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Interview zum 70. Geburtstag: Herzogin Camilla litt massiv unter dem Hass der Diana-Fans

In einem ungewöhnlich offenen Interview zu ihrem bevorstehenden 70. Geburtstag hat Herzogin Camilla über die Zeit vor ihrer Heirat mit Prinz Charles gesprochen.

Herzogin Camilla

Herzogin Camilla feiert dieses Jahr ihren 70. Geburtstag

Sie sei definitiv ein Glas-halb-voll-Mensch: Camilla Parker Bowles, wie sie immer noch gerne in der britischen Presse genannt wird, obwohl sie bereits seit zwölf Jahren mit Prinz Charles verheiratet ist, verbreitet Wärme, Menschlichkeit und gute Laune um sich, wo immer sie hinkommt. Eigenen und fremden Missgeschicken begegnet sie mit Humor, in schwierigen Lebensphasen wird nicht geklagt sondern "Keep calm and carry on" praktiziert.

So empfinden es Menschen, die sie persönlich erlebt haben, und das sagt sie auch selbst über sich in ihrem ersten großen Interview mit einer britischen Tageszeitung. Anlass zu ihrem Gespräch mit der "Mail On Sunday" ist ihr bevorstehender 70. Geburtstag am 17. Juli. Die Herzogin sprach auch über die schwierige Zeit, als ihr Verhältnis mit Charles ans Licht kam. Damals campierten jeden Tag unzählige Paparazzi vor ihrem Haus.

"Es war eine sehr unangenehme Zeit"

"Ich konnte nirgendwo hingehen. Die Kinder sind ganz normal ein und aus gegangen, die haben es einfach ignoriert, genau wie gute Freunde. Es war schrecklich. Eine sehr unangenehme Zeit, die ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde", so Camilla.

Anfang der 90er Jahre, als die Ehe von Prinz Charles und der Prinzessin von Wales sich vor aller Augen in ihre Bestandteile auflöste, vordergründig vor allem wegen seiner Mätresse, von Diana-Fans gehässig nur "Rottweiler" genannt, fragte man sich schon, warum der älteste Sohn der Queen sich ernsthaft wieder mit seiner eher unattraktiven gleichaltrigen Jugendfreundin Camilla einließ, statt bei seiner wunderschönen, jungen und weltweit bewunderten Ehefrau zu bleiben.

Das lag offensichtlich daran, dass der Briten-Prinz es mit dem Leitsatz des kleinen Prinzen aus dem Saint-Exupéry-Märchen hielt: "Man sieht nur mit dem Herzen gut." An menschlichen Qualitäten konnte Diana Camilla offenbar nie das Wasser reichen: So rührend empathisch sie auf Kinder und alte Menschen eingehen konnte, so wenig war sie offenbar in der Lage, ihrem 14 Jahre älteren Mann die verständnisvolle und unterstützende Partnerin zu sein, die er brauchte - so die Lesart aus dem Umfeld von Charles.

Herzogin Camilla schwärmt über ihre glückliche Kindheit

Camilla Shand dagegen, Tochter eines Offiziers und aus niederem Landadel gebürtig (ihre Ur-Großmuter war Alice Keppel, die langjährige Mätresse von Königin Elisabeths Ur-Großvater Edward VII.), erlebte mit ihren zwei Geschwistern nach eigenen Worten eine idyllische Kindheit, in einer intakten, entspannt lebenden Familie, die in ihr reichlich Urvertauen in sich und ihre Umwelt weckte. Entsprechend war sie immer schon fröhlich, selbstbewusst und es fehlte ihr, nachdem sie mit 16 die Schule verlassen hatte und auch keine höhere Bildung mehr anstrebte, auch nie an Verehrern.

Als sich 1970 am Rande eines Polo-Spiels in Windsor die Gelegenheit ergab, den ein Jahr jüngeren Prinzen von Wales kennenzulernen, übernahm Miss Shand die Initiative und sprach ihn an. Ob sie das wirklich mit dem immer wieder überlieferten kessen Spruch "Meine Ur-Großmutter war die Mätresse Ihres Ur-Ur-Großvaters - wie wär’s denn mit uns beiden?" tat, hat keiner der beiden Beteiligten je bestätigt. Auf jeden Fall war der Annäherungsversuch ein voller Erfolg, bald waren die beiden jungen Leute liiert, von einer späteren festen Bindung war damals allerdings nicht die Rede.

Eine Ehe war für Camilla und Charles zunächst nicht möglich

Anders als heute, wo es durchaus denkbar ist, dass Charles’ Sohn Prinz Harry eine bürgerliche, geschiedene Amerikanerin ehelicht, und der Zweite in der Thronfolge, Prinz William, bereits mit einer Bürgerlichen verheiratet ist, stand es in den 70er Jahren völlig außer Frage, dass der britische Thronfolger eine Bürgerliche heiraten könnte, die bekanntermaßen auch keine Jungfrau mehr war. Insofern trennten sich die Wege von Charles und Camilla bereits nach kaum zwei Jahren Beziehung wieder, als der Prinz 1972 seine Ausbildung bei der Royal Navy begann und dadurch über Monate am Stück nicht erreichbar war.

Camilla, die Pragmatische, verlobte sich daraufhin, wissend, dass sie sowieso nicht zur königlichen Braut taugte, mit ihrem anderen langjährigen Verehrer und Ex-Freund, dem Offizier Andrew Parker Bowles, und heiratete ihn im folgenden Jahr. Zwei Kinder kamen bald darauf, die Verbindung zu Charles riss aber nie ab. Der Erstgeborene des Paares, Tom, wurde Patenkind des Thronfolgers. Man kannte und mochte sich, zumal Andrew Parker Bowles ebenfalls Anfang der 70er Jahre mit einem Königskind, Prinzessin Anne, liiert gewesen war.

Wann genau Camilla und Charles ihre Beziehungen in vollem Umfang wieder aufnahmen, weiß man nicht, doch sicher ist, das sie in den folgenden Jahren, in denen der Thronfolger diverse Freundinnen hatte und es immer nicht über sich bringen konnte zu heiraten, seine engste Vertaute blieb. Selbst in den Entscheidungsprozess um die Heirat mit der jungen Lady Diana Spencer war sie involviert.

Dianas früher Tod war das nächste Hindernis

Und wie man spätestens seit Dianas offenherzigem Fernsehinterview von 1992 weiß, war Camilla auch in der königlichen Ehe sehr präsent. Schließlich gab Charles selbst in seinem Fernsehinterview von 1994 zu, seine Frau mit Camilla betrogen zu haben, als seine Ehe nicht mehr zu retten war. Die Eheleute Parker Bowles wurden daraufhin zügig geschieden, die Wales-Ehe war 1996 endgültig beendet.

Die Hoffnung von Charles, danach endlich seine große Liebe heiraten zu können, wurde allerdings zunächst durch den tragischen Unfalltod seiner Ex-Frau in Paris im August 1997 zunichte gemacht. Camilla galt unter britischen Royal-Fans, verstärkt durch den frühen Tod der Ikone Diana, immer noch als verhasste Person, wurde in ihrem Haus von Paparazzi belagert und in der Öffentlichkeit beschimpft.

2005 durften Charles und Camilla heiraten

Und selbst alle Bemühungen einer PR-Experten-Gruppe im St. James Palast, ihr Image zu verbessern, waren nur sehr schleppend erfolgreich. Erst 2005 setzte sich der Prinz von Wales bei der Königin und all ihren Beratern durch und heiratete Camilla in einer privaten, standesamtlichen Zeremonie, an der die Kinder der Brautleute und einige Mitglieder der königlichen Familie, nicht jedoch die Königin und Prinz Philip teilnahmen. Erst beim Dankgottesdienst in der kleinen St. George’s Chapel auf Schloss Windsor und bei dem Empfang im Anschluss war auch die Bräutigamsmutter anwesend und gab in ihrer Ansprache dem Bund ihren Segen.

Und allen Unkenrufen zum Trotz hat sich diese Ehe sehr bewährt: Charles sieht man seitdem privat und bei offiziellen Anlässen nur noch glücklich und entspannt lächeln, Camilla hat sich mit bis zu 200 Repräsentationsterminen pro Jahr inzwischen ein hohes Maß an Achtung und Beliebtheit beim Volk erarbeitet.

Wird Camilla Königin?

Es bleibt der Kampf um den für sie passenden Titel, wenn die Königin eines Tages stirbt und ihr Sohn den Thron besteigt: Bisher nennt die Frau des Prinzen von Wales sich ganz bewusst "Herzogin von Cornwall", da "Prinzessin von Wales" im Bewusstsein der meisten Menschen immer noch zu stark mit der Person von Diana verknüpft ist. Wäre sie konsequent, würde sie später nicht "Queen Camilla" sondern "Princess Consort Camilla" von Charles III., so wurde es anlässlich der Eheschließung 2005 auch angekündigt, um möglichen Widerstand im Keim zu ersticken.

Doch ihr Mann ist trotzdem entschlossen, sie zu seiner Königin zu machen, zumal das der normale Lauf der Dinge ist. Jede nicht-morganatisch-angetraute Frau eines britischen Thronfolgers in der Geschichte wurde mit der Krönung ihres Mannes automatisch "Queen Consort", also Königin (im Unterschied zu "Queen Regnant", dem Titel von Elisabeth II. als regierender Königin). Wollte man das verhindern, müsste erst das Thronfolgegesetz geändert werden.  Ob Camilla wirklich einmal Königin werden sollte, oder lieber nur Prinzgemahlin, ist am Ende aber für sie selbst nicht so wichtig. Wichtig ist ihr, dass sie schon immer und bis heute das für Charles ist, was Prinz Philip seit 1947 für die Queen war: der Fels in der Brandung. Offensichtlich eine leichte Übung für diese 70-Jährige.