Barack Obama Burgeressen mit Mr. President


Anders als sein Vorgänger George W. Bush sucht Barack Obama die Nähe zum Volk. Seine Frau Michelle greift für den guten Zweck sogar zur Suppenkelle und bedient Obdachlose. Ist die öffentliche Inszenierung der Obamas reines Privatvergnügen oder politisches Kalkül?
Von Ulrike von Bülow, New York

Neulich besuchte Barack Obama ein Basketball-Spiel. Die Chicago Bulls, seine Lieblingsmannschaft, waren zu Gast in der Hauptstadt, sie traten bei den Washington Wizards an, und in Reihe Eins saß der Präsident, schwarze Hose, schwarze Jacke, er hatte ein Bier in der Hand, scherzte mit einem Kind, das neben ihm saß, aber dann guckte er ein bisschen sparsam: Es war kein schönes Spiel, seine Bulls lagen meistens hinten, vier Minuten vor Schluss gar mit 20 Punkten - da stand Barack Obama auf und verließ die Halle.

Es war das erste Mal seit zehn Jahren, dass sich ein US-Präsident ein Basketball-Spiel des Hauptstadt-Teams live anschaute. Und so sagte hinterher Joe Clark, ein Anwalt, der einen Platz ganz in der Nähe von Mr. Obama hatte: "Es war ziemlich surreal, ihn da sitzen zu sehen. So nah. Ich hätte ihm die Hand schütteln, mit ihm sprechen können!"

Die Menschen in Washington D.C. wundern sich ein bisschen über ihren Präsidenten und auch über seine First Lady, denn die Obamas, die gerade mal zwei Monate im Weißen Haus wohnen, sind mächtig viel in der Stadt unterwegs, nicht nur dienstlich, sondern auch privat. "Egal, wo man hingeht, es könnte sein, dass man ihnen begegnet", sagt Adrian M. Fenty, Bürgermeister von Washington D.C., der kürzlich mit den Obamas zu Mittag aß. Man kannte das nicht mehr in Washington, wo in den vergangenen acht Jahren ein Mann regierte, der als Stubenhocker galt: Wenn George W. Bush Gesellschaft wünschte, lud er sich ein paar Kumpels in Weiße Haus ein.

Nicht so die Obamas, die gehen aus: Sie waren schon zweimal im "Kennedy Zentrum für darstellende Künste", einmal mit ihren Töchter Malia und Sasha, da sahen sie sich ein Tanztheater an, und einmal ohne ihre Töchter, da lauschten sie einem musikalischen Tribut für Senator Edward M. Kennedy. Sie treffen sich gern mit Freunden zum Essen, wurden in gehobenen Restaurants gesehen, wie dem "Equinox", "Bobby Van's Steakhouse" oder "Georgia Brown's" (wo Michelle Obama gerade mit Jill Biden speiste, der Gattin des Vizepräsidenten), aber auch in urigen Burger-Buden wie "Ben's Chili Bowl" (wo der Präsident kürzlich zum Lunch einkehrte). Die Obamas tauchen so häufig irgendwo auf, dass schon spekuliert wird, ob das aus reinem Privatvergnügen geschehe "oder aus politischem Kalkül", wie die "New York Times" vor ein paar Tagen schrieb.

Nun ist Barack Obama aber nicht aus dem etwas hinterwäldlerischen Texas nach Washington D.C. gezogen wie George W. Bush, sondern aus einer lebhaften Metropole, aus Chicago, wo seine Gattin und er ziemlich selbstverständlich und sehr gern am gesellschaftlichen Leben teilgenommen haben. "Ich fand es immer wichtig, ein Teil der Gemeinschaft zu sein", sagte Michelle Obama kürzlich. "Das geht mir jetzt nicht anders, wo wir in Washington zuhause sind." Die Obamas wollen ihr Leben "nicht auf das Weiße Haus begrenzen", sagt Valerie Jarrett, die Beraterin des Präsidenten und enge Freundin der Obamas. "Sie möchten etwas mitbekommen von der Stadt."

Vermutlich werden die Menschen in Washington eines Tages nicht mehr besonders überrascht sein, wenn sie plötzlich irgendwo Michelle und/oder Barack Obama begegnen. Noch aber sind sie dann meist so sprachlos wie Bill Richardson, ein Obdachloser, 46 Jahre alt: Als Mr. Richardson neulich in "Miriam's Kitchen", einer Suppenküche, vorbei schaute, stand dort Mrs. Obama und reichte ihm ein Pilz-Risotto, die, begleitet von einem Tross von Fotografen und TV-Teams, bei der Essenausgabe half. Richardson fiel beinahe in Ohmacht, er schaffte es kaum, sich bei ihr zu bedanken, so sehr stotterte er. "Wow", sagte Richardson später, als er wieder bei Worten war, "ich dachte, ich bekomme einfach etwas zu essen, und dann ist da die Frau des Präsidenten...! Ich muss sofort meine Mutter anrufen, das glaubt die mir nie im Leben!"


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