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Filmdokumentation: Robert de Niro spricht über Homosexualität seines Vaters

Hollywoodstar Robert de Niro überrascht das Showgeschäft, indem er erstaunlich offen über seine Familie redet. Das ist neu. Grund ist sein jüngster Film.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Robert de Niro quatscht nicht. Hat er nie getan. Sitzt man dem Schauspielgott gegenüber, muss man ihm die Antworten regelrecht abkämpfen, oder er lässt gleich andere für sich sprechen. An dem Ruf, eine harte Nuss zu sein, hat er jahrelang gearbeitet. Doch nun hat der "Taxi Driver"-, "Wie ein wilder Stier"- und "Der Pate"-Star doch mal geredet. Und diesmal sogar über seine Familie. Der Grund dafür ist eine Dokumentation über de Niros Vater. Und de Niro selbst spricht im Film darüber, dass sein Vater homosexuell war.

Das US-Magazin "Out" hatte die Ehre, mit de Niro ungewohnt offen reden zu können, wie der "Hollywood Reporter" vorab berichtet. De Niro öffne sich, heißt es da. Seinem vor 20 Jahren an Krebs gestorbenen Vater, der vor allem als expressionistischer Maler und Bildhauer bekannt war, ist eine Dokumentation gewidmet, die im Juni auf dem US-Kabelsender HBO zu sehen sein wird: "Remembering the Artist Robert De Niro Sr."

Der berühmte Sohn sagt über seinen Vater: "Er war immer ein großartiger Künstler". Wahrscheinlich sei das Leben für ihn als Homosexueller aber nicht einfach gewesen "zu dieser Zeit, vor allem weil er aus einer Kleinstadt kam". Er selbst sei sich der Problematik nicht bewusst gewesen, so de Niro. "Ich wünschte, er hätte mehr darüber gesprochen. Meine Mutter wollte generell nicht darüber reden." Und er selbst sei wohl zu jung gewesen, um nachzufragen.

Coming-out für den Vater

Über seinen Vater zu sprechen, mache ihn sehr emotional, wird der 70-Jährige zitiert. "Wie Sie sich denken können, waren wir nicht die Art Vater und Sohn, die zusammen Baseball spielen. Aber wir hatten eine Verbindung." Er habe nach der Scheidung der Eltern (da war de Niro drei) nicht mehr viel von seinem Vater gesehen, sich später aber um ihn gekümmert, sagt de Niro laut "Hollywood Reporter" im Film, in dem er auch aus den Tagebüchern seines Vaters liest. "Er war ein sehr liebevoller Mensch, der Kinder vergöttert hat", so wie er selbst die seinen.

Auf die Frage nach dem Warum für dieses posthume Coming-Out antwortet de Niro: "Ich hatte das Gefühl einer Verpflichtung. Ich musste eine Dokumentation über ihn machen, das wollte ich schon immer." Auch für seine Kinder habe er den Film gemacht: Damit sie erkennen, dass man manche Dinge sofort tun muss und nicht später - "wenn es zu spät ist".