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EMMY-VERLEIHUNG: »And the Winner is...«

Die Emmys für die besten Fernsehproduktionen wurden am Sonntagabend zum 53. Mal verliehen. Nach zweimaliger Absage wegen Terror und Krieg zeigten sich die Stars in dezenter Garderobe.

Nach langem Zögern lässt sich nun doch Vollzug melden. Zwei Mal waren die Emmy-Verleihungen für die besten Leistungen im TV-Bereich bereits verschoben worden, zunächst wegen der Anschläge auf New York, danach wegen des Angriffs auf Afghanistan. Aber am Sonntagabend durfte sich die US-Filmbranche endlich selbst ehren und feiern. So ganz kam der unbeschwerte Glamour vergangener Jahre dennoch nicht auf.

Die neue Bescheidenheit

Die meisten Stars hatten sich an die Kleiderordnung der Veranstalter – »elegante Geschäftsgarderobe« – gehalten und waren in dunklen Farben und mit dezentem Make-up im Shubert Theater in Los Angeles erschienen. Nur ein paar patriotische Accessoires – etwa blau-rot-weiße Schleifchen oder Sternenbanner – brachten ein wenig Farbe in die ansonsten immer von tiefen Ausschnitten und bunten Glitzerkleidern geprägte Verleihung. Ein roter Teppich fehlte dennoch nicht.

»West Wing« gegen »Sopranos«

Mit zusammen 40 Nominierungen gingen die Polit-Serie »West Wing« und die Mafia-Saga »Sopranos« als Favoriten ins Rennen. Anscheinend findet das Innenleben des Weißen Hauses in Zeiten des Krieges mehr Interesse, zumindest war »West Wing« mit dem Preis für das beste Drama, die beste Regie, die beste Drama-Nebendarstellerin sowie den besten Drama-Nebendarsteller der klare Gewinner des Abends. Bei den »Sopranos« konnten zumindest die Oberhäupter des Mafia-Clans aus New Jersey die Jury überzeugen – der Preis für die beiden besten Drama-Hauptdarsteller ging an die Serie.

Was leicht neurotische Macho-Frauen so in der Großstadt treiben, interessiert und begeistert mittlerweile ein weltweites Publikum. »Sex And The City« hat sich zur Kultserie entwickelt und wurde dafür von den Juroren der Fernseh-Akademie mit der goldenen Statue für die beste Comedy-Serie geehrt. Insgesamt scheint die Akademie dennoch von weniger selbstsüchtigen Frauenbildern angezogen zu sein. Calista Flockhart, die smart bis verklemmte Anwältin aus »Ally McBeal«, und die männerkonsumierende Sarah Jessica Parker aus »Sex And The City« gingen im Wettstreit um die beste Comedy-Hauptdarstellerin leer aus: Patricia Heaton wurde für ihre Rolle als Mutter mit drei Kindern in »Everybody Loves Raymond« ausgezeichnet.

Lange Tradition

Seit 53 Jahren werden die »Fernseh-Oscars« jährlich vergeben. In 27 Kategorien werden Haupt- und Nebendarsteller, Regisseure, Drehbuchautoren und Produzenten ausgezeichnet. Die Nominierungen werden von den aktiven Akademie-Mitgliedern bestimmt. Die Gewinner werden schließlich in einer geheimen Wahl ermittelt.

Philip Stirm