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Abschied von Michael Jackson: "Ich liebe Daddy so sehr"

Mit einer bewegenden Trauerfeier hat die Welt Abschied von Michael Jackson genommen. Stars wie Stevie Wonder, Usher und Mariah Carey erwiesen dem Superstar die letzte Ehre, Jacksons Tochter Paris brach auf der Bühne in Tränen aus. Allerdings hat die Veranstaltung nicht jedem gefallen.

Von Ulrike von Bülow

Es gibt in diesen Tagen nicht viele Menschen in Amerika, die das aussprechen, was Peter King am vergangenen Wochenende sagte: Mr. King, ein republikanischer Abgeordneter des Bundesstaates New York, nannte Michael Jackson "eine zwielichtige Person, die Kinder missbraucht hat", so Peter King. "Der Typ war pervers, er hatte nichts Gutes an sich, und nun sehe ich seinen Namen überall, in den Zeitungen, im Fernsehen. Ich weiß nicht", sagte Mr. King, "warum wir Michael Jackson so viel Aufmerksamkeit schenken."

Vielleicht ist das so, weil die Amerikaner gern vergessen und stets in allem etwas Positives suchen. Sie verabschiedeten sich am Dienstag von einem Mann, der von seinen Fans, von seiner Familie posthum heilig gesprochen wurde, von Michael Jackson, "dem größten Star der Welt", wie Queen Latifah am Mittag auf der Bühne des Staples Centers in Downtown Los Angeles sagte, wo "Michael Jackson - The Memorial" stattfand: Eine große Gedenkfeier für den Sänger, der am 25. Juni mit 50 Jahren an Herzversagen gestorben war.

Am Morgen hatte es auf dem Friedhof Forest Lawn eine private Trauerfeier für Michael Jackson gegeben, mit etwa 100 Gästen, die anschließend in einer schwarzen Wagenkolonne zum Staples Center gefahren wurden: seine Familie, seine Freunde. Es fehlte Debbie Rowe, die einst mit dem sogenannten King of Pop verheiratet war und ihm den Sohn Prince Michael und die Tochter Paris gebar: Mrs. Rowe fürchtete, dass ihre Anwesenheit im Staples Center einen Medienansturm auslösen könnte, "der die Veranstaltung nur unnötig stören würde", wie sie über eine Sprecherin ausrichten ließ. Und mit den Medien hat Debbie Rowe es nicht so, jedenfalls bat sie kürzlich ein paar Reporter, die vor ihrem Haus standen, ihr ja nicht zu Nahe zu kommen: "Don't you fuckin' touch me", bellte Mrs. Rowe, nicht besonders freundlich.

"Michael, du fehlst uns"

Vermutlich verfolgte die Dame vor dem Fernseher, wie um 10.30 Uhr Ortszeit der vergoldete und mit roten Rosen geschmückte Sarg mit dem Leichnam Michael Jacksons in die Halle getragen und vor der Bühne abgestellt wurde, begleitet von den Gesängen eines Gospelchors. Nicht weniger als 16 amerikanische Sender übertrugen die Gedenkfeier live, eine "Freak Show", wie die "Washington Post" schrieb, "die Quotenrettung im Sommerloch" - was die Fans des Sängers aber natürlich ganz anders sehen: Mehr als 1,6 Millionen Menschen hatten sich ja um die 17.500 Eintrittskarten beworben, und diejenigen, die einen Platz im Staples Center ergattert haben, schauen nun andächtig zu Mariah Carey, die auf der Bühne steht, im dezenten, schwarzen Kleid, wie üblich tief dekolletiert. Sie singt "I'll Be There" und haucht anschließend "We miss you" in das Mikrophon. Zustimmendes Nicken im Publikum: Michael, Du fehlst uns.

Ein seltsames Paar

Dann treten zwei große, schwarze Männer auf, sie haben sehr breite Schultern: Kobe Bryant und Magic Johnson, ein aktueller und ein ehemaliger Basketball-Star der Los Angeles Lakers. "Ich habe Michael vor 30 Jahren getroffen", erinnert sich Johnson, "damals besaß er eine Dauerkarte und kam stets zu unseren Spielen." Damals galt Michael Jackson noch nicht als der Sonderling, als der er später betrachtet wurde: Als der Typ, der mit einem Äffchen zusammenlebte und dessen Haut immer blasser wurde. Der mit Brooke Shields ausging, die jetzt im Staples Center ans Rednerpult tritt, ein paar Tränchen unterdrückt und sagt: "Wann immer ich mit Michael fotografiert wurde, hieß es, wir seien ein seltsames Paar." Sie schiebt sich die braunen Haare hinter das rechte Ohr, ihre Hand zittert, dann sagt sie: "Dabei verband uns eine normale, ganz natürliche Freundschaft."

Liz Taylor bleibt der Trauerfeier fern

Ähnlich soll es sich ja auch mit Michael Jackson und Elizabeth Taylor verhalten haben, der Grande Dame von Hollywood, doch die trauert heute lieber privat: "Ich glaube nicht, dass Michael wollte, dass ich meinen Schmerz mit Millionen anderen teile", schreibt Taylor über den Kurznachrichtendienst "Twitter". Sie bleibt der Gedenkfeier im Staples Center fern, die sie als großes Tamtam bezeichnet. Dafür ist Stevie Wonder dabei und singt Michael Jackson ein letztes Goodbye, genau wie Lionel Richie. Es tritt Jennifer Hudson auf, im weißen Kleidchen und sichtbar schwanger, sie sieht ganz bezaubernd aus und gibt "Will You Be There" zum Besten. Und dann ist da Usher, der "Gone Too Soon" vorträgt, eine schwarze Sonnenbrille auf der Nase und eine gelbe Rose am Revers.

Usher geht ein paar Stufen von der Bühne herunter, stellt sich vor Michael Jacksons Sarg, streichelt mit der linken Hand darüber, dann schluchzt er. In der ersten Reihe sitzt die Familie Jackson. Da springt La Toya auf, kaum zu erkennen unter einem schwarzen Hut mit XXXXL-Krempe, und nimmt Usher in den Arm, beobachtet von Prince Michael, Jacksons Ältestem, der auf einem Kaugummi herumkaut. Jacksons Kinder sitzen bei seiner Mutter Katherine, die ja das Sorgerecht für Prince Michael, Paris und Blanket, den Jüngsten, bekommen hat.

"Sein Aufenthalt auf Erden war viel zu kurz"

Nach gut zwei Stunden des Gedenkens betreten Michael Jacksons Brüder die Bühne, die alle dessen einstiges Markenzeichen tragen: einen glitzernden Handschuh. Sie singen mit Stevie Wonder und Lionel Richie und all den anderen Stars zwei Lieder, "We Are The World" und "Heal The World", und dann bedankt sich Jermaine Jackson "im Namen der Familie" bei den Zuschauern und Marlon Jackson sagt, der "Aufenthalt meines Bruders auf Erden" sei viel zu kurz gewesen.

Paris Jackson bricht in Tränen aus

Neben ihm steht Michael Jacksons Tochter Paris, braunes Haar, schwarzes Kleid, sie hält sich an einer Handtasche fest. Janet Jackson, ihre Tante, greift nach ihrer Hand, dann stellt sich das Mädchen ans Mikrophon. "Daddy", sagt sie, "war der beste Vater, den man sich denken kann." Dann weint und schluchzt sie, ihre Stimme bricht: "Ich wollte nur sagen, dass ich Dich so sehr liebe", sagt Paris Katherine Jackson noch, kaum zu verstehen. Onkel Jermaine übernimmt: "Danke und gute Nacht", sagt er, ein bisschen voreilig: Es ist 12.43 Uhr in Los Angeles, die Sonne scheint, als Michael Jacksons Sarg aus dem Staples Center getragen wird, begleitet von den Klängen seines Hits "Man In The Mirror".