Günther Kaufmann "Ich bin unschuldig"


Vor dem Landgericht Augsburg wird seit heute der Prozess gegen den zu 15 Jahren Haft verurteilten Günther Kaufmann neu aufgerollt. Der Schauspieler beteuerte zu Prozessbeginn erneut seine Unschuld.

Der Schauspieler Günther Kaufmann hat zu Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens über den tödlichen Raubüberfall auf seinen Steuerberater Hartmut Hagen seine Unschuld beteuert. Zum Prozessbeginn vor dem Augsburger Landgericht erklärte der 57-Jährige, er habe nichts mit der Straftat zu tun. "Ich bin unschuldig", sagte Kaufmann.

Der Angeklagte hatte die Tat zwar zunächst gestanden, aber nicht verübt. Schon vor seiner Verurteilung im November 2002 hatte Kaufmann den merkwürdigen Satz gesprochen: "Sie kriegen jetzt ein Geständnis von jemandem, der es nicht war". Nach dem Geständnis, er habe seinen Steuerberater getötet, war Kaufmann wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge zu 15 Jahren Haft verurteilt worden und saß zweieinhalb Jahre offenbar unschuldig im Gefängnis. Inzwischen sitzen die tatsächlichen Täter, drei Berliner, verurteilt hinter Gitter.

Streit um 400.000 Euro

Die wahren Hintergründe der Tat sollen jetzt vor dem Landgericht Augsburg im Wiederaufnahmeverfahren geklärt werden. Kaufmann wird dabei seine Unschuld beweisen und sein merkwürdiges Geständnis erklären müssen. Hintergrund der Verurteilung Kaufmanns waren Vorgänge in der Nacht vom 1. zum 2. Februar 2001 in der Villa des damals getöteten Steuerberaters Hartmut Hagen. Dieser hatte den Kaufmanns ein Darlehen von umgerechnet rund 400.000 Euro für einen Schein-Prozess in den USA gegeben, der nie zu Stande kam.

Als Hagen von der windigen Sache erfuhr, von der nur Kaufmanns Ehefrau Alexandra gewusst haben soll, hatte er zur Absicherung seiner Forderungen Zugriff auf das Haus der Kaufmanns in Portugal gefordert. In dieser heißen Phase der Auseinandersetzung wurde Hagen getötet. Ehefrau Alexandra soll mit den drei Verurteilten die Fäden gezogen haben, Kaufmann selbst nach eigenen Angaben unschuldig sein.

Wen will Kaufmann decken?

In Augsburg geht es um den Tod von Hartmut Hagen. Da inzwischen die Berliner wegen der Tötung des Steuerberaters verurteilt sind, zwei davon rechtskräftig, wird zu klären sein, was die Motive für Kaufmann waren, die Tat auf sich zu nehmen. Bei früheren Einlassungen hatte er angegeben, er wollte seine damals schwer an Krebs erkrankte Ehefrau schützen, die allerdings zwei Wochen vor dem ersten Prozess gestorben war.

Warum hat der Schauspieler ein falsches Geständnis abgelegt? Das ist die Schlüsselfrage, die das neue Verfahren zu klären haben wird. Kaufmann hatte nach seiner Verurteilung zu 15 Jahren Haft sogar auf Rechtsmittel verzichtet und war sofort ins Gefängnis gegangen. Zuvor hatte er noch zwei Personen der Mittäterschaft bezichtigt, die damals kurz in Untersuchungshaft saßen. Beide konnten aber wasserdichte Alibis vorweisen. Für diese "falsche Anschuldigung und Freiheitsberaubung" wird sich Kaufmann in einem späteren Verfahren verantworten müssen.

Anwalt fordert Freispruch

Ob Kaufmann selbst in den Fall verwickelt war, ist unklar. Es gibt von dem Münchner Richter Manfred Götzl einen Satz, der Kaufmann schwer im Magen liegen dürfte. Bei der Urteilsbegründung im Verfahren gegen die drei wirklichen Täter hatte Götzl ausgeführt: "Das Ehepaar Kaufmann hatte ein Motiv und ein erhebliches Interesse an einer Tötung Hagens." Kaufmann habe an der Tat zwar nicht direkt mitgewirkt, es sprächen aber zahlreiche Umstände für "seine strafrechtliche Verantwortung". Kaufmanns Berliner Anwalt Robert Unger ist von einem Freispruch für seinen Mandanten überzeugt. Der Prozess ist auf sechs Verhandlungstage angesetzt.

Nikolaus Dominik, DPA DPA

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