Camilla & Charles Jahr Eins nach der "Mätressenhochzeit"


Vor einem Jahr konnten "Fred und Gladys" ihre Liebe endlich offiziell machen: Nach einer jahrzehntelangen turbulenten Beziehung gaben sich Charles und Camilla das Ja-Wort. Doch nun stellt sich die Frage nach ihrer Throntauglichkeit.

Was ein einziges Jahr doch ausmachen kann. Abfällig sprachen Kommentatoren von der "Mätressenhochzeit", als Prinz Charles und Camilla Parker Bowles am 9. April 2005 in Windsor vor den Standesbeamten traten. So manch royaler Promi hatte die Teilnahme naserümpfend abgesagt - Schwedens Kronprinzessin Victoria etwa eröffnete lieber eine IKEA-Filiale. Und Königin Elizabeth II. gab mit Unmutsgesten die Schwiegermutter wider Willen. Zwölf Monate danach stehen Charles und Camilla an ihrem ersten Hochzeitstag als strahlendes Paar von durchaus königlichem Format da, und die Freude über die neue Popularität ist ihnen anzusehen.

Die Achtung des Volkes vor "Fred and Gladys" - so nannten sich die beiden zu Zeiten ihrer verheimlichten Affäre ebenso kosend wie konspirativ - sei deutlich gestiegen, beobachtete die Zeitung "Daily Mail". Kurz vor dem Hochzeitstag und dem bald darauf folgenden 80. Geburtstag der Queen am 21. April habe die Monarchiebegeisterung der Briten wieder Auftrieb bekommen.

Die Queen hatte nachgegeben

Freilich ist der Hof schon seit Monaten bemüht, die Unmutswogen zu glätten, die sich vor der Eheschließung von Prinz Charles (57) und der Herzogin von Cornwall (58) aufgetürmt hatten. Zur Choreografie gehörte eine besonders einprägsame Geste der Königin: Im Oktober lieh sie Camilla ein ansehnliches Diamanten-Diadem, das einst die im Volk überaus beliebte Queen Mum getragen hatte.

Mit der Tiara, die einer Krone gleicht, sah Camilla aus wie eine Königin. Alle Zeitungen brachten das Foto, und die Briten verstanden: Die Königin hat dem Wunsch ihres Sohnes nachgegeben. Sie nimmt nun hin, dass Charles eines Tages, wenn der Tag der Thronbesteigung gekommen ist, seine zweite Frau als "Queen Camilla" zur Seite haben will.

Styling-Tipps von den Profis

Die nächste Etappe - einen offiziellen Besuch bei den "Vettern" in Amerika - meisterten "Fred and Gladys" glänzend. Und das, obwohl die USA mit ihrer nachhaltigen Begeisterung für Charles' erste Frau, die 1997 unter mysteriösen Umständen bei einem Autounfall in Paris ums Leben kam, als "Diana-Land" galten.

In den USA bewährte sich nach Ansicht britischer Medien auch, dass die manchmal etwas holzschnittartig wirkende Herzogin nun von Image-Profis geschult und gestylt wird. Beim zweiten offiziellen Staatsbesuch des Paares kürzlich in Ägypten wirkte "Queen Camilla" in spe vor alten Kunstschätzen königlich-schick.

Die Briten mögen Camilla

Billig ist das alles nicht. Allein für Camillas Friseur Hugh Green, der Showstars wie Joan Collins zu seinen Kundinnen zählt, fallen pro Monat umgerechnet 4000 Euro an, wie Reporter kürzlich aufdeckten. Das Büro von Prinz Charles grub Monarchiekritikern rasch mit der Erklärung das Wasser ab, solche Ausgaben zahle nicht der Steuerzahler, sondern der Thronfolger privat.

So sind die Sympathiewerte für das Paar kurz vor dem Hochzeits- und dem Königin-Geburtstag besser denn je. 67 Prozent der Briten gaben bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der "Daily Mail" an, sie würden die Entscheidung von Charles akzeptieren, die Frau zu heiraten, mit der er einst Prinzessin Diana betrog. Das sind immerhin zehn Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Briten wollen lieber "King William" haben

Noch glaubt zwar etwa die Hälfte der Queen-Untertanen, dass die Eheschließung von "Fred and Gladys" die Monarchie geschwächt habe, doch dieser Meinung waren kurz nach dem "Ja"-Wort fast 70 Prozent. Ein Umfragewert sieht allerdings für Prinz Charles immer noch nicht gut aus: Mehr als 40 Prozent sind demnach der Meinung, dass der Prinz freiwillig auf sein Geburtsrecht der Thronbesteigung verzichten und seinem Sohn William den Vortritt lassen sollte.

Da dürfte es nur ein schwacher Trost sein, dass Camilla kürzlich zur "Ehefrau des Jahres" gewählt wurde. Trotz Dauerbeobachtung durch unfreundliche Medien habe die Herzogin von Cornwall an der Seite des künftigen Königs eine gute Figur gemacht, hieß es zur Begründung. Die Auszeichnung wurde von dem Magazin "The Oldie" vergeben. Camilla ließ sich entschuldigen.

Thomas Burmeister/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker