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"Ich bin ein Star": Heinz Erhardts Erben

Dschungelcamp, Tag 3: Giulia Siegel löst trotz ihrer Phobien die Aufgabe im Wasserbecken leicht bekleidet, aber souverän. Nicht so die beiden Moderatoren - die machen alles falsch, was ein Moderator nur falsch machen kann.

Von Michael Rossié

Ob sich jene Politiker, die sich einst für die Einführung des Privatfernsehens stark gemacht hatten, vorstellen konnten, wohin das führen würde? Nein, damit meine ich nicht die Ekel-Prüfungen und Dschungel-Aufgaben. Die sind inzwischen sterbenslangweilig. Sogar Giulia Siegel mit ihren Phobien löst ihre Aufgabe im Wasserbecken leicht bekleidet, aber souverän. Da passiert so gut wie nichts. Die Kandidaten wissen nämlich durch das Studium der letzten Staffeln genau, worum es geht.

Ansonsten Langeweile pur. Schätzspielchen, ein bisschen alberner Soldatendrill, ein bisschen Zickenkrieg, weil Giulia Siegel kein Österreichisch mehr hören kann (gut, dass sie die Dialekt-Imitationen von Frau Zietlow nicht hören muss), und ein Günther Kaufmann, der Frau Siegel wahlweise geschickt Angst macht oder ihre Wahl messerscharf als Antipathie analysiert. Dazu wird fröhlich und lautstark um die Wette gefurzt und das auch noch ausführlich kommentiert.

Nein, man hat sich in diesem Format vor allem entschieden, nackte menschliche Körperteile vor grünem Hintergrund zu zeigen, abwechselnd sehenswerte, überhaupt nicht sehenswerte und künstliche Körperteile. Und das mit einem so starken Zoomobjektiv, dass kaum Wünsche offen bleiben.

Wenn es doch nur aufregend werden würde, wenn Frau Zambo leicht bekleidet "mit dem zurechtkommen will, was ihr der liebe Gott gegeben hat" und Herrn Bond "was passieren könnte", obwohl "MOMENTAN meine Frau die Schönste ist". Da liegt doch der Skandal förmlich in der Luft. Außerdem freut er sich auf Nico Schwanz, der die Ohrstöpsel wegen der Vögelei im Dschungel dabei hat, und das, obwohl bei Lorielle der Po erst zu einem Viertel fertig ist. Man spürt, wie die Redakteure beten, dass etwas Quotenträchtiges passieren möge.

Und die Moderation? Kann man das, was Frau Zietlow und Herr Bach da machen, Moderation nennen? Nein, es handelt sich um gespielte Witze, die wir auch aus Volksmusiksendungen kennen, und deren einziger Zweck die Verlängerung der Sendezeit ist. Der Rest sind Aufrufe zum Voting (für zehn Kandidaten dauert das ewig) und zweideutige Wortspiele mit unartigen Wörtern, bei denen es sogar für "Hans Eichel" und "latte macchiato" Strafpunkte gibt, zwei Begriffe, die keinerlei Zusammenhang zur Sendung haben. Anschließend pubertäres Gekicher. Ja, da ist wohl eine Kindersendung ins Abendprogramm gerutscht.

Finden das auch Erwachsene komisch? Die beiden Moderatoren schon. Die lachen sich über sich selbst scheckig, als wären sie die legitimen Nachfahren von Heinz Erhardt. Dazu machen sie alles falsch, was ein Moderator falsch machen kann. Am Tag drei im Dschungel fanden sie zunächst ihre Kamera nicht. Die vorgefertigten Pointen werden mit falschen Pausen und Betonungen ("Das Auto steht IN der Garage") laienhaft wie kleine Theaterstückchen aufgeführt, wobei beide singen und grimassieren, was das Zeug hält. Jeder Moderator im Kinderkanal spricht natürlicher.

Aber das versteht man als Moderatorenchecker natürlich nicht. Denn das ist doch ABSICHT. Die dauernden Versprecher von Dirk Bach (Gumbis Zambo, lappy hour) liegen nicht daran, dass er zu lange geflogen ist, nein, das soll witzig sein. Sonja Zietlow wackelt mit dem Kopf und geschlossenen Augen wie ein Mitglied der Augsburger Puppenkiste und verscheucht mit ihren Grimassen keine australischen Mücken, das soll vielmehr amüsant sein. Die ständigen Quietschgeräusche sollen ungebremste Lebensfreude signalisieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die morgendliche Begrüßung der Moderatoren ("Moaggen, Ihr Lieben") verlogen ist

Das ist eine Technik, die schon Sonya Kraus perfektioniert hat. Sie soll uns immer sagen, bringe mich, Sonja Zietlow, und mich, Dirk Bach, nicht mit so einer bescheuerten Sendung in Verbindung. Wir sind Kunstfiguren, die für den Unsinn lediglich gut bezahlt werden. Ein ironischer Satz ist etwas Wunderbares, eine komplett ironische Moderation aber ist nervtötend.

Dabei ist es nicht so einfach, die Kandidaten vor der Kamera gnadenlos fertig zu machen (Peter Bond ist "ein solcher Schmierlappen" oder "Reizende Person, ich geh jetzt brechen!") und ihnen bei der Begegnung mit großer Geste ein überfreundliches "Moaggen, Ihr Lieben" zuzurufen.

Bei der Moderation der Prüfungen dann wird alles, aber auch alles gesagt, was der Zuschauer ohnehin sieht ("Das ist deine erste Prüfung / Dann würden wir jetzt die Prüfung beginnen / Dann schließen wir jetzt die Kammer") Ein Fußballkommentator würde noch vor der Halbzeit ausgetauscht. Die beiden machen das schon mehrere Staffeln.

Dass die Schlangen, die wir sehen, teilweise aus anderen Erdteilen kommen, spielt dann auch keine Rolle mehr. Tja, Menschen sind käuflich. "Da ist kein Star - schalt einfach aus". Wenn Sie allerdings noch nicht alle nackt oder wenigstens im Bikini gesehen haben: Täglich auf RTL zur Sendezeit für Erwachsene.

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