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Filmfestival Toronto: Madonnas miese Manieren

Madonna lässt die Diva raushängen: Nach Hortensien-Aversionen in Venedig zeigt die Sängerin auf dem Filmfestival in Toronto jetzt plötzlich ihre Abneigung gegen freiwillige Helfer.

Von Frank Siering, Los Angeles

Madonna und der Blumenstreit: "Ich werde Hortensien immer hassen"

Der Befehl kam von der Chefin höchstpersönlich. Kein direkter Augenkontakt und wenn möglich auch den Körper zur Seite drehen, sobald Madonna anmarschiert. Eine klare Ansage. Was sich wie ein schlechter Witz aus den 80er Jahren anhört, wurde für diverse freiwillige Helfer beim Filmfestival in Toronto jetzt bittere Realität.

Keine Geringere als Madonna selbst hatte es so gewollt. Kurz bevor die in die Jahre gekommene Popdiva im kanadischen Toronto in einer Pressekonferenz erneut versuchte, ihren als allgemein anerkanntes Regiefiasko "W.E." zu verteidigen, gab sie genau diese Instruktionen. Keiner der freiwilligen Helfer, ohne die das Festival in eine hoffnungslose Hordenhysterie verkommen würde, durfte dem Superstar direkt in die Augen schauen, sie mussten sich tatsächlich mit dem Gesicht zur Wand drehen, wenn die "Queen of Pop" vorbeistolzierte.

Ob es die Angst vor möglichen ehrlichen Altersmomenten oder die überkandidelte Attitüde einer rüden Frau war, die zu solch eitlem Größenwahn veranlasste, blieb bislang ungeklärt. Weder Madonnas Lager, noch die Amerikanerin selbst, wollten bislang zu dem Vorfall Stellung nehmen.

Aber aus den organisatorischen Kreisen des Festivals ist zu hören, "dass eine solche Aktion schon etwas verwunderlich war". Zumal das Festival nur deshalb jedes Jahr so viele tolle Stars und Regisseure anzieht, weil es so viele Freiwillige gibt, die helfen.

Madonna trampelt - auf Blumen und Gefühlen

Dieses Skandälchen ist bereits der zweite Vorfall in kürzester Zeit, mit dem sich Madonna wieder in die Schlagzeilen schummelt. Jüngst war es die Attacke auf eine Hortensie, die ihr ein Fan bei einer Pressekonferenz in Venedig überreicht hatte. Ein Video davon kursierte bald im Netz und machte Madonnas Blumenschelte weltweit bekannt.

Madonna reagierte auf die öffentliche Kritk vieler Pflanzenliebhaber mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und ­- zugegeben - einer Prise Selbstironie. Nur wenige Tage nach der "Hortensien-Attacke" stellte sie einen Clip ins Internet, der im Stile eines Stummfilms mit Untertiteln gedreht wurde. Zur Titelmusik von "Der Pate" entschuldigt sich "Madge" dafür, der Pflanze Schmerzen zugefügt zu haben. Am Ende des Clips allerdings kommt die Hortensien-Hasserin wieder durch. "Ich hasse Hortensien noch immer! Und ich werde sie immer hassen", erschien im Untertitel - und Madonna trampelt auf den Blumen herum.

Der Zwischenfall in Toronto allerdings hat andere Dimensionen. Zeigt es doch, wie abgehoben und weltfremd Superstars wie Madonna heute durch die Weltgeschichte schweben.

Kritik? Gerne, aber nur wenn ...

Auch die teilweise heftige Kritik, die der Regisseurin Madonna auf den Festivals ins Gesicht bläst, scheint an der 53-Jährigen abzuperlen. Im Gegenteil: Auf die Frage, wie sie mit der zum Teil sehr harschen Kritik an ihrem Film umgeht, sagte sie in Toronto: "Ich erkenne, wann eine Person meinen Film kritisiert und wann sie meine Person kritisiert. Ich bekomme gerne Kritik für meinen Film, wenn er als Kunstform betrachtet wird, aber nicht, wenn Leute etwas über mein Privatleben erwähnen oder meine Leistungen in anderen Bereichen - weil diese nichts mit dem Film zu tun haben. Wenn sie beim Film bleiben, schere ich mich darum. Ich schenke dem meine Aufmerksamkeit."

Bei solchen selbstgefälligen Kommentaren sollte Madame Madonna dann vielleicht bei den freiwilligen Helfern von Toronto mit der Aufmerksamkeit anfangen. Denn die hätten sie wohl am ehesten verdient.