Mensch je komplett verstanden, was der altersweise Panikmacher zwischen Gezische und Gelalle tatsächlich von sich gibt. Doch uns Udo hat jetzt im "Focus" das größte Geheimnis seines Lebens gelüftet: den Hut! Unter selbigem verbirgt sich nicht nur das licht gewordene Haupthaar eines eitlen Frauenverstehers, der noch jedes Mädchen aus Ost-Berlin gehabt haben will. Vielmehr zieht sich ein fieser Schmiss quer über den Schädel: das Andenken an eine handfeste Liebelei in Brasilien. Dort hatte Lindenberg im vergangenen Jahrtausend eine rassige Schönheit aufgerissen. "Ich war ab sofort 'n bisschen verlobt mit diesem Girl von Ipanema", schwadroniert der Geschäftsführer der Flexibel-Betriebe. Doch fürs Heiraten ist einer wie Udolito nicht gemacht - er zog den Schwanz ein, und die Dame briet ihm dafür eins über. Kein Wunder, dass Lindenberg die Flucht ergriff. Hinterm Horizont gehts weiter.

Pokern statt Hütchenspielen

Um den geistigen Horizont einer gewissen Katie Price muss man sich hingegen wenig Illusionen machen. Sofern er existiert, dürfte eigens für ihn die Maßeinheit Tellerrand erfunden worden sein. Das ehemalige First Boxenluder der Formel 1, das dank diverser Eingriffe auch problemlos als Heißluftballon arbeiten könnte, hat sich nach nur elf Monaten von seinem Muskelmann getrennt. Man muss halt Opfer bringen, um überhaupt noch mal in die Zeitung zu kommen. Für Käfigkämpfer Alex Reid, den Katie nach ihrer Scheidung quasi vom Fleck weg geheiratet hatte, fand das britische Busenwunder wenig charmante Worte: "Wir alle machen Fehler - und das war einer", ließ die 32-Jährige in dieser Woche wissen. Irren ist männlich, dennoch lässt die Begründung für die Trennung aufhorchen. Alex sei zu ruhmsüchtig geworden, behauptete Katie. Wenn eine weiß, wie das geht, dann sie!

War sonst noch was? Na klar: Lothar Matthäus kann Boris Becker endlich auf Augenhöhe begegnen. Nicht nur, was den Frauenverschleiß angeht, sondern auch die Qualität der Werbeverträge. Nach Boris macht nun auch Loddar Reklame fürs Pokern. Rund 500.000 Euro soll der Kontrakt jährlich einbringen, den Matthäus mit einem Online-Portal fürs gepflegte Zocken abgeschlossen hat. Das klingt mindestens so seriös wie ein Job als Fußballtrainer im lauschigen Bulgarien, obwohl gerade dort eine ganz andere Freizeitaktivität viel höher im Kurs steht. Doch ein Werbevertrag fürs Hütchenspielen ist wohl selbst einem Lothar Matthäus nicht geheuer.