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Daniela Katzenberger auf Buchmesse: Unnatürlich blond, aber natürlich nett

"Eine Tussi wird Mama" heißt ihr neues Buch: Unser Reporter war mit Daniela Katzenberger auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs und ist jetzt Fan. Naja, ein bisschen.

Von Mark Stöhr, Frankfurt

Daniela Katzenberger

Daniela Katzenberger steht am Stand ihres Verlages auf der Frankfurter Buchmesse. "Eine Tussi wird Mama" ist bereits ihr drittes Buch.

Mit Daniela Katzenberger im Aufzug. Ihr Freund Lucas Cordalis ist dabei. Er groß, sie auch. Das liegt an ihren Absätzen. Kein normaler Mensch kann auf so hohen Absätzen laufen. Aber an der Katzenberger ist alles zu hoch, zu blond, zu pink, zu pfälzisch. Auf halber Strecke sagt sie: “Wenn die Leute wüssten, wie wir zuhause rumrennen.“ Cordalis darauf: “Schatz, die Leute wissen alles über uns.“ Das kam supertrocken, echt lustig, doch der Katzenberger ist nicht zum Kichern zumute. Sie ist nervös. Wenn sich die Lifttür öffnet, bricht die Hölle los. Oder, schlimmer noch: Sie bricht nicht los. Das wäre viel schlimmer.

Die gelernte Kosmetikerin präsentierte auf der Frankfurter Buchmesse ihr neues Buch “Eine Tussi wird Mama“. Es ist das Buch zur Doku-Soap, die gerade auf RTL2 läuft, oder umgekehrt. Eine Abfolge von Schlüsselloch-Einblicken aus ihrer Schwangerschaft, gut weggeplaudert, teilweise sogar lustig. Eine Ghostwriterin hat das Geröll der Katzenbergerschen Gedanken in nur wenigen Monaten in Form und auf immerhin 240 Seiten gebracht.

Daniela Katzenberger

Eine Augenblick Ruhe gibt es für Daniela Katzenberger nur selten.

Jede Peinlichkeit wird rosa

Von der Schwierigkeit, sich mit einem Babybauch die Schamhaare zu rasieren, ist darin die Rede. Von Schamlippen, die zu "monstergroßen Lumpen" anschwillen. Oder vom Zeugungsakt in der Finca von Costa Cordalis auf Mallorca, während der Hausherr im Nebenraum "Tatort" guckte (Batic und Leitmayr!). So Sachen also, die seltsam sind, aber auch nicht wirklich schlimm. Im Sound der Katzenberger wird auch die größte Peinlichkeit irgendwie rosa und harmlos. Hauptsache, man redet darüber.

Und das klappt diesmal wieder ganz gut.

Einzug der White-Trash-Prinzessin auf der Messe. Die Menge teilt sich. Die Leute reißen ihre Handys aus der Tasche, es wird geglotzt und geraunt: Ja, sie ist es wirklich. "Dani!"-Rufe. Wenn Frank Witzel, der diesjährige Gewinner des Deutschen Buchpreises, hier durchläuft, ruft keiner "Franky!". Allein der Titel seines Buchs - "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" - ist länger als der durchschnittliche Satz in "Eine Tussi wird Mama".



Daniela Katzenberger

Lucas Cordalis und Daniela Katzenberger im Interview-Marathon

Je näher die Katzenberger der Bühne kommt, umso voller wird es. Links sitzt Jimmy Hartwig auf dem Podium der DFB-Kulturstiftung. Unsichtbare Fäden spinnen sich durch die Halle. Von Jimmy Hartwig, Dschungelcamp zweite Staffel, über die Katzenberger-Mutter Iris Klein, Dschungelcamp siebte Staffel, bis zu Schwiegervater Costa Cordalis, Dschungelcamp erste Staffel. Die Mechanik des Reality-TV-Universums wird einem nochmal bewusst, dieses irre, sich selbst erhaltende System, das wie ein Passivhaus funktioniert oder wie ein Klärwerk. Wenn Iris Kleins Pfannkuchenhaus in Ludwigshafen nicht gut läuft, kommen die "Küchenchefs" vorbei. Oder Tochter Daniela schaut mal rein, "natürlich blond" oder "mit Lucas im Babyglück".

Keiner spielt die Katzenberger so gut wie sie selbst


Im Laden ihrer Mutter brachte sich die Katzenberger ihre Soap-Skills bei. Das Bistro war ihre erste Show. Hier lernte sie, dass die Katzenberger keiner so gut spielt wie sie selbst. Im Grunde hat sich an der Figur bis heute nichts verändert. Auch jetzt bei der Buchpräsentation ist sie die scheinbar arglos drauflos plappernde beste Freundin, die einem alles erzählt. Und der man umgekehrt alles erzählen kann. Viele Leute glauben das.

Vor der Bühne ist es bumsvoll. Die Klientel der 29-Jährigen ist mittlerweile eine Drei-Generationen-Familie: Tochter-Mutter-Oma. Gierig werden die typischen Katzenberger-Sätze aufgesogen. Ihr Anwesen im Schwarzwald: "Dem Stevie Wonder in mir gefällt das Haus. Ich mag meine rosa Bude." Thema Authentizität: "Ich war wirklich schwanger." Zum Schluss der Blick ins Publikum, gibt's denn noch Fragen? Aber logo. Genau zwei. Nummer eins: "Dani, sag mal, wie hast du so schnell abgenommen?" Nummer zwei: "Dani, sag mal, wann heiratet ihr endlich?" Dann geht's mit Dani rüber zum Stand des Plassen-Verlags, bei dem das Buch erschienen ist. Signierstunde.


"Immer Angst, dass es vorbei sein könnte"


Die Erleichterung über den Erfolg ist spürbar bei der Katzenberger und ihrem Umfeld. Die Soap bei RTL2 läuft gut, das Buch hat sich in den ersten Tagen schon 10.000 Mal verkauft. Das war in den letzten Jahren anders, die Blondine erlebte einen Karriereknick. Dann trennte sie sich von ihrem Entdecker, dem Produzenten Bernd Schumacher, und wechselte Sender und Management. Mit ihrer neuen Mutterrolle ist sie wieder zurück im Geschäft.



Nach ungefähr 300 Autogrammen - "Dani Katze" mit Herzchen - sitzt Daniela Katzenberger erschlagen im Kabuff des Verlagsstands. Die hohen Hacken hat sie ausgezogen. "Ich habe bei jedem Projekt Angst, dass es vorbei sein könnte", sagt sie. Das Handy klingelt. Ihre Mutter ruft aus dem Hotel an, das Kind quengelt. Sie muss los. "Manchmal habe ich Schiss, dass ich dieses Katzenberger-Sein privat irgendwann nicht mehr ablegen kann", sagt sie im Aufstehen. "Aber bisher klappt das wunderbar." Sprach's und geht - als Katzenberger, als ihr Double oder als wer auch immer.