HOME

Keine Robe, kein Diadem: So würde die Queen gerne Geburtstag feiern

Die Queen fiert ihren 90. Geburtstag: Gefühlt das dritte Mal in diesem Jahr. Am Samstag ist die Parade in London, dabei würde Elisabeth II. viel lieber in Tweedjacke feiern.

Königin Elisabeth II. von Großbritannien

Immer noch gut zu Fuß, auch mit 90 Jahren: die Queen verläßt nach dem Besuch eines Gedenkgottesdienstes zu ihren Ehren die Londoer St. Pauls's Cathedral.

Noch ausgiebiger Geburtstag feiern geht nicht: dieses Wochenende gehen die Ehrenveranstaltungen zum 90. Geburtstag der britischen Königin Elisabeth II. in die dritte Runde: Begonnen hatte der Reigen am 21. April, dem „echten“ Geburtstag der Queen, in Windsor. Dort zeigte sie sich zusammen mit Prinzgemahl Philip in dem kleinen Ort zu Füßen des großen Schlosses, das der Stammsitz der königlichen Familie ist, und schnitt eine Geburtstagstorte an, die ihr von der Gewinnerin einer TV-Wettbackshow verehrt worden war. Am Abend hatte ihr ältester Sohn, Thronfolger Prinz Charles, ein privates Abendessen im engsten Familienkreis für sie organisiert.

Weiter ging es über Pfingsten Mitte Mai mit einem prächtigen Spektakel im Park des Schlosses mit Auftritten berühmter Künstler wie Helen Mirren, Kylie Minogue und Shirley Bassey sowie vielfältigen Reiterspielen und Vorführungen ihrer Lieblingsregimenter zu Pferde.

Und zum Abschluss gab es nun einen Gedenkgottesdienst in der St. Paul’s Cathedral in London mit der ganzen königlichen Familie und vielen Würdenträgern aus Politik und Gesellschaft, morgen folgt die „Trooping the Colour“-Geburtstagsparade wie jedes Jahr zu ihrem offiziellen Geburtstag im Juni und ein Mega-Charity-Lunch-Straßenfest am Sonntag auf der für diesen Zweck gesperrten Prachtmeile, die zum Buckingham Palast führt, der Mall.

Wie würde die Queen wirklich gerne Geburtstag feiern?

Aber hat sich bei der Planung all’ dieser hochkarätigen Events eigentlich mal jemand gefragt, wie Elisabeth Windsor, 90 Jahre, ihren Geburtstag wirklich gern gefeiert hätte?

Fast wie ein ganz normales Rentner-Ehepaar, nur dass Königin Elisabeth und Prinz Philip mit 90 bzw. 95 Jahren noch immer nicht im Ruhestand sind: Beide zusammen absolvieren immer noch mehrere hundert offizielle Termine pro Jahr.

Fast wie ein ganz normales Rentner-Ehepaar, nur dass Königin Elisabeth und Prinz Philip mit 90 bzw. 95 Jahren noch immer nicht im Ruhestand sind: Beide zusammen absolvieren immer noch mehrere hundert offizielle Termine pro Jahr.

Das heute aus Anlass des 95. Geburtstages ihres Mannes Prinz Philip veröffentlichte neue offizielle Porträt des altehrwürdigen Ehepaares gibt eine Ahnung davon: keine Robe, kein Diadem für die Königin, keine ordenbehangene Uniform für den Prinzgemahl, stattdessen Bluse mit Strickjacke und Tweedjackett, das typische britische Großelternpaar, das sich für seine Kinder und Enkel fotografieren lässt, damit diese das Bild im Wohnzimmer ihres Reihenhäuschens aufstellen können.

Wie hätte die Königin gerne gelebt, wenn das Schicksal es anders (besser?) mit ihr gemeint und ihr Onkel Eduard VIII. 1936 nicht einer geschiedenen Amerikanerin zuliebe abgedankt und sie damit zur Thronfolgerin gemacht hätte?

Ihren Philip hätte sie wahrscheinlich trotzdem kennengelernt und geheiratet. Beide sind miteinander verwandt (Queen Victoria ist beider Ur-Ur-Großmutter) und verkehrten in den 30er und 40er Jahren in denselben Adelskreisen. Auf irgendeiner Familienfeier hätten sie sich sicher mal kennengelernt.

So sähe ihr Leben ohne Krone aus

Aber später hätten sie das normale Leben des englischen Landadels geführt: Philip Mountbatten wäre weiter zur See gefahren, wie er es vor seiner Eheschließung tat, und bei seiner Begabung als Offizier sicher aus eigener Kraft bis zum Admiral aufgestiegen. Elisabeth hätte derweil auf dem gemeinsamen Landgut eine erfolgreiche Rennpferde-Zucht betrieben und ihre vier Kinder mit etwas mehr Zeit und mütterlicher Zuwendung aufgezogen, als es ihr in der Realität möglich war.

Eine schöne, friedliche Vorstellung von einem Leben, das der Frau, die Pferde und Hunde über alles liebt, sicher mehr entsprochen hätte, als 64 Jahre der Pflichterfüllung auf dem Thron unter ständiger Zurückstellung eigener Bedürfnisse und Gefühle. Es ist ihr zu wünschen, dass sie in den nächsten Jahren immer mehr königliche Pflichten an ihre Familie abgeben und dafür mit ihrem Mann und den Corgis in Strickjacke und Tweed-Jackett in Balmoral über die schottische Heide wandern, viele Pferderennen besuchen und endlich einmal tun kann, wozu sie Lust hat.