Diana-Untersuchung Neue Fotos, alte Verschwörungstheorien


Mehr als zehn Jahre sind seit dem Tod von Prinzessin Diana vergangen. Nun befasst sich erneut ein britisches Gericht mit der Frage, ob es sich dabei um einen Unfall oder einen Mord handelte. Am ersten Prozesstag überraschte der Richter mit bisher unbekannten Fotos aus der Unfallnacht.

Am Anfang standen neue Fotos und eine alte Verschwörungstheorie. Mehr als zehn Jahre nach dem Unfalltod von Prinzessin Diana und ihrem Freund Dodi Al Fayed hat ein Gericht in London trotz der unzähligen Berichte über den Fall für Überraschungen gesorgt. Gleich an den ersten Tagen der gerichtlichen Untersuchung wurden noch nie gesehene Bilder und Videomaterial der Todesnacht veröffentlicht. Anhand der Aufnahmen von Dianas letzten Minuten und zahlreichen Zeugenaussagen sollen elf Geschworene nun ein für alle Mal entscheiden, ob die Prinzessin und ihr Freund Opfer eines Mordkomplotts wurden oder nicht.

Auf einem Foto, das in fast allen britischen Zeitungen zu sehen war, sitzt die Prinzessin auf der Rückbank des Unfallwagens, kurz bevor dieser am 31. August 1997 gegen den Pfeiler im Pariser Pont d'Alma Tunnel raste. Diana sieht sich darauf nach den Paparazzi um, die den Wagen verfolgten. Der Fahrer Henri Paul hat die Augen seltsam aufgerissen, den Mund verzogen. Dianas Bodyguard Trevor Rees-Jones schützt sich mit der Sonnenblende vor dem Blitzlichtgewitter. Das Foto scheint alle bisherigen amtlichen Ergebnisse zu bestätigen: Der Fahrer war in jener Nacht zu schnell unterwegs. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie sich die Fotografen vor dem Hotel Ritz scharten.

"Prinz Philip der Mittelpunkt der Verschwörung

Doch Dodis Vater, der Kaufhausmillionär Mohammed Al Fayed, glaubt fest an eine Verschwörung des britischen Königshauses und des Geheimdienstes MI6. Er appellierte an die Geschworenen, die unter Polizeischutz stehen, unbeirrt die Wahrheit zu suchen. "Ich hoffe, dass die Mörder und Gangster gefunden werden, die zwei unschuldige Leben vernichtet haben", erklärte er bei seiner Ankunft vor Gericht.

Das britische Establishment habe es nicht ertragen, dass Diana einen Muslim heiraten wollte, verlas der Vorsitzende Richter Lord Scott Baker die Vorwürfe Al Fayeds. "Er glaubt, dass eine Entscheidung getroffen wurde, Diana und Dodi zu töten." Für ihn sei Prinz Philip "der Mittelpunkt der Verschwörung". "Sie müssen den Zeugen ganz genau zuhören, um zu beurteilen, ob es irgendeinen Beweis gibt, der diese Behauptung unterstützt."

Baker betonte, er würde eine "energische und gründliche" Untersuchung führen, damit die "wahre Ursache des Todes" ein für alle Mal feststeht. Das Verfahren stehe wie noch keines zuvor unter Beobachtung der Öffentlichkeit. Die Geschworenen dürften sich davon nicht ablenken lassen - auch wenn schon "Millionen Worte" über den Fall gesagt wurden. Die Familien der Getöteten wünschten einen "Abschluss der Tragödie".

Die Geschworenen werden auch klären müssen, ob der Fahrer, der ebenfalls bei dem Unfall ums Leben kam, betrunken war, so wie es Bluttests ergeben hatten, und ob Diana schwanger war. Der Richter sagte jedoch, das berühmte Bild, das Diana mit einem runden Bauch im Leoparden-Bikini zeigt, sei entstanden, bevor sie Dodi kennenlernte. Es werde vielleicht nie geklärt, ob Diana schwanger war oder nicht. Diana habe aber die Pille genommen. Mohammed Al Fayed glaubt, Diana habe von Dodi ein Kind erwartet.

Gemeinsame Begehung der Unfallstelle

Die Untersuchung soll bis zu sechs Monate lang dauern. Nach britischem Recht muss ein unnatürlicher Tod mit einer gerichtlichen Untersuchung geklärt werden. Das Verfahren hatte sich wegen Ermittlungen der französischen und britischen Polizei so lange verzögert. Kommenden Montag sollen die Geschworenen gemeinsam mit Richter Baker zu der Unfallstelle nach Paris reisen. Die Kosten der Untersuchung werden auf umgerechnet 15 Millionen Euro geschätzt.

Al Fayeds Sprecher Michael Cole kritisierte, der Richter habe "höchst umstrittenes" Material erwähnt und eine "Spur der Befangenheit" gezeigt. Al Fayed, der Besitzer des Pariser Hotels Ritz und des Londoner Kaufhauses Harrods, strebt weiterhin die Befragung der Queen und anderer Mitglieder des Königshauses an. Die Untersuchung sei die "letzte Chance, die unverfälschte Wahrheit" herauszufinden, sagte Cole. Die Queen habe "unvergleichliches Wissen" über Dianas Seelenzustand gehabt.

Einen ersten Rückschlag erhielt Al Fayed in Straßburg: Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies seine Beschwerde über die Untersuchung des Todes ab. Al Fayed hatte dort über die Dauer der Ermittlungen und die unbefriedigende Behandlung seiner Beschwerde durch die französische Justiz geklagt. Die Straßburger Richter betonten, die Umstände des Todes von Dodi Al Fayed seien eindeutig festgestellt worden.

Annette Reuther/DPA DPA

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