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Gabriele Metzger Was macht eigentlich Charlie Schneider aus "Verbotene Liebe"?

In der ARD-Seifenoper "Verbotene Liebe" gab Gabriele Metzger die Charlie Schneider - und war als einzige Schauspielerin von Anfang bis Ende der Serie dabei.

Sie spielten 20 Jahren lang die Charlie Schneider, das Urgestein von "Verbotene Liebe". Wie ging es Ihnen, als die Serie 2015 eingestellt wurde?
Es war kein tränenreicher Abschied, im Gegenteil: Ich freute mich auf mein neues Leben. Die Pendelei zwischen Köln und Frankfurt fiel weg, und ich hatte viele Pläne: mehr Zeit mit Freunden verbringen, Klavier lernen, Theaterspielen. Die Euphorie hielt ein halbes Jahr. Dann bekam ich fast von einem Tag auf den anderen eine Depression.

Können Sie sich erklären, warum?

Zu "Verbotene Liebe"-Zeiten war ich ja völlig eingespannt. Nach dem Serien-Aus hatte ich plötzlich Zeit, mein Leben zu rekapitulieren: kein Partner, keine Kinder. Ich fühlte mich wahnsinnig allein. Nach einem harmlosen Auffahrunfall hatte ich die erste Panikattacke. Ich dachte: Ich schaffe dieses Leben nicht mehr. Es war, als würde ich überall "Game over" lesen. Wenn meine Mutter nicht gewesen wäre, hätte ich mir die Kugel gegeben.

Sie pflegen seit acht Jahren Ihre heute 93-jährige Mutter zu Hause.
Ja, die Verpflichtung ihr gegenüber hat mir sehr geholfen in dieser Zeit. Auch wenn mir eigentlich danach war, den ganzen Tag im Bett liegen zu wollen, musste ich ja aufstehen. Frühstück machen, Pillen geben.

Konnten Sie Ihre Gefühle mit jemandem teilen?

Nicht wirklich. Meine Mutter durfte natürlich nicht spüren, wie unglücklich ich war. Auch Freunden wollte ich meine Stimmung nicht immer zumuten. Von außen bin ich die starke Frau, die immer strahlt. So schwach kennt man mich nicht.

Wie sind Sie aus dem Tief herausgekommen?
Ich habe eine Therapie gemacht. Die Gespräche haben mich unwahrscheinlich gestärkt. Und vor allem: Da war jemand, den ich jederzeit hätte anrufen können.

Und Sie haben das Schreiben für sich entdeckt. Erzählen Sie.
Ich schreibe seit ein paar Wochen an einem Roman. Es geht um Nähe und Distanz in einer Partnerschaft, ein Thema, das mich schon immer umgetrieben hat. Durch den Reifeprozess meiner Figuren lerne ich viel über mich selbst.

Wie geht es Ihnen heute?

Das Eis, auf dem ich stehe, ist noch etwas dünn. Aber ich stehe! Der Tod meiner Mutter könnte mich noch einmal umwerfen, aber insgesamt blicke ich optimistisch in die Zukunft. Ich kann mich wieder an Dingen erfreuen, bin gern mit anderen Menschen zusammen und hätte auch wieder Lust zu drehen.

Wie ist es, nach 20 Jahren als Schauspielerin arbeitslos zu sein?
Die Branche ist extrem hart. Man fühlt sich ein wenig, als würde man ins offene Meer treiben, wo ohnehin schon viele Schiffbrüchige sind. Aber ich bin mir sicher, dass tolle Angebote kommen werden!

Warum hat man "Verbotene Liebe" eigentlich damals eingestellt?
Wir waren alle geschockt, aber es war ein Abschied auf Raten. Schon als die Folgen auf die doppelte Länge gezogen wurden, verlor die Serie an Biss. Es gab eine Menge Kulissen, aber keine zündenden Ideen mehr. Für Charlie hätte ich mir auf jeden Fall ein anderes Ende gewünscht.

Sie polarisierte nicht mehr, war in einer netten Beziehung. Ein bisschen langweilig?
Eben. Warum hätte sie nicht in ein Cabrio steigen und mit flatterndem Schal gen Sonnenuntergang fahren können? Aus sicherer Quelle weiß ich aber, dass es Charlie heute gut geht. Ich kann alle Fans beruhigen: Sie hat ihren inneren Frieden gefunden.

Interview: Anne Hansen

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