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Großbritannien: "Bombenstimmung" im Buckinghampalast

Prinz Charles fühlt sich durch das öffentliche Interesse an seiner Beziehung zu Camilla "gefoltert", die Queen sorgt sich um die Monarchie und könnte ihren Sohn bei der Thronfolge übergehen. Die geplante Hochzeit steht unter keinem guten Stern.

Prinz Charles (56) fühlt sich durch das öffentliche Interesse an seiner Beziehung zu Camilla Parker Bowles (57) "gefoltert". Der BBC-Reporter Gavin Hewitt zitierte den Thronfolger am Sonntag mit den Worten: "Schon mein ganzes Leben lang sagen andere Leute mir, was ich zu tun habe. Mir hängt das zum Hals raus. Mein Privatleben unterhält eine ganze Branche. (...) Es heißt doch immer, die Briten seien so mitfühlend. Den Eindruck habe ich nicht." Die Äußerungen sind bereits sieben Jahre alt und sollten eigentlich vertraulich bleiben, wurden aber nun von Hewitt in der "Mail on Sunday" veröffentlicht.

Auch seriöse Zeitungen wie der "Independent on Sunday" maßen den Äußerungen großes Gewicht bei. Die konservative "Mail on Sunday" schrieb, seit den ersten Tagen nach dem Unfalltod Dianas am 31. August 1997 habe die Monarchie nicht mehr so schnell an Ansehen verloren wie jetzt durch die Pannenserie bei den Vorbereitungen der Hochzeit von Charles und Camilla.

Queen sorgt sich um ihren Status

Die Queen hat sich nach Informationen des "Sunday Telegraph" deshalb entschieden, der Hochzeit fernzubleiben, weil sie meint, dass Charles seine persönlichen Wünsche wichtiger seien als seine Thronfolgerpflichten. Sie sei keineswegs begeistert von der Heirat, sondern befürchte, dass diese der Monarchie schaden werde. Die Entscheidung der Königin, nicht an der Hochzeit teilzunehmen, sei dafür symptomatisch. Außerdem sei die Queen mit der Absage einem Rat ihres Privatsekretärs Sir Robin Janvrin gefolgt, der verhindern wollte, dass der Status der Queen durch die Anwesenheit bei einer "Rathaus-Hochzeit" leiden könnte. Die Königin schließt auch nicht mehr aus, dass Charles bei der Thronfolge zu Gunsten von William übersprungen wird, berichtet "Mail on Sunday" weiter.

Nur noch jeder dritte Brite - 31 Prozent - will, dass Charles König wird. Vor zwei Wochen waren es noch 37 Prozent. Doch nun sind nach einer Umfrage im Auftrag des "Daily Telegraph" (Samstagsausgabe) 42 Prozent der Meinung, dass Königin Elizabeth II. von ihrem Enkel Prinz William abgelöst werden sollte. 23 Prozent sind für die Abschaffung der Monarchie, der Rest ist unentschieden. Dass die abgesagte Teilnahme der Queen an der Hochzeit nicht als Brüskierung gemeint ist, glauben ihr der Umfrage zufolge 31 Prozent. 46 Prozent glauben es nicht, und 23 Prozent sind sich unsicher.

Rechtmäßigkeit unter Experten umstritten

Charles und Camilla mussten die für den 8. April geplante Hochzeit aus rechtlichen Gründen von Schloss Windsor aufs Standesamt verlegen. Die Rechtmäßigkeit einer nur standesamtlichen Trauung ist unter Experten umstritten. Lordrichter Charles Falconer hatte erklärt, die Regierung befinde die Trauung für legal. Andere Rechtsexperten führen an, dass für Mitglieder des Königshauses nur eine kirchliche Eheschließung erlaubt sei. Weil beide geschieden sind, verbietet dies die Anglikanische Kirche. Die oberste britische Familienrichterin Elizabeth Butler-Sloss solle nun prüfen, ob die Hochzeit legal sei, berichtete der "Daily Express". Von ihrer Entscheidung hängt es Rechtsexperten zufolge ab, ob der Fall dann tatsächlich vor ein Gericht gebracht wird. Und diese Entscheidung, egal wie sie ausfalle, könne noch vor ein Berufungsgericht kommen. Dadurch sei der Hochzeitstermin am 8. April in Gefahr.

AP/DPA / AP / DPA