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Gerücht um Morphium-Überdosis: Polizei sucht Michael Jacksons Arzt

Woran starb der King of Pop? Am Tag nach dem Tod von Michael Jackson schießen die Spekulationen ins Kraut. Familienmitglieder deuteten an, dass der Popstar seit Jahren tablettensüchtig war. Auskunft darüber könnte womöglich Jacksons Hausarzt geben, doch der ist bislang nicht aufzufinden.

Einen Tag nach dem Tod von Pop-Star Michael Jackson häuften sich in den US-Medien Berichte über einen möglicherweise langjährigen Medikamentenmissbrauch des Sängers. Der US-Zeitschrift "People" zufolge schritten Familienangehörige schon vor drei Jahren ein, um den Star von einem gefährlichen Tablettenkonsum abzubringen. "Die Familie glaubte, dass Michael süchtig war", zitierte die Zeitschrift eine Quelle aus Jacksons Umfeld. Die Geschwister hätten auf ihn eingeredet, aber der Pop-Star habe ihre Bedenken zurückgewiesen.

Der Sänger habe zuletzt täglich eine Spritze mit dem morphiumähnlichen Medikament Demerol erhalten, meldete die gewöhnlich gut unterrichtete Klatsch-Internetseite tmz.com am Freitag unter Berufung auf ein "enges Mitglied" der Jackson-Familie. Am Donnerstag, kurz vor seinem Tod, sei ihm ebenfalls dieses Mittel verabreicht worden. Jackson war im Alter von 50 Jahren nach einem Herzstillstand gestorben. Dem Internetdienst zufolge sucht die Polizei nach dem Arzt, der ihm diese Spritze verabreichte. Der Mediziner, der in Jacksons Haus lebte, sei derzeit nirgends zu finden, hieß es.

Inzwischen hat die Polizei bestätigt, dass einer von Jacksons Ärzten gesucht wird. Man erhoffe sich von dessen Befragung Hinweise, die zur Klärung der Todesursache führen können, teilte einer Polizeisprecherin in Los Angeles mit.

Die Polizei habe einen BMW vor Jacksons Haus abgeschleppt, der einem der Ärzte Jacksons gehören soll. "Wir haben den Arzt bisher nicht befragen können", sagte Karen Rayner. Das Auto sei abgeschleppt worden, weil es Arzneimittel oder andere Hinweise enthalten könnte, die den Gerichtsmedizinern bei der Klärung der Todesursache helfen könnten. Rayner betonte, dass der Arzt nicht als Verdächtiger gelte.

Die Feuerwehr in Los Angeles hat unterdessen den Inhalt des Notrufs aus dem Haus von Michael Jackson veröffentlicht. Demnach forderte am Donnerstag ein Unbekannter bei der Notrufnummer 911 Hilfe an. "Er atmet nicht", sagt eine Männerstimme. "Er ist bewusstlos". Sie seien dabei, den Patienten wiederzubeleben, hört man weiter. Weiter erklärte der Unbekannte, nur Jacksons Leibarzt sei bei dem 50-jährigen Popstar.

Inzwischen hat auch die gerichtsmedizinische Untersuchung des Leichnams begonnen. Erste vorläufige Ergebnisse sollten unter Umständen noch im Laufe des Tages bekanntgegeben werden. Der stellvertretende Leiter der Gerichtsmedizin des Bezirks Los Angeles, Ed Winter, dämpfte allerdings zu hohe Erwartungen."Die Obduktion wird wie bei jedem anderen durchgeführt", erklärte er weiter. Unterdessen untersuchten Beamte des Raub- und Morddezernats der Polizei von Los Angeles das Haus des Superstars, sprachen aber von einem Routinevorgang.

Ein renommierter Arzt soll die Autopsie übernommen haben, der auch schon als medizinischer Sachverständiger im Fall des früheren Footballstars O.J. Simpson auftrat. Gesucht wird vor allem nach Spuren von Drogen, Alkohol oder Medikamenten in Jacksons Körper. Mit dem Ergebnis der toxologischen Tests wird nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN erst in sechs bis acht Wochen gerechnet.

Familie in Sorge wegen Jacksons Medikamentenkonsums

Michaels Vater Joe Jackson soll kürzlich versucht haben, den Megastar in einer Entzugsklinik im kalifornischen Palmdale unterzubringen. Die Familie hatte sich nach Angaben eines Sprechers schon länger Sorgen über Jacksons Gesundheit gemacht und seit Monaten vergeblich versucht, besser auf ihn aufzupassen. "Michael erschien ein paarmal zu Proben, er hat sich wirklich angestrengt, das hinzukriegen", sagte der Sprecher der Jackson-Familie CNN. "Aber sein Medikamentenkonsum war ein Problem. Genauso wie die alten Verletzungen, als er sich bei einem Sturz auf der Bühne einen Rückenwirbel und das Bein gebrochen hat."

Anwalt schließt versehentliche Überdosis nicht aus

Brian Oxman, einer der Anwälte der Jackson-Familie, schloss eine versehentlich eingenommene tödliche Dosis verschreibungspflichtiger Medikamente nicht aus. Oxman sagte zu dem Verdacht, der Tod könne dadurch ausgelöst worden sein: "Dies war etwas, was ich befürchtete und etwas, vor dem ich gewarnt habe."

Der Anwalt zog im Sender NBC Vergleiche zum früheren Supermodel Anna Nicole Smith, die im Februar 2007 an einer Überdosis Medikamenten gestorben war. "Ich hatte Angst vor diesem Tag, und jetzt ist er da."

Der Pop-Star sollte am 13. Juli in London das erste von 50 Comeback-Konzerten geben. Nach Angaben der Werbeagentur für die Tour hatte er einen mehrstündigen Gesundheitscheck überstanden.

AP/DPA/ben / AP / DPA