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CONTAINERLEBEN: »Big Brother« verliert den Überblick

Es gibt Menschen, die von den Terror-Anschlägen in den USA noch nichts erfahren haben. Sie sitzen in den »Big Brother«-Containern, in denen die Isolation zur eisernen Regel gehört.

Es gibt Menschen, die auch Tage nach den furchtbaren Anschlägen in New York, Washington und Pennsylvania noch nichts davon erfahren haben. Sie sitzen in den Containern der »Big-Brother«-Fernsehshows in Belgien, Dänemark, und Südafrika, in denen die Isolation vom Rest der Welt zur eisernen Regel gehört. Einzig »Big Brother« in den Niederlanden machte eine Ausnahme und informierte die Teilnehmer über die Terrorangriffe.

»Das ist eine derart große Katastrophe, es hat so weit reichende Konsequenzen, dass wir uns zu einer Ausnahme entschlossen haben und es ihnen gesagt haben«, erklärte Sprecherin Sammy Saal von der Produktionsgesellschaft Endemol. »Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, was geschehen ist.«

Spielregeln gehen vor!

Im benachbarten Belgien entschied man sich nach Beratung mit einem Psychologen dafür, die zwölf Container-Bewohner nicht zu informieren. »Es gehört zu den Grundthemen der Show, dass die Teilnehmer keinen Kontakt zur Außenwelt haben«, erklärte Kristina Vanhaute, Sprecherin des Senders Kanaal 2. »Wenn man ihnen diese Bilder zeigt, löst man damit sofort eine Panik aus, weil sie nicht wissen, wie sich alles weiter entwickelt.«

Der Schock wurde von den Niederländern gut verkraftet

Im niederländischen Container herrscht nämlich wieder Nachrichtensperre. »Sie haben erfahren, was passiert ist, und das war?s«, sagte Saal. »Wenn jemand wissen will, was weiter geschieht, muss er das Haus verlassen.« Eine Episode, wie die Bewohner auf die Bilder vom einstürzenden World Trade Center und dem Angriff auf das Pentagon reagierten, werde demnächst gesendet, kündigte sie an. Niemand habe wegen dieser Ereignisse die Show verlassen, eine Person sei allerdings aus »persönlichen Gründen« aus dem Container ausgezogen.

Eventuell würde man die Bewohner im Kriegsfall informieren

In Dänemark betrachtet man die niederländische Variante als Sensationshascherei. Deswegen habe man sich dafür entschieden, bei den Regeln zu bleiben, sagte Eric Engesgaard. In Belgien läuft die Show, in der Teilnehmer wöchentlich heraus gewählt werden, noch bis Mitte Dezember. Die Abgewählten würden von Psychologen über die Ereignisse aufgeklärt. In Südafrika will man möglicherweise die »Big-Brother«-Bewohner informieren, wenn es zu einem Krieg kommen sollte.

Paul Geitner