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Fabian Hambüchen: Doppelsieg für den Turn-Professor

Bei den Olympischen Spielen in Athen turnte sich Fabian Hambüchen in die Herzen der deutschen Fans. Dass er zur Weltspitze gehört, unterstrich er nun mit seinen ersten Weltcup-Siegen.

Fabian Hambüchen hat am Sonntag beim DTB-Pokal mit einem "Doppelpack" für eine umjubelte Premiere gesorgt. An seinem Spezialgerät, dem Reck, landete der 17-jährige "Turn-Professor" den ersten Weltcupsieg seiner Karriere und wurde in Stuttgart von 6000 Zuschauern euphorisch gefeiert. Nur eine Stunde später ließ das Turn-Talent aus Wetzlar am Boden völlig überraschend gleich den zweiten Streich folgen.

"Er hat gezeigt, dass er unter Druck Topleistungen bringen kann"

Nachdem er schon im Endkampf für eine blitzsaubere Übung mit 9,787 Punkten den Höchstwert erhalten hatte, setzte er sich auch im Winners Final am Reck trotz eines unfreiwilligen Abgangs beim Tkatschow- Flugelement mit 9,025 Zählern gegen den Kanadier Alexander Jeltkow durch, der gleichfalls seine Übung nicht durchturnen konnte und nur 7,825 Punkte erhielt.

"Ich war ganz locker, deshalb lief es im Endkampf auch so gut. Im Winners Final war ich dann vielleicht etwas zu locker... Aber vom zweiten Angang an war ich wieder konzentriert und habe den Sieg noch aus dem Feuer gerissen", meinte der strahlende Sieger nach seiner Darbietung. Sachlich wertete sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen den Auftritt: "Er hat gezeigt, dass er auch unter Druck solche Topleistungen bringen kann. Das beruhigt mich."

Auch am Boden stellte sich Deutschlands große Turn-Hoffnung noch einmal in exquisiter Form vor und zog mit dem Bestwert von 9,625 in das Winners Final ein. Dort lieferte er sich mit Radzvan Selariu ein "totes" Rennen und wurde wie der Rumäne mit 9,537 Zähler bewertet. Auf Grund der Tiebreak-Regeln wurde Hambüchen jedoch nachträglich allein auf Platz eins gesetzt, obwohl zuvor auch Selariu wegen einer Technik-Panne als gleichberechtigter Sieger geehrt worden war.

Noch eine deutsche Turn-Hoffnung

Tags zuvor hatte mit dem 18-jährigen Matthias Fahrig gleichfalls ein Youngster für Schlagzeilen gesorgt und mit Platz zwei im Sprung-Finale sein bislang bestes Weltcup-Resultat erzielt. Fahrig, der vor drei Wochen schon bei seinem Weltcup-Debüt in Gent mit Platz fünf seine Sprung-Qualitäten unter Beweis gestellt hatte, gewann zunächst die Qualifikation und zog auch als Bester des Endkampfes in das Winners Final gegen Selariu ein. Dort steigerte sich der farbige Hallenser zwar noch einmal und erhielt für seinen sauberen Sprung 9,543 Zähler, doch der Rumäne wurde mit 9,618 noch einen Tick höher bewertet.

"Ich bin nicht traurig über die Niederlage im Winners Finale. Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen", meinte Fahrig, der im Sommer nach dem Unfall von Ronny Ziesmer in die deutschen Olympia-Riege berufen wurde, die in Athen den achten Platz belegte. "Allein der Einzug in den Endkampf war super, alles andere war Zugabe", sagte der Modell-Athlet.

Lisa Brüggemann wird Vierte am Stufenbarren

"Das waren drei tolle Ergebnisse zum Abschluss der Weltcup-Serie", resümierte Cheftrainer Andreas Hirsch. "Wir haben in der gesamten Serie Erfahrungen gesammelt. Schade, dass wir beim Weltcup-Finale nicht vertreten sein werden, aber für uns zählten in diesem Jahr andere Dinge wie die Olympia-Qualifikation. Deshalb waren wir nicht immer mit dem besten Aufgebot dabei", fügte der Berliner hinzu.

Für die beste Platzierung im deutschen Frauen-Team sorgte die Kölner Olympia-Teilnehmerin Lisa Brüggemann mit einem vierten Rang am Stufenbarren (9,137). Auch der einheimische Thomas Andergassen verdiente sich für eine ansprechende Seitpferd-Übung, die mit 9,662 Punkten und Platz fünf belohnt wurde, das Lob des Trainers.

Nils B. Bohl/DPA / DPA

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