HOME

Boris Becker bei Oliver Pocher: Jetzt fehlt nur noch Busenwiegen

Er trägt ein Handtuch auf dem Kopf und zwei Fliegenklatschen am Ohr: Boris Becker macht sich bei Oliver Pocher zum Horst. Auch ohne Busenwiegen wird er enden wie "Naddel".

Von Jens Maier

Banzai. Das ist der Name der Show, die 2001 in die deutsche Fernsehgeschichte einging. Noch heute steht sie als Synonym für schlechten Geschmack und Fremdschämen pur. Und für den langsamen aber unaufhaltsamen Abstieg von Nadja abd el Farrag. Warum? Die Ex-Freundin von Dieter Bohlen ließ sich vor laufenden Kameras die linke Brust wiegen. Anschließend mussten die Zuschauer raten, ob diese so viel auf die Waage bringt wie "eine Mango, ein Bund Brokkoli oder eine Honigmelone".

Zwölf Jahre später schickt sich RTL an, den Tiefpunkt der deutschen Fernsehunterhaltung zu unterbieten. Denn gegen die Spiele, die der Sender am Freitagabend in der Oliver-Pocher-Show "Alle auf den Kleinen" präsentiert, wirkt "Banzai" geradezu innovativ. Da müssen Minifußbälle mit an den Ohren befestigten Fliegenklatschen ins Tor manövriert, Autos mit an einen Ganzkörperanzug befestigten Schwämmen gereinigt oder Sumoringer im Fettanzug besiegt werden. TV auf Kleinkindniveau. Ein Brüller.

Boris Becker als Schweinchen in der Mitte

Wie damals "Naddel" steht ein Protagonist im Mittelpunkt der Show. Dessen einzige Aufgabe ist es, sich zum Hanswurst zu machen - das Schweinchen in der Mitte. Denn nicht die neckischen Spielchen sind Garant für hohe Einschaltquoten, sondern die Tatsache, dass kübelweise Häme über ihm ausgekippt wird. Egal ob er die - Achtung, lustig! - Tomatenwurfrunde gewinnt oder beim Horn blasen - haha, er hat Blasen gesagt - der Lauteste ist. Der Dumme ist auf jeden Fall er.

Die neue "Naddel" heißt Boris Becker. Seines Zeichens erfolgreicher Tennisspieler und nicht minder erfolgreicher Buchautor. Seine Autobiografie "Das Leben ist kein Spiel" wird auf Platz zwei der "Spiegel"-Bestsellerliste geführt. Das und die Tatsache, dass er auf Twitter mehr als 260.000 Follower hat, scheinen ihn geradezu anzuspornen. Becker wähnt sich mit seinem zur Schau gestellten Kleinkrieg mit Oliver Pocher und seinen rechthaberischen und selbstgefälligen Enthüllungen über seine Ehe mit Barbara Becker auf dem richtigen Weg.

Eine Schmerzgrenze kennt Becker nicht

28 Jahre nach seinem ersten Wimbledonsieg hat sein Leben offenbar endlich wieder einen Sinn. Er genießt die neue Aufmerksamkeit. Die Schlagzeilen in der "Bild"-Zeitung, die Einladungen zu Talkrunden, um über sein Buch und sein verkorkstes Leben zu sinnieren. Dabei scheint er nicht zu bemerken, dass er sich auf einem dramatischen Weg nach unten befindet. Dass er bei Markus Lanz ausgeladen wurde, um sich dann notgedrungen im dritten Programm der ARD aufs "Rote Sofa" zu setzen, ist nur ein Kapitel im Abstieg des Boris Becker.

Eine Schmerzgrenze scheint der einstige Tennisheld nicht mehr zu kennen. Für Geld mache ich alles - so lässt sich seine PR-Strategie zusammenfassen. Noch zahlt sie sich aus. 250.000 Euro erhält er nach Informationen des "Kölner Express" für seine Teilnahme an der Pocher-Show. Doch der weitere Werdegang ist vorgezeichnet, Abd el Farrag das mahnende Beispiel für den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit.

Das Ende heißt Shoppingkanal

Wer ein Handtuch auf dem Kopf und zwei Fliegenklatschen am Ohr trägt, verspielt unweigerlich jegliche Integrität. Erst wird Boris Becker seine Werbepartner verlieren, dann folgen Auftritte beim "Dschungelcamp" und im "Big Brother"-Haus, bis die TV-Angebote schließlich ganz ausbleiben. Im verzweifelten Versuch, auch die letzten Geschichten aus der Besenkammer zu versilbern, wird Becker ein weiteres Buch schreiben, bis er schließlich in der Resteverwertung des deutschen Fernsehens ankommt. Er wird auf einem Shoppingkanal Boris-Becker-Pantoffeln verscherbeln oder eine Schmuckkollektion präsentieren.

Am Freitagabend darf Deutschland Zeuge des Anfangs vom Ende werden. Das Idol der 80er macht sich zum Deppen der Nation. Aus Bumm, Bumm Boris wird Banzai-Becker. Ein selten dämliches, aber historisches Ereignis der deutschen Fernsehunterhaltung.

"Alle auf den Kleinen", Freitag um 20.15 Uhr auf RTL