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Dianas Todestag: Queen wollte abdanken

Am neunten Todestag von Prinzessin Diana erhitzt ihr Unfall noch immer die Gemüter. Nach neuen Informationen war die Queen offenbar entschlossen abzudanken. Nur eine hielt sie davon ab.

Wollte Queen Elizabeth II. wirklich abdanken? Neun Jahre nach dem bis heute nicht völlig aufgeklärten Tod der Prinzessin Diana am 31. August fragen sich viele Briten, ob ihre Königin ernsthaft eine solch spektakuläre Reaktion auf die Trauer und den Unmut ihres Volkes erwogen hatte. Ausgelöst wurde die Debatte durch einen neuen Film, der als eines der spannendsten britischen Kinoereignisse gilt - obwohl er noch gar nicht gezeigt wird.

Der Film "Queen" sei ungemein aufregend, fand neben anderen auch die Zeitung "Daily Mail": "Er zeigt, wie die Ereignisse nach dem Tod Dianas zur Zerreißprobe für die königliche Familie wurden." Während Sonderermittler auch am 9. Todestag Dianas noch an der endgültigen Aufklärung ihres Autounfalls in einem Pariser Tunnel arbeiten, geistern weiter Verschwörungstheorien durch die Medien. Nach wie vor steht die Behauptung des ägyptischen Millionärs Mohamed Al Fayed im Raum, der Unfall, bei dem Diana und sein Sohn Dodi umkamen, sei auf königliches Geheiß von Geheimdiensten inszeniert worden.

Doch das Thema "Unfall oder Mord?" haben die Filmemacher um Regisseur Stephen Frears bewusst ausgeklammert. Ihnen ging es vielmehr darum, ob die Königin damals als Monarchin versagt hat oder nicht. Viel zu lange - so lautete seinerzeit der Vorwurf in britischen Medien - habe die Queen sich auf Schloss Balmoral in Schottland "versteckt", während in London Hunderttausende öffentlich weinten.

Abdankung mit Queen Mum besprochen

Rasch trat damals ein, was der Hofkorrespondent und Diana-Vertraute James Whitaker noch in der Nacht des Unfalls prophezeite: "Prinzessin Diana wird durch ihren Tod zur Heiligen." Tony Blair, der gerade durch einen Erdrutsch-Wahlsieg der Labour-Partei Premierminister geworden war, nannte Diana - noch ehe das Königshaus reagierte - in einer Ansprache "die Prinzessin des Volkes".

In der Schlüsselszene berät sich Elizabeth II. - glänzend gespielt von Helen Mirren - im Garten von Schloss Balmoral mit ihrer greisen Mutter, Queen Mum. "Wenn man sein eigenes Volk nicht mehr versteht", sagt sie, "dann ist vielleicht die Zeit für die Übergabe an die nächste Generation gekommen." Die Szene sei Ergebnis gründlicher Recherchen am Hof, sagt Drehbuchautor Peter Morgan. Dies gelte auch für die Antwort von Queen Mum (Sylvia Syms), die ihrer Tochter den Rücken stärkte und ihr riet, sich nicht einschüchtern zu lassen von "diesem affigen Mr. Blair mit seinem Grinsen einer Cheshire-Katze".

Als der Film-Blair (Michael Sheen) der Film-Königin telefonisch rät, sich umgehend in London dem Volk zu zeigen, erwidert sie: "Wenn Sie glauben, ich komme nach London, ehe ich mich hier um meine Enkelkinder (die Prinzen William und Harry) gekümmert habe, die gerade ihre Mutter verloren haben, dann täuschen Sie sich. Ich bezweifle, dass irgendjemand das britische Volk besser kennt, als ich, Mr. Blair, und auch, dass irgendjemand mehr Vertrauen in seine Weisheit und Urteilsfähigkeit hat."

Gefühlloses Königshaus

72 Prozent der Briten gaben damals bei Umfragen an, die Queen hätte rascher in der Öffentlichkeit "Gefühl zeigen" sollen. Doch die Stimmungslage änderte sich, nachdem Elizabeth II. ein Staatsbegräbnis anordnete, bei dem sie öffentlich bekannte, dass ihre Sorge zuerst den Söhnen Dianas galt. Und - fast wie um Verzeihung bittend - fügte sie hinzu: "Ich glaube, dass man aus ihrem Leben und aus der außergewöhnlichen und bewegenden Reaktion auf ihren Tod lernen kann. Ich teile Ihre Entschlossenheit, die Erinnerung an sie zu bewahren."

"Queen" kommt am 15. September in die Kinos des Königreichs. Nicht viel später dürfte das Schicksal der Prinzessin Diana die Gemüter der Briten erneut bewegen: Im Herbst wird die Vorlage des Abschlussberichtes der offiziellen britischen Untersuchung des Todes von Diana erwartet. Der Leiter der Ermittlergruppe, der frühere Scotland-Yard-Chef Lord John Stevens, hat mehrfach erklärt, er gehe jeder noch so winzigen Spur nach. Von ihm erwarten viele eine endgültige Antwort auf die Frage "Unfall oder Mord?".

Thomas Burmeister/DPA / DPA