Fall Gsell Justiz bereitet Spekulationen um Auftragsmord ein Ende


Die Witwe des Schönheitschirurgen Franz Gsell hat nach Erkenntnissen der Justiz den Raubüberfall auf ihren Mann aus Geldnot in Auftrag gegeben. Von einem Auftragsmord könne allerdings nicht die Rede sein.

Seit dem Tod des Schönheitschirurgen Franz Gsell sind die wildesten Gerüchte ins Kraut geschossen. Kaum ein Tag, an dem im "Fall Gsell" keine neuen Spekulationen die Gazetten füllten. So wurden etwa Mutmaßungen über die Ehe des 76-Jährigen mit seiner 44 Jahre jüngeren Frau angestellt. Gsell hätte frühere Mordanschläge überlebt, hieß es. Er sei nicht an den Folgen des Raubüberfalls gestorben, sondern einem tödlichen Virus erlegen. Es wurde sogar spekuliert, Gsell sei in Geldnot gewesen und deshalb selbst an der Tat beteiligt gewesen.

Weder Auftragsmord noch Totschlag

Seit der Festnahme von Gsells Witwe Tatjana im April hüllten sich die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen größtenteils in Schweigen. Erst am Donnerstag bereitete Justizsprecher Bernhard Wankel allen Spekulationen ein Ende: Der Überfall vom 5. Januar, an dessen Folgen der Arzt am 26. März starb, war weder Auftragsmord noch Totschlag, hieß es in einer "klarstellenden Pressemitteilung". Das Opfer Franz Gsell war auch nicht in die Tat verwickelt. Auch ein ebenfalls inhaftierter Staatsanwalt aus Hof und Jugendfreund der "Busen-Königin" sei "weder Initiator noch Drahtzieher" der Tat gewesen, ließ die Justiz wissen.

Gerüchte über Homosexualität entgegengetreten

Schon Tags zuvor trat Tatjana Gsell (32) über ihren Anwalt Markus Hennig "dem Gerücht einer angeblichen Homosexualität ihres verstorbenen Ehemannes mit aller Entschiedenheit entgegen". Sie verwahre sich auch gegen die ehrverletzende Behauptung, ihre Ehe wäre nur eine Scheinehe gewesen, hieß es da. Als böswillige Falschmeldung bezeichnete Hennig auch Berichte, wonach die Polizei mittlerweile sogar im "Strichermilieu" ermittelt habe.

Justizsprecher Wankel stellte ausdrücklich klar, dass die Ermittlungen keinerlei Hinweise auf homosexuelle Neigungen des Arztes Gsell ergeben hätten. Spekulationen über Täter aus dem "Strichermilieu" entbehrten jeder Grundlage. "Dr. G. war in keiner Weise finanziell beengt", schrieb Wankel in der siebenseitigen Erklärung zum Stand der Ermittlungen. Noch wenige Wochen vor dem Überfall soll er 50.000 Euro Schulden beglichen haben, die beim mehrmonatigen Aufenthalt seiner Frau mit deren Freund, einem insolventen Düsseldorfer Unternehmer, im spanischen Nobelferienort Marbella angefallen waren.

Tatjana Gsell handelte aus Geldnot

Wenn jemand in Geldnot war, dann Tatjana Gsell selbst. "Die Beschuldigte war Ende 2002/Anfang 2003 finanziell am Ende", berichtete Wankel über ihr mögliches Motiv, sich durch den fingierten Autodiebstahl und geplanten Versicherungsbetrug Geld zu beschaffen. So soll Tatjana Gsell geplant haben, ihren Sportwagen im Wert von rund 100.000 Euro von zwei beauftragten Autoschiebern stehlen zu lassen und dafür von diesen 30.000 Euro zu kassieren. Darüber hinaus wollte sie noch die Versicherungssumme einstecken. "Die weitere finanzielle Versorgung der Beschuldigten war nicht gesichert. Ihr aktueller Lebenspartner, der insolvente Mitbeschuldigte B. hatte kein geregeltes Einkommen und lebte, ebenso wie sein Sohn und seine Mutter, von der Alimentierung der Beschuldigten durch ihren Ehemann", heißt es in der Pressemitteilung der Justiz wörtlich.

Die 5. Strafkammer des Landgerichts milderte allerdings inzwischen den Vorwurf der Anstiftung zum Raub mit Todesfolge gegen Tatjana Gsell ab. Seit Anfang Juli ist nur noch von gemeinschaftlicher Nötigung und gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge die Rede. Tatjanas Jugendfreund stuft die Staatsanwaltschaft lediglich als "willfährigen Gehilfen" ein. Der Jurist habe seine dienstlichen Kontakte aus einem Autoschieberprozess in Hof - entgegen den Gerüchten - nicht ausgenutzt. Der 32-Jährige sei lediglich am Tag des Überfalls auf Franz Gsell vor dessen Villa gewesen, um das Geld in Empfang zu nehmen, das die beauftragten Autoschieber der klammen Society-Lady zugesagt hatten.

Anwalt spricht von Spekulationen

Gsells Anwalt Markus Hennig wies unterdessen die Behauptungen der Justiz als "höchst spekulativ" zurück. Die Hauptlinien im Ermittlungsverfahren seien nach wie vor nicht abgeklärt.


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