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Felipes Braut: Bangen um den guten Ruf

Plötzlich ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt und dort als perfekte Prinzessin gefeiert, muss die Verlobte des spanischen Kronprinzen, Dona Letizia, auch mit der gehässigen Kehrseite der Popularität klarkommen.

Als das spanische Königshaus die Verlobung von Kronprinz Felipe mit der Fernsehmoderatorin Letizia Ortiz bekannt gab, reagierten die Spanier mit fast überschwänglicher Freude. Eine bessere Wahl habe der Thronfolger kaum treffen können, war der einhellige Tenor aller Kommentare. Die moderne Version des 'Aschenputtel'-Märchens schien wahr zu werden: Eine TV-Journalistin aus einfachem Hause steigt zur künftigen Königin von Spanien auf.

Aber mittlerweile hat das Bild der Idylle erste dunklen Flecken erhalten. Die Medien lassen praktisch jeden zu Wort kommen, der der Auserwählten des Thronfolgers jemals über den Weg gelaufen ist. Nicht alle haben Positives zu berichten. Ehemalige Kollegen beschreiben Letizia Ortiz als übertrieben ehrgeizig. Böse Zungen verbreiten das Gerücht, sie habe die Stelle als Nachrichtenmoderatorin nur erhalten, weil das Königshaus sich beim staatlichen Fernsehen für sie eingesetzt habe.

TV-Sender zeigte das Bett der ersten Hochzeitsnacht

Andere wollen wissen, die Braut des Prinzen sei noch im Juni auf einer Party mit einem anderen Freund gesehen worden. Jeder Flecken in der Vergangenheit der künftigen Prinzessin von Asturien wird ausgeleuchtet. Ein TV-Sender zeigte das Bett, in dem Letizia die Hochzeitsnacht nach ihrer ersten Hochzeit verbracht hatte. Der erste Ehemann, von dem sich die junge Frau nach einjähriger Ehe scheiden ließ, hält sich allerdings mit Äußerungen bislang zurück. "Aber wie lange noch?", fragt die Zeitung 'El Mundo' in ihrer Internetausgabe.

Die Flut der Tratsch-Berichte in den Medien hat zur Folge, dass die Zustimmung der Spanier zur Heirat des Thronfolgers leicht gesunken ist - nach Umfragen der Zeitung von 70 auf 67 Prozent innerhalb von nur drei Tagen. Dabei hatte das Königshaus bei der Bekanntgabe der Verlobung, wie sogar die Anti-Monarchistin Pilar Ràhola einräumt, eine "brillante Strategie" verfolgt. Es hatte die Spanier mit der Mitteilung völlig überrascht. Zudem wählte das Königshaus als Zeitpunkt einen Samstag - den Tag, an dem die seichten Talk-Shows im Fernsehen eine Pause einlegen.

"Telebasura" lästern auf niedrigem Niveau

Nun steht das Königshaus vor der Aufgabe, den guten Ruf der künftigen Königin zu schützen. Die Gefahr geht dabei nicht so sehr von der gedruckten Presse aus. In Spanien gibt es keine wirklichen Skandalblätter, und die zahlreichen Blätter der Regenbogenpresse berichten eher positiv über die Prominenz. Letizia hat vielmehr die Tratsch-Sendungen im Fernsehen zu fürchten. Dies sind Programme, deren Niveau man sich kaum niedrig genug vorstellen kann, und die gemeinhin als "telebasura" (Fernsehmüll) bezeichnet werden.

Die Tatsache, dass das spanische Königshaus eine Bürgerliche - noch dazu eine Geschiedene - als Frau des Thronfolgers akzeptiert, wurde als ein Beitrag zur Modernisierung und Demokratisierung der Monarchie gefeiert. Aber dies hat auch eine Kehrseite. "Von der Demokratisierung zur Vulgarisierung ist es manchmal nur eine kleiner Schritt", betont die Autorin Irene Lozano.

Hubert Kahl / DPA
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