Bohlen gegen Anders Gericht schlägt Vergleich vor


Dieter Bohlen und Thomas Anders streiten um Passagen in Bohlens Buch "Hinter den Kulissen". Das Gericht fällte aber kein Urteil, sondern forderte die Streithähne auf, sich selbst zu einigen.

Im Rechtsstreit zwischen den früheren Modern-Talking-Sängern Dieter Bohlen und Thomas Anders hat das Berliner Kammergericht eine gütliche Einigung vorgeschlagen. Wenn Bohlen eine größere Summe - eventuell 100.000 Euro - an eine wohltätige Organisation zahle und Anders nicht mehr der Unterschlagung bezichtige, könnten die Akten im Streit um ein Bohlen-Buch geschlossen werden, sagte Richter Leopold Nippe am Freitag. Im Gegenzug solle Anders auf seine Schmerzensgeldforderung von einer Million Euro verzichten. Das zerstrittene Duo hat zwei Monate Zeit, über den Vorschlag zu entscheiden.

Der Anwalt von Thomas Anders sagte nach dem Gerichtstermin, "wir setzen uns zusammen, das Ergebnis ist völlig offen". Auch der Justiziar von Bohlens Verlag Random House, Rainer Dresen, sieht Einigungschancen: "Eine Annäherung der beiden Künstler wäre sinnvoll und scheint mir durchaus möglich. Sie müssen ja nicht gleich wieder zusammen singen." Das Kammergericht räumte den Streitparteien in der Berufungsverhandlung eine zweimonatige Bedenkzeit ein.

Passagen aus Bohlens Buch wurden verboten

Bohlen hatte Einspruch gegen eine Entscheidung des Berliner Landgerichts eingelegt, das Textpassagen aus seinem Buch "Hinter den Kulissen" verboten hatte. Nachdem das Buch 2003 erschienen war, hatte sich sein früherer Modern-Talking-Partner Anders in seiner Ehre verletzt gefühlt. Bohlen hatte ihn darin bezichtigt, auf einer gemeinsamen USA-Tournee im Jahr 2002 Gelder in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

In erster Instanz hatte Anders mit seinem Anspruch auf Unterlassen der Passagen vorigen Sommer gewonnen. Der Sänger habe ganz offensichtlich nicht betrogen, hatte das Landgericht geurteilt. Auch Richter Nippe deutete am Freitag an, dass Thomas Anders die Behauptungen in dem Buch nicht hinnehmen müsse. "Das Recht auf Meinungsäußerung tritt hinter unwahren Behauptungen zurück", sagte Nippe. Bohlen könne nicht beweisen, dass sein Buch eine Gesellschaftssatire sei, in der man kein Wort Ernst nehmen dürfe.

Bohlen gab keinen Kommentar ab

Bohlen, der am Freitag im dunklen Nadelstreifenanzug überraschend persönlich im Gericht erschien, verweigerte jeden Kommentar. Umringt von Fotografen stieg der Autor des umstrittenen Bestsellers anschließend in ein Taxi. Nur einmal meldete sich der 51-jährige Multimillionär, der bei Hamburg wohnt, am Freitag im Prozess zu Wort und sagte, "ich hatte ja finanzielle Nachteile".

In einem anderen Prozess am Berliner Landgericht um eine Million Euro Schmerzensgeld wegen der Buchpassagen hatte indessen Anders im Februar gegen Bohlen eine Schlappe erlitten. Das Gericht wies die bislang höchste Schmerzensgeldforderung in der deutschen Medienwelt ab. Anders ging es laut Gericht nicht ernsthaft um Genugtuung, sondern um Aufmerksamkeit. Anders hat ebenfalls Berufung eingelegt.

AP/DPA AP DPA

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