Die Solidaritätswelle für Collien Fernandes (44) rollt durch Deutschland. Was vergangenen Sonntag in Berlin begann, hat sich binnen weniger Tage zu einer bundesweiten Protestbewegung ausgeweitet. Am Donnerstag findet auch am Rathausmarkt in Hamburg ab 17:30 Uhr eine Demonstration für die Opfer sexualisierter Gewalt statt, die bislang größte ihrer Art. Nach Polizeiangaben wurden 7.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet. Auslöser ist der Fall der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes, die öffentlich schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (50) erhoben hat.
Demos in vielen deutschen Städten
Ebenfalls für Donnerstag ist um 16:30 Uhr eine Demo auf dem Jakobsplatz in Nürnberg und um 17 Uhr eine weitere in Kassel am Rathaus geplant. Am Samstag geht es in Köln mit einer "Danke Collien"-Demonstration weiter, angemeldet unter dem Motto "Gegen patriarchalische Gewalt". Hinter dem Aufruf steht unter anderem der Verein "Feminist Law Clinic".
Das neu gegründete Bündnis Feminist Fight Club kündigte zudem bundesweit weitere Proteste an - darunter am Freitag in Lübeck, am Samstag zusätzlich in Oldenburg sowie am Sonntag in München, am Montag folgt Frankfurt am Main. "Überall in Deutschland gründen sich neue Bündnisse", heißt es in einer Mitteilung. "Unser Protest ist mehr als nur Solidarität. Das ist eine Bewegung."
Collien Fernandes bleibt wegen Morddrohungen fern
Die Demonstration in Hamburg wiederum wurde von der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Annika Urbanski angemeldet, unterstützt unter anderem von Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Collien Fernandes selbst wird in Hamburg entgegen ihrer ursprünglichen Pläne nicht dabei sein. Auf Instagram teilte sie mit: "Mittlerweile gibt es aber ernsthafte Sicherheitsbedenken, aufgrund von Morddrohungen gegen mich." Deswegen rief sie ihre Follower auf: "Seid bitte laut für mich mit!"
Hintergrund der Protestwelle sind schwere Vorwürfe, die Fernandes im "Spiegel" gegen ihren Ex-Mann erhoben hat. Fernandes hat Anzeige erstattet - zunächst in Berlin, später auch in Spanien. Ulmen hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert, es gilt die Unschuldsvermutung.
Den Anfang der Demos hatte am Sonntag Berlin gemacht: Dort protestierten laut Polizei 6.700 Menschen gegen sexualisierte digitale Gewalt, die Veranstalter sprachen sogar von 13.000 Teilnehmenden. Am Mittwochabend folgte Hannover mit rund 2.000 Menschen. Die ehemalige Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang sprach dort als Rednerin und forderte eine Änderung der Gesetzeslage. Hinter der Kundgebung standen neben Bündnis 90/Die Grünen auch SPD, Linke und CDU sowie zahlreiche Initiativen. Das Neue Rathaus wurde zeitgleich als ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt orangefarben angestrahlt.