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Costa Cordalis und Daniel Küblböck: Veteranen lästern übers Dschungelcamp

Der eine war der erste Gewinner in der Geschichte von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", der andere die größte Heulsuse. Costa Cordalis und Daniel Küblböck, Teilnehmer der ersten Staffel, gucken auch heute noch das Dschungelcamp - und nehmen im Gespräch mit stern.de ihre Nachfolger kritisch unter die Lupe.

Von Katharina Miklis

Das waren noch Zeiten. Als Daniel Küblböck kreischend im Kakerlaken-Sarg lag, Caroline Beil völlig naiv über die Schönheits-OPs ihrer Camp-Mitbewohner lästerte ("Die senden so was doch nicht - niemals") und Costa Cordalis unbedarft die Natur im Outback erkundete. Fünf Jahre später läuft nun die vierte Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!". Die Zuschauerquoten sind überragend. Am Sonntagabend wurde die zweithöchste Zuschauerzahl in der werberelevanten Zielgruppe seit dem Staffelstart gemessen. Doch von dem Reiz von einst ist nichts mehr übrig. Das meint zumindest Schlagersänger Costa Cordalis, 64. "Langweilig" findet er die vierte Ausgabe der Show, die nur noch ein fader Abklatsch der ersten Sendung sei.

Das größte Problem des Dschungel-Formats seien allerdings nicht die ekligen Prüfungen, die sich immer wiederholen, sondern die Kandidaten selbst. Die Berechnung und der Selbstdarstellungsdrang der Prominenten habe nichts mehr mit den Beweggründen der Camper der ersten Staffel zu tun. "Die wissen ja heute genau, was auf sie zukommt. Die haben alle Sendungen 100 Mal gesehen, wissen, wie sie sich wo präsentieren müssen", kritisiert der Dschungelkönig der ersten Stunde. Die Motivation der neuen Promi-Riege sei nur noch Kalkül. "Wir wussten damals ja gar nicht, was draußen abgeht", so Cordalis. Nichts über Einschaltquoten, Außenwirkung und Sympathien. Während die Teilnehmer heute genau wissen, was die Zuschauer sehen wollen, war den Insassen des ersten Camps kaum bewusst, ob das Format überhaupt gesehen wird und aus welchen Gründen sie von den Zuschauern zu den ekelhaften Prüfungen gewählt werden. "Wir hatten keinen Kontakt zur Außenwelt. Die Ranger sind nachts ins Camp gekommen, um die Batterien unserer Mikros zu wechseln. Das haben wir gar nicht gemerkt," sagt Cordalis.

"Konkurrenzkampf ist schlimmer als Maden und Hunger!"

Das Kalkül, sich von der besten Seite zeigen zu müssen, sei die größte Belastung, so Cordalis. "Was die Leute da unten fertig macht, ist der Gedanke: Wie präsentiere ich mich, damit ich erster werde? Der Konkurrenzkampf ist schlimmer als Maden und Hunger!"

Über 2000 Kameras sind in dem Areal verteilt, weiß Cordalis. "Die können alles sehen. Du bist völlig nackt." Das wissen die Prominenten inzwischen. Der Druck ist entsprechend groß. Giulia Siegel hat sich extra für das Dschungelcamp noch unters Messer gelegt, um sich die Augenlider straffen zu lassen. Das Camp als Bewerbungsvideo: Nicht nur der Siegel wird der Dschungelaufenthalt den einen oder anderen Auftritt beim "Promi-Dinner" oder auf der RTL-Couch von Olli Geißen sichern. Bestens vorbereitet und schönheitsmäßig "optimiert" gingen viele "Stars" in den Busch. Abgesehen von der 77-jährigen Ingrid van Bergen haben alle Damen - und mit Lorielle London sogar ein Mann - mindestens eine Busen-OP hinter sich. Wer befürchtet, charakterlich nicht punkten zu können, will dabei wenigstens gut aussehen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Dschungelpromis von heute für Daniel Küblböck nur "Trittbrettfahrer" sind und wer zum Dschungelkönig gewählt wird...

Auch Daniel Küblböck, Heulsuse der ersten Staffel, sieht in der vierten Ausgabe eine deutlich stärkere Gewichtung auf Äußerlichkeiten: "So nackt haben wir die Leute noch nie gesehen. Die haben schon so ein Scheiß-egal-Gefühl." Die Scham- und Ekelgrenzen fallen. Heute sind sich die Prominenten darüber im Klaren, dass es ein pelziges Gefühl ist, wenn man einen Känguruhoden verspeist und dass man nicht tot umfällt, wenn man im TV-Camp von Skorpionen gebissen wird.

Von dem Pioniergeist, der Dschungelromantik und der Abenteuerlust von einst, da sind sich Cordalis und Küblböck einig, ist nichts mehr übrig. Nichts ist mehr wirklich aufregend, nichts ist mehr neu. Eine Giulia Siegel weiß genau: "Nicht so kreischen wie der Küblböck, sonst wählen dich die Leute immer wieder zu den ekligen Prüfungen!" Und Günther Kaufmann, ganz der Dschungel-Profi: "Giulia, nicht so viel heulen, die Zuschauer denken, Deine Phobien sind gespielt!" Medienprofis im Pseudo-Selbstfindungscamp.

"Die haben schon so ein Scheiß-egal-Gefühl"

Als Cordalis und Küblböck 2004 in den TV-Dschungel zogen, wagten sie ein Abenteuer: zwei Wochen lang im australischen Dschungel leben, alles wird gefilmt, und Essen gibt es nur gegen das Bestehen übelster Prüfungen. Kurzum: ein in Deutschland komplett neues Format. Cordalis sagte sofort zu. "Weil mich Australien gereizt hat". Und auch für Küblböck sah das PR-Video von RTL mehr nach "lustigem Ferienlager" aus. Zusammen mit Lisa Fitz, Caroline Beil, Werner Böhm, Mariella Ahrens, Susan Stahnke, Antonia Langsdorf, Carlo Thränhardt und Dustin Semmelrogge begaben sie sich in das Experiment mit ungewissem Ausgang. Zwei Wochen später ging Cordalis als erster Dschungelkönig aus dem Camp.

Trittbrettfahrer mit Schulden und drittklassige Prominenz

Küblböck sieht heute eine Reihe von "Trittbrettfahrern, die nur mitmachen, um ihre Schulden auszugleichen". Auch Cordalis bedauert die drittklassige Auswahl der Promis: "Natürlich sucht RTL die Leute speziell danach aus, wo Konfliktsituationen entstehen könnten. Nur bekommen sie jetzt nicht mehr die guten, bekannten Leute. Die echten Stars haben alle Angst, weil sie wissen, was auf sie zukommt." Die C-Promis, die jetzt Down Under hocken, haben demnach nicht mehr viel zu verlieren.

Ihre Favoriten haben Cordalis und Küblböck dennoch schon gefunden. Der Ex-"DSDS"-Kandidat Küblböck setzt auf die "Memmen" im Camp. "Die Leute haben lieber jemanden der quietscht und kreischt, als einen Macho wie Peter Bond, der dann doch abkackt". Schlagersänger Cordalis denkt, dass Günther Kaufmann es schaffen könnte. "Weil er mutig ist. Nicht lästert und meckert". So richtig überzeugt sind allerdings beide nicht. "Bei den Leuten fehlt einfach die Wärme untereinander und der Bezug zur Natur", so Costa. Die Busen aus Silikon, die Phobien gespielt - natürlich ist das nicht.

"Die erste Staffel war einfach die beste und hochkarätigste", zieht Cordalis heute vollmundig seine Dschungelcamp-Bilanz und fährt unbescheiden fort: "Die Promis im aktuellen Camp können sich nicht steigern. Besser als ich kann keiner von denen werden. Da muss man der Wahrheit ins Auge blicken."