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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Spaß beiseite, Dieter kommt

Dieter Bohlen verklagt die Bundesrepublik - dabei müsste es doch umgekehrt sein. Weniger zu lachen hat die Justiz beim Schrecken der Straße, alias Florian Silbereisen.

Von Stefan Mielchen

Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz und ist doch bitterer Ernst: Pop-Titan Dieter Bohlen zieht vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der DSDS-Moderator will die Bundesrepublik auf Schadensersatz verklagen. Bislang dachte man immer, es müsse genau andersrum sein. Doch weil eine Zigarettenwerbung sich über ihn lustig machte und er auch in höchster Instanz erfolglos blieb, greift Dieter nun zum letzten Mittel. Er verstehe zwar Spaß, glaubt Bohlen, aber "Bild" sagte er: "Der hört bei mir als Nichtraucher auf, wenn ein Tabakkonzern auf meine Kosten Werbung macht." Der Mann hat wirklich Humor. Davon können auch seine Kandidaten manches Lied singen, wenn sie vorm jüngstem Gericht des Unterschichtenfernsehens stehen: "Du kannst nicht singen. Du wirst nie singen können. Du bist Scheiße", echauffiert sich Bohlen dort schon mal und zeigt, wie Modern Stalking funktioniert. Dass seine Sprüche auch auf ihn selbst zurückfallen könnten, kommt dem 58-Jährigen offenbar nicht in den Sinn. Dabei hätte er spätestens dann in den Spiegel schauen müssen, als er einen Kandidaten fragte: "Wo hört der Gesang auf und wo fängt die Straftat an?"

Eine Antwort darauf würde man auch gerne einmal aus dem Mund von Florian Silbereisen hören. Die Geheimwaffe des gepflegten Volksmusikterrorismus zeigte sich jetzt mal von der ganz schnellen Truppe: Um möglichst rasch von seiner Freundin Helene Fischer wegzukommen bretterte der 30-Jährige mit überhöhter Geschwindigkeit über die Autobahn. 80 Stundenkilometer waren erlaubt, 123 hatte der Flori auf dem Tacho - da war der Lappen weg. Offenbar hatte der naturblonde Verkehrssünder seine rote Glücksunterhose an diesem Tag gegen Sieben-Meilen-Stiefel getauscht, zeigte sich aber einsichtig: "Da war ich wohl leider etwas zu flott", gab er zu. "Natürlich muss ich dann auch die Folgen akzeptieren." Doch auch daraus lässt sich das Beste machen: Hoch auf dem gelben Wagen beim Frühlingsfest der Wanderlieder.

Fusel abgezapft und original verkorkst von Günther Jauch

Das könnte auch Moderations-Legende Max Schautzer zu einem unverhofften Comeback verhelfen. Beim Publikum punktet der gefürchtete Charmeur schon länger nicht mehr, in Flensburg dafür um so häufiger: "Ich habe inzwischen 13 Punkte", gestand das Idol der Generation Rollator. "Ich mag es am Steuer gerne rasant." Während andere in seinem Alter den Führerschein abgeben, will Schautzer dem Entzug trotzen: "Im Moment bin ich auf der Suche nach einer Fahrschule, um ein Aufbauseminar zu absolvieren", berichtet der 71-Jährige. Doch welche Fahrschule wirbt schon gerne mit Pleiten, Pech und Pannen?

Nur einer in der Branche steht über den Dingen: Quizpapst Günther Jauch. Doch auch der Mann, der anderen gerne Löcher in den Bauch fragt, ist wider Erwarten nicht allwissend. Im SWR-Fernsehen musste der Hobby-Winzer in dieser Woche Weine verkosten und kommentierte bei einem der angebotenen Tropfen: "Ich weiß ja nicht, was für einen Fusel sie hier ausschenken." Das wusste der SWR dafür umso besser: Abgefüllt und originalverkorkst war das Pröbchen von - Günter Jauch. Das Gesöff aus eigener Herstellung fiel beim 55-Jährigen auf ganzer Linie durch: "Das ist aber kein großes Gewächs", kommentierte er gleich nach dem ersten Schluck. Na denn Prost.

Carla Bruni sieht aus wie ein "Backenhörnchen"

Dass alter Wein auch in neuen Schläuchen alter Wein bleibt, mussten ausgerechnet unsere trinkfreudigen Nachbarn in Frankreich in dieser Woche erfahren. Keine Geringere als Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy trat den Beweis an, dass es sich beim Wort Schönheits-OP zumeist um einen Euphemismus handelt. "Sie sieht aus wie ein Backenhörnchen", erschrak sich Beauty-Experte Dr. Ben Behnam in der britischen "Daily Mail", nachdem die 44-Jährige am Wahlsonntag vor die Fotografen trat. Madame waren zuvor offenbar ganz tief ins Botox-Fass gefallen. Doch während Backenhörnchen in freier Wildbahn meist nur drei Jahre überleben, können sie in Gefangenschaft bis zu zehn Jahre alt werden. Es besteht also noch Hoffnung.

War sonst noch was? Na klar: Die große Philosophin Alexis Morell Carrington Colby Dexter Rowan alias Joan Collins sprach in der vergangenen Woche das Wort zum Sonntag: "Männer sind wie Omnibusse - wenn Du lange genug wartest, kommt schon einer vorbei", ließ die Diva wissen, die angesichts ihrer fünf Ehen offenbar ein Leben im Wartehäuschen geführt hat. Mit 78 sollte es Collins eigentlich besser wissen. In ihrer Preisklasse muss es korrekt heißen: Männer sind wie Omnibusse - sie kommen meistens zu spät.

  • Stefan Mielchen