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Thronfolge: Prinz Charles steht in den Startlöchern

Für Prinz Charles wird seine Krönung zum britischen König zur Geduldsprobe. Mit 80 Jahren möchte seine Mutter zwar kürzer treten, aber auf die Idee abzudanken käme sie nie. Zudem bevorzugt das Volk sogar Prinz William als Nachfolger der Queen.

Seine Mutter wird nun 80, und er selbst geht mit 57 Jahren langsam, aber sicher auf das Rentenalter zu. Trotzdem muss Prinz Charles sich gedulden: Eher würde Elizabeth II. den Buckingham- Palast rot anstreichen lassen als abzudanken. Dienst bis zum letzten Atemzug - so verlangen es die Regeln der britischen Monarchie. Allerdings haben Mutter und Sohn längst einen Kompromiss gefunden: Ihre Majestät regiert weiter, während der Thronfolger der Queen immer mehr anstrengende Pflichten abnimmt.

Prince Charles hilft den Eltern

"Mit 80 wird sie kürzer treten", sagt ein Kenner des Hofes. "In dem Alter muss sie auch wirklich nicht mehr jeden Botschafter persönlich akkreditieren." Es bleiben zwar eine Reihe Pflichten, die Elizabeth II. nur selbst erfüllen kann, wie die Eröffnung des Parlaments, die Abnahme der alljährlichen Reiterparade "Trooping the Colour" und natürlich das wöchentliche Gespräch mit dem Premierminister. Aber etliche der royalen Auslandsreisen, die zudem auch für den bald 85-jährigen Queen-Gemahl Prinz Philip immer beschwerlicher werden, wird der Sohn den Eltern künftig abnehmen.

Damit haben Charles und seine "Prinzessin Gemahlin" Camilla Parker Bowles bereits begonnen. Die USA, Ägypten und Indien gehörten zu den ersten Stationen. Viele weitere sollen folgen. Hinzu kommen Pflichten im Königreich. Die Queen und ihr Ältester folgen damit nach Angaben der konservativen Zeitung "The Daily Telegraph" einem bereits im vergangenen Jahr von hochrangigen Beratern erstellten Modell für eine "natürlich wirkende, ganz vorsichtig gemanagte Entwicklung". Sie soll Charles dem Volk mehr und mehr als nächsten König nahe bringen.

Volk möchte Prinz William als König sehen

Die Bedeutung des Prinzen für die Nachfolge auf dem Thron wird nicht nur dadurch betont, dass er die Rolle des offiziellen Gastgebers der Feier zum 80. Geburtstag von Elizabeth II. am 21. April auf Schloss Windsor bekleidet. Charles wird auch über Funk und Fernsehen eine Ansprache an das Volk halten - zur Würdigung der Queen, aber es versteht sich, dass er damit zugleich seinen Anspruch auf den Thron betont.

Der ist ihm im Zuge etlicher Meinungsumfragen im Vorfeld des Geburtstages streitig gemacht worden. Darin sprachen sich teils mehr als 40 Prozent der Befragten dafür aus, dass Charles sich mit Camilla zurückzieht und seinem ältesten Sohn, Prinz William (23) das Königsamt überlässt.

Sollte William demnächst seine laut Umfragen ebenfalls sehr beliebte Freundin Kate Middleton (24) heiraten, was einige Monarchiepropheten der bunten britischen Blätter bereits voraussagen, könnte diese Stimmung neuen Auftrieb bekommen. Auch, weil immer noch viele Briten eine Abneigung gegen Camilla hegen, die einst von Prinzessin Diana "Rottweiler" genannt wurde.

Charles will sich George nennen

Nicht alle der zahlreichen "Hofastrologen" in London stimmen solchen Einschätzungen zu. Dickie Arbiter etwa, der einst dem Buckingham-Palast als PR-Berater diente, rät zu weit mehr Geduld in der Nachfolge-Frage: "Die Queen hat noch einen langen Weg vor sich. Sie wird sich nicht so bald irgendwohin verabschieden, sondern kann durchaus noch für die nächsten 20 Jahre mit uns sein."

Als halbwegs sicher gelten immerhin zwei Dinge: Unter Charles wird die Monarchie sich wandeln und er selbst wird seinen Namen ändern. Als König dürfte er sich stärker als seine Mutter zu gesellschaftlich relevanten Fragen äußern und Einfluss auf die Politik nehmen wollen. Das wurde durch die Veröffentlichung von Tagebuchnotizen des Prinzen deutlich. Zudem wurde bekannt, dass er in gelegentlichen Schreiben an Regierungsmitglieder mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält.

Dass er nicht gedenkt, als König Charles III. auf dem Thron zu sitzen, soll der Prinz im engeren Kreis klar gemacht haben, berichtete die "Times". Der Name sei kein gutes Omen, denn ein Charles sei geköpft und ein anderer sei ins Exil getrieben worden. Charles werde sich wohl George nennen, erläuterte Ahnenforscher Patrick Cracroft-Brennan - nach George VI., der "ein herausragender und sehr populärer Herrscher war".

Thomas Burmeister/DPA / DPA